Andres Veiel will das nun ändern. "Wir haben versucht, Joseph Beuys näher ans Publikum zu bringen", sagte der Regisseur am Dienstag bei der Pressekonferenz zu seinem Dokumentarfilm "Beuys", der im Berlinale-Wettbewerb läuft. Doch was ist das für ein Typ, den Veiel seinen Zuschauern da vorstellt?
Ein Fettecken-und-Filz-Scharlatan ist es jedenfalls nicht. Stattdessen wird ein aufrichtiger Beuys gezeigt. Einer, der Mut hat und standhaft ist, sensibel und streitlustig. Und einer, dem wider Erwarten auch eine große Vernunft bescheinigt wird. Insgesamt 400 Stunden Archivmaterial haben Veiel und sein Team für die Dokumentation gesichtet.
Im Film kommt der Künstler überwiegend selbst zu Wort: Viele Selbstzeugnisse haben den Weg in die Dokumentation gefunden. Ihnen stehen Interviews mit Beuys' Weggefährten zur Seite. Die Frage, wie zuverlässig solche Selbstauskünfte eigentlich sind, liegt da natürlich auf der Hand. Unabhängig von ihrer Zuverlässigkeit sind sie aber ein guter Weg, die Aura des Künstlers zu durchdringen und dahinter einen sympathischen Menschen, kämpferischen Lehrer und engagierten Grünen-Politiker sichtbar werden zu lassen. Beuys ist in der Dokumentation ein Mann, der auf die Menschen zugeht und sie zum Denken auffordert.
Und das verlangt auch "Beuys" von seinen Zuschauern. Veiel hat kein Erklärstück geschaffen, das dem Unbedarften vermittelt, warum etwa einem toten Hasen die Kunst erklärt werden muss. Stattdessen zeigt er ein assoziatives Porträt. Dieses wird dem New Yorker Besucher vielleicht nicht den Unterschied zwischen Kunst und Baustelle verdeutlichen. Dafür ist es aber im Bären-Rennen ganz gut aufgehoben.
Heute, 9.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele; 12 und 18 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 21.30 Uhr, Thalia Kino Potsdam; Sonntag, 9.30 Uhr, Zoo Palast