Am Sonnabend ging die Uraufführung in Schwedt über die Bühne. Das Publikum flippte beim Finale nahezu aus, fühlte Schmetterlinge im Bauch, applaudierte stehend bis die Zugaben kamen.
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Regisseur und Mittexter Reinhard Simon lässt mit einem im Vergleich zum Hausensemble mehr als verdoppelten Schauspieler-, Tänzer- und Sängeraufgebot im New York des Jahres 1825, in Venedig und Wien die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang des italienischen Dichters und berühmte Opernlibrettisten Lorenzo da Ponte erzählen. Inmitten teilweise kinoreifer Bühnenbilder und Szenenwechsel, aufgepeppt mit Videoprojektionen. Getragen von einem gewagten Musik-Mix aus klassischer Musik in neuem Gewand bis hin zu den großen Hits von Johnny Cash und Whitney Houston.
Freigeist Da Ponte musste wegen seines liederlich-aufrührerischen Lebenswandels aus Italien fliehen und lässt seine Geliebte Annetta zurück. Sein Freund Casanova (Conrad Waligura - extravagant!) vermittelt ihn in die damalige Kulturhochburg Wien und verschafft ihm eine Stelle am Hofburgtheater. An der Donau regiert der weltoffene Kaisers Josef II.
Da Ponte überredet den völlig durchgeknallten Jung-Komponisten Mozart, aus einem Skandalstoff eine Oper zu machen. Es ist "Der tolle Tag" von Beaumarchais. Die beiden schmieden das "Figaro-Komplott", tricksen den Kaiser aus und umschiffen so dessen Aufführungsverbot. "Die Hochzeit des Figaro" kommt auf die Bühne.
Als Schauspieler, Komödiant, Sänger, Trommler brilliert Michael Kuczynski in der Paraderolle als genial verrückter Mozart. Uwe Schmiedel steht ihm als Kaiser leichtfüßig und - züngig spielend und den Wiener Schmäh beherrschend kaum nach. Susanne von Lonskis gelungene Rückkehr auf die große Schwedter Bühne als Annetta hätte beeindruckender ausfallen können. Dafür aber war Simon Mehlich als Darsteller des jungen Da Ponte zu sehr auf einem Ego-Trip. Anstatt sich mit ihr als Bühnenpartnerin in den Musical-Himmel zu singen und zu spielen, verpasste er es zu oft, Gefühle zu spielen statt sie nur zu singen oder zu sprechen.
Da war das Zusammenspiel von Daniel Heinz als Da Ponte senior und des ausgezeichnet aufgelegten Neuzugangs Katarzyna Kunicka als Susan Mayer von deutlich besserem Format. Katarzyna Kunicka sang auf das Schwedter Publikum beeindruckende Weise. Larissa Kristina Puhlmann als Opernsängerin La Ferrarese und Natalia Brodzinska als deren Konkurrentin Cavalierie lieferten sich einen hörens- und sehenswerten Divenkrieg.
Neben dem choreografisch, musikalisch und optisch ausgefallenem finalen Auftritt der Schauspieler als Trommler und der Minuten-Einführung in den neuen "Figaro" für den Kaiser wird eine meisterliche Szene lange im Gedächtnis haften bleiben: die Schwedter Interpretation des Liedes "Die Gedanken sind frei" (alle Choreografien Eliza Holubowska).
Die rauschende Ausstattungsorgie ist Frauke Bischinger zu verdanken. Dass der Musical-Klipper nicht an den Klippen des Cross-over-Musicals zerschellte, sondern alle Zeit- und Stilkurven kriegte, dafür sorgten auch Uli Herrmann-Schroedter (musikalische Leitung ) und Tilman Hintze (musikalische Einstudierung) und Andreas van den Brandt (Einstudierungen).
Aufführungen: 14., 15., Oktober, jeweils 19.30 Uhr, Uckermärkische Bühnen Schwedt. Tickettelefon: 03332538111
Mitreißendes Finale von "Amore mio - Das Figaro-Komplott": Mit einem großen Aufgebot an Schauspielern, Tänzern und Musiker bringt Regisseur Reinhard Simon in Schwedt sein neues Cross-Over-Musical auf die große Schwedt Bühne und wird dafür vom Publikum gefeiert.Foto: Udo Krause
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