Das Angebot ist riesig – vom Spreewald bis knapp vor der mecklenburgischen Grenze lassen sich rund 750 Künstlerinnen und Künstler über die Schulter schauen. Sehr renommierte Malerinnen oder Bildhauer sind genauso dabei wie eine Katzenzeichnerin, Daumenkino oder Mangas, etliche Galerien und viele Kunsthandwerker. Zusätzlich gibt es ein breites Rahmenprogramm (Lesungen, Führungen, Konzerte), teilweise kann man sich auch selbst künstlerisch ausprobieren. Und kaufen kann man die Kunst natürlich auch. Hier ein kleiner Vorgeschmack.
Die vom Bahnhof – in dem spannenden Gebäude am Rande von Chorin haben sich Maxi Bade, Karin Grießbauer, Moritz Hasse, Mido Kawamura, Matthias Röhrborn, Lady Undertone und Bernhard von Glasenapp temporäre Ateliers eingerichtet; Kollege Martin Seck hat sogar von den USA aus mitgemacht.
Die vom Bahnhof – in dem spannenden Gebäude am Rande von Chorin haben sich Maxi Bade, Karin Grießbauer, Moritz Hasse, Mido Kawamura, Matthias Röhrborn, Lady Undertone und Bernhard von Glasenapp temporäre Ateliers eingerichtet; Kollege Martin Seck hat sogar von den USA aus mitgemacht.
© Foto: Antje Scherer

Die Bahnhofs-Truppe

Der Putz blättert ab, Löcher in den Wänden, die Zimmer stehen leer – aber die Fenster sind frisch geputzt und es riecht nach Kaffee: Der „Bahnhof Brodowyn“ (Barnim) ist ein besonderer Ort. Nach jahrelangem Leerstand sind Künstler eingezogen und haben sich temporäre Ateliers eingerichtet (und in den Ortsnamen Brodowin das -y- eingebaut). Etwa Christiane Bergelt: Im Zimmer, das sich die junge Malerin ausgesucht hat, hängt ein riesiges blaues Bild von ihr. Auf dem Fußboden liegen ein paar Tierknochen, mit Erde dran, und daneben strahlend weiße Objekte aus Porzellan – auch Knochen, ein „Wildschweinlauf“, den ihr ein Förster überlassen hat, erklärt die Künstlerin, Jahrgang 1982, die bereits in großen Museen ausgestellt hat, u.a. im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst in Frankfurt (Oder). Es sei alles noch provisorisch, sagt sie beim Besuch am Dienstag, vielleicht sieht der Raum am Wochenende ganz anders aus. Sie lebt in der Nähe von Chorin und war – wie ihre Mitstreiter:innen Maxi Bade, Karin Grießbauer, Moritz Hasse, Mido Kawamura, Matthias Röhrborn, Martin Seck, Lady Undertone, Bernhard von Glasenapp – fasziniert von der Möglichkeit, in dem historischen Bahnhof zu arbeiten. Fast alle haben ortsspezifische Werke geschaffen, etwa Karin Grießbauer, die eine Wach- oder Schutzhütte aus Holz gebaut hat, gespickt mit federartigen Ausrissen aus ihren Tagebüchern – das Häuschen könnte auch einem Streckenposten an der Bahntrasse dienen.
Was ist speziell: Die Vielzahl der Künstler:innen. Und besonders der Ort! Die Ateliers sind eine Zwischennutzung, bevor der ehemalige Bahnhof als Wohnhaus renoviert wird. Also, vielleicht die letzte Gelegenheit, einen Blick hineinzuwerfen.
Angermünder Chaussee 8b, 16230 Chorin, Kontakt 0160 96285560; Sa 17 Uhr Musik, Sa 18 und 18.30 Uhr Lichtinstallation (anderer Ort! „Haus am See“, Klosterallee 12, Chorin), www.haus-am-see-chorin.de/moonflower
Die Malerin Christine Hielscher in ihrem Atelier in Gersdorf – extra fürs Wochenende hat sie Bilder aus verschiedenen Phasen versammelt. Die dreht sie sonst um oder hängt sie ganz ab. "Wenn ich arbeite, lenkt mich das Alte ab", sagt sie.
Die Malerin Christine Hielscher in ihrem Atelier in Gersdorf – extra fürs Wochenende hat sie Bilder aus verschiedenen Phasen versammelt. Die dreht sie sonst um oder hängt sie ganz ab. „Wenn ich arbeite, lenkt mich das Alte ab“, sagt sie.
© Foto: Antje Scherer

