Das Theaterstück "Komme bald!" der Theaterkompanie "Das letzte Kleinod" erzählt die Geschichten von sieben noch lebenden Zeitzeugen, die in der Sowjetunion in Kriegsgefangenschaft waren, teilweise noch lange nach dem Krieg, bis 1955. Ihre Rollen werden übernommen von vier russlanddeutschen Schauspielerinnen, die auf der Eisenbahnbühne zeigen, wie es war, als Jugendlicher von Hitler und den Nationalsozialisten überzeugt zu sein, gemustert zu werden, an die Front zu gehen – und dann nach Sibirien deportiert zu werden. Erzählt wird von verheerenden Hygienebedingungen, ewigem Hunger, harter Arbeit und Schikanen. Ständig fragen die vier Darstellerinnen: Kommen wir jemals wieder nach Hause?
Die Geschichten sind emotional und hart; im Publikum in Frankfurt gab es nach den 90 Minuten die eine oder andere Träne, in einem bedrückten Schweigen verließen die Zuschauer das Gelände am Gleis 197 E. Doch unproblematisch ist das Thema bis heute nicht. Wenn die Soldaten von ihrem Leid berichten, von ihrer Deportation in vollgestopften Waggons, die Züge, aus denen periodisch Leichen geworfen werden müssen – dann sind das schreckliche Bilder. Doch verbindet man mit diesen Sinnbildern, insbesondere in Verbindung mit Eisenbahnwaggons, vor allem den Holocaust. Die deutschen Soldaten hingegen kämpften auf der Seite von Massenmördern. Darf man trotzdem Mitleid mit ihnen empfinden?
Nächste Vorführungen: 19. bis 21.8., Fürstenwalde, Trebuser Str. 63 (Bahnhof Fürstenwalde), Karten: 04749 1030060 oder das-letzte-kleinod.de