Es ist eine nur wenig bekannte Seite des Meisters, mit der die Akteure das knapp 100-köpfige Publikum, auf Stühlen oder einfach direkt der Wiese vor dem Haus sitzend, bei dieser Gelegenheit konfrontieren. Ein betagter Brecht-Experte hat das Ganze konzipiert, und Manfred Wekwerth selbst ist überaus angetan von dieser zwölften Präsentation eines besonderen Brecht-Programms, das schon in Nordhausen, Magdeburg und sogar Marburg Erfolge feierte. Auch im thüringischen Bleicherode, woher die Band EMMA stammt.
Anderthalb Stunden lang singen und spielen sich Renate Richter, Hendrik Duryn, Matthias „Emma“ Hirschfeld und die übrigen Musiker durch Brechts Jugendjahre. Von „Der Jüngling und die Jungfrau, eine Keuschheitsballade in Dur“ über Auszüge aus dem 20-jährig geschriebenen „Baal“, die von Renate Richter grandios vorgetragene „Gardinenpredigt“ (1920) bis zu hochgradig ironischen Tagebuchaufzeichnungen. Zumindest im Stil der Betrachtung des eigenen Seins und der gesamten Welt in ihrer Unzulänglichkeit schimmert schon in damaligen Texten der Brecht von später durch. Es geht um Sehnen, Begehren und Sündenfälle zwischen den Geschlechtern, aber auch philosophische Fragestellungen und bereits als junger Mann anklagende Werke gegen den Krieg.
Schallenden Applaus sowie Bravo-Rufe ernten die Akteure für die „Ballade vom toten Soldaten“, auch der kurz angestimmte „Kanonensong“ und „Gegen Verführung“ dürfen zum Thema nicht fehlen. Als abschließend noch die „Ballade von den Seeräubern“ erklingt, erhellen wie als Untermalung bestellt erste Blitze den Himmel über dem Schermützelsee – Wetterleuchten für Brecht.