Der Berliner Kunstsammler und Mäzen Heiner Pietzsch ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 91 Jahren nach längerer Krankheit in einer Berliner Klinik, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Mittwoch mitteilte. Noch vor zweieinhalb Wochen hatten Pietzsch und seine Frau Ulla an dem Festakt zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie teilgenommen.
Die Eheleute Pietzsch hatten eine wertvolle Kunstsammlung aufgebaut und diese vor rund fünf Jahren dem Land Berlin geschenkt. Die beiden haben keine eigenen Kinder. Die Sammlung soll in dem im Bau befindlichen Museum für das 20. Jahrhundert am Kulturforum präsentiert werden. Die Schenkung umfasste etwa 150 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der Klassischen Moderne, darunter Werke von Max Ernst, Salvador Dalí und Mark Rothko. Der Schätzwert wurde damals mit 120 Millionen Euro angegeben.

Selbstständig mit Kunststoff-Firma in West-Berlin

Der gebürtige Dresdner Heiner Pietzsch hatte sich in den 50er Jahren als Selfmademan mit einer Kunststoff-Firma in West-Berlin selbstständig gemacht. „Damals war meine Frau nicht nur meine beste, sondern auch meine einzige Mitarbeiterin“ erzählte er vor einigen Jahren der dpa. Seit den 50er Jahren trug das Paar die beispiellose Sammlung surrealistischer Kunst zusammen. Heiner Pietzsch berichtete: „Anfangs haben wir die Bilder nur als Dekoration an die Wand gehängt, bis wir merkten: Das bringt nichts, einfach durcheinander zu kaufen“, so Pietzsch. „Am Ende hat meine Frau sich mit ihrer Liebe zu den Surrealisten durchgesetzt.“

Pietzsch war „eine starke Persönlichkeit“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Pietzsch als Menschen, der die Kunst geliebt und sie mit der Gesellschaft habe teilen wollen. „Wir verneigen uns in Trauer und Dankbarkeit vor einem liebenswürdigen Menschen, vor einem leidenschaftlichen Kunstsammler und vor einem Wohltäter für unser bürgerliches Miteinander.“
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, nannte Pietzsch „eine starke Persönlichkeit mit ausgeprägtem Kennerblick für die Kunst der Klassischen Moderne, verbunden mit unternehmerischem Spürsinn für Machbares“.
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, erklärte: „Die Staatlichen Museen zu Berlin sind Heiner Pietzsch zu allergrößtem Dank verpflichtet. Wir verlieren mit ihm einen kunstsinnigen und über alle Maßen großzügigen Freund und Mäzen.“