Sven (Lars Eidinger) und Lisa (Nina Hoss) sind Zwillinge, er ist genau zwei Minuten älter als sie. Sven war einst der Theaterstar schlechthin an der Berliner Schaubühne, doch dann kam die Krankheit, und er musste sich in Therapie begeben.
Lisa war einst eine vielversprechende Dramatikerin. Doch der Familie zuliebe ist sie in die Schweiz gezogen, wo ihr Mann Martin (Jens Albinus) eine internationale Eliteschule leitet, und schreibt nicht mehr. Nach Svens Knochenmarktransplantation im Berliner Krankenhaus kümmert sich Lisa um ihn und nimmt ihn mit in die Schweiz. Sie will ihn unterstützen, mit allem, was sie hat, damit alles wieder wird wie früher. Doch die Krankheit ist stärker…
So sehen wir dem Geschwisterpaar bei einem aussichtslosen Kampf zu. Lisa will den nahenden Tod des Bruders nicht wahrhaben, opfert sich auf, vernachlässigt ihre eigenen Bedürfnisse. Doch sie gibt ihm Liebe und Hoffnung, findet mit Sven jene Vertrautheit zurück, die beide seit der Kindheit verbindet und die für den Sterbenden letztlich wichtiger ist als erfolglose Therapien.
Alles um die Schaubühne
Erzählt wird diese traurige Geschichte eindringlich und ohne jede Larmoyanz, und das hat sicher auch mit dem Theaterkontext und der Selbstreferentialität des Films zu tun. Etliche Szenen wurden in der echten Schaubühne gedreht, ihren fiktiven Star spielt der tatsächliche Superstar des Hauses, Lars Eidinger, und auch Thomas Ostermeier, Regisseur und Direktor des Theaters, gibt hier einen fiktiven Regisseur, David.
Dass auch Nina Hoss an der Schaubühne gespielt und mit Lars Eidinger an der Schauspielschule Ernst Busch gemeinsam studiert hat, schließt den Kreis doppelt. So wirkt die Intimität der Geschwister auf der Leinwand besonders überzeugend, übertragen sich ihre Gefühle direkt auf den Zuschauer.
Die Regisseurinnen haben den Mut, nichts zu beschönigen, und keine künstlichen Comic-Relief-Szenen einzubauen, wie man das in dem Genre gern tut. Dennoch mag man bedauern, dass die Ehekrise zwischen Lisa und ihrem Mann so viel Platz im Film einnimmt. Auch die zu expliziten Anspielungen auf Hänsel und Gretel überzeugen nicht, jedenfalls kein deutsches Publikum, das das Märchen auswendig kennt.
Starkes Ensemblespiel
Doch dass beim Sterben jeder allein ist, während das Leben trotzdem weitergeht, zeigt der Film überzeugend und setzt dabei voll auf sein großartiges Darsteller-Duo: Eidinger gibt den Sven mal empfindsam, mal divenhaft, mal schalkhaft als viel zu früh scheidenden Künstler. Noch mehr berührt allerdings die überragende, so sensibel wie kraftvoll agierende, Nina Hoss als "Schwesterlein". Den Silbernen Bären für die beste Schauspielerin hätte sie mehr als verdient.
"Schwesterlein": Wettbewerb, 25.2. 9.30 Uhr HdBF, 13 Uhr FSP, 1.3. 12 Uhr FSP