Idyll unter blühenden Bäumen

Christine Hielscher ist Malerin und Grafikerin (viele Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u.a. im Schloss Neuhardenberg), ihr Mann Dietrich Jacobs arbeitet mit Filz und Wachs. Alleine schon Haus und Garten des Paares in Gersdorf (Märkisch-Oderland) sind ein Traum, aber natürlich kann man auch die Ateliers besuchen und Kunst und eigenen Honig kaufen. Hielschers Maxime für die Mal- und Zeichenkurse, die sie gibt, lautet: Das Sehen beibringen! Wer aufmerksam ist, kann auch in ihren eigenen faszinierenden Arbeiten Spuren der sie umgebenden Landschaft finden. Und Jacobs hat sogar Bienen für die künstlerische Kollaboration gewinnen können.
Was gibt es noch: Selbstgebackene Erdbeertorte und Kaffee auf Stühlen im Garten unter den blühenden Bäumen.
Atelier an der Weide, Dorfstraße 8, 16259 Falkenberg OT Gersdorf, Kontakt 033451 6246, www.christine-hielscher.de www.berlinerfilz.de
Im Atelier von Heike Zappe in Neulewin
Im Atelier von Heike Zappe in Neulewin
© Foto: Heike Zappe

Fotografie, Musik und Tomaten

In kunstvollen Schwarz-Weiß-Fotografien porträtiert Heike Zappe Landschaft und Menschen des Oderbruchs. In ihrem Atelier in Neulewin (Märkisch-Oderland) zeigt sie Fotografien aus verschiedenen Serien und Plastiken. Und sie hat sich fürs Wochenende eine prominente Nachbarin eingeladen – die Illustratorin Kat Menschik. Die stellt am Samstag (15 Uhr) ihr neues Buch „Tomaten“ (Verlag Galiani Berlin) vor und erzählt von ihrer Arbeit.
Verhaltene Poesie in Schwarz-Weiß: Heike Zappe konzentriert sich auf Landschaft, Natur und Menschen. Besonders schön – ihre weiten Himmel des Oderbruchs. Hier ein Ausschnitt der Arbeit "nichtmehrnochnicht", die am Wochenende zu sehen ist.
Verhaltene Poesie in Schwarz-Weiß: Heike Zappe konzentriert sich auf Landschaft, Natur und Menschen. Besonders schön – ihre weiten Himmel des Oderbruchs. Hier ein Ausschnitt der Arbeit „nichtmehrnochnicht“, die am Wochenende zu sehen ist.
© Foto: Heike Zappe
Was gibt es noch: Musik! Am Sonntag (15 Uhr) erklingt Haus- und Hofmusik mit Heike Zappe, Uwe Ballhorn und Gästen.
Neulietzegöricke 46, 16259 Neulewin, www.bilder-reisen.de
Feinschliff: Goldschmiedin Julia Reiner-Wagner, die in ihrem Atelier auf Hof Prädikow Schmuck anfertigt und Kurse gibt.
Feinschliff: Goldschmiedin Julia Reiner-Wagner, die in ihrem Atelier auf Hof Prädikow Schmuck anfertigt und Kurse gibt.
© Foto: Antje Scherer

Buntes Leben, bunte Kunst, Hofcafé

Hof Prädikow ist ein quirliger Ort. Wieder. Bis zur Wende gab es hier eine Brennerei, eine Schmiede, Scheunen, Landwirtschaft und Wohngebäude – dann war es still. Heute entsteht dort in der märkischen Schweiz ein Projekt für gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten auf dem Land. Die Goldschmiedin Julia Reiner-Wagner ist mit ihrer Familie erst einmal im Dorf eingezogen, weil viele Wohnungen auf dem Hof noch nicht bezugsfertig sind. Ihre Werkstatt aber hat geöffnet – am Wochenende kann man feine Ringe und Ohrringe bewundern und mit ihr und anderen Künstlern und Kunsthandwerkern ins Gespräch kommen. Mit dabei sind noch: Adam Naparty, Anke Schüttler, Ann-Katrin Schaffner und Iris Kaschl (Collagen, Fotografie, Malerei).
Und sonst: Musik! Am Sa und So (je 15 Uhr) spielt das Duo Lou Reiner & Brio Taliaferro und das charmante Hofcafé Schwarzer Storch versorgt Besucher mit Drinks und Snacks.
Kunst/Werk Prädikow, Hof Prädikow, Dorfstraße 4, 15345 Prötzel OT Prädikow, Kontakt: 0173 9475118, www.hof-praedikow.de/offene-ateliers
Wo Funken sprühen: Gesa Witt, Schlosserin und Restauratorin, bei der Arbeit
Wo Funken sprühen: Gesa Witt, Schlosserin und Restauratorin, bei der Arbeit
© Foto: G. Witt

Metall und Filz

Gesa Witt restauriert technisches Kulturgut – riesige Dinge wie einen Kran, eine Flak oder eine ganze Straßenbahn, meist für Museen; ihre Mutter Gudrun macht Mode. In einem kleinen Atelier auf dem Hof der Familie in Sydower Fließ (Barnim) stellen sie gemeinsam aus – allerdings nur die transportablen Objekte: Leichte Mützen und Westen aus buntem Filz sowie Metallkunst zum An-die-Wand-Hängen und Pappmascheefiguren.
Biesenthaler Straße 7, 16230 Sydower Fließ, OT Grüntal, Kontakt 0151 10701252

Tage der Offenen Ateliers

7./8. Mai, geöffnet in der Regel Sa 14-19 Uhr und So 11-18 Uhr, einzelne Ateliers können abweichend geöffnet haben. Das komplette Programm unter www.offene-ateliers-brandenburg.de