Etwa 200 Sänger aus all ihren Teilchören, inklusive 60 Ehemalige, bilden das vokale Großaufgebot, um Carl Orffs "Carmina Burana" aufzuführen. Trotz dieser Klangmasse entsteht unter der präzisen, anspornenden Leitung von Rudolf Tiersch eine erstaunlich transparente Klangklasse. Sie beruht auf sauberer Intonation, leichter Artikulation und Textverständlichkeit.
Zwischen verhalten und ekstatisch tönt der Eingangschor "OFortuna" sehr majestätisch. Doch auch die Musiker vom Brandenburgischen Staatsorchester drehen überaus kraftvoll, vom differenziert eingesetzten Schlagwerk angefeuert, am göttlichen Glücksrad mit. Mit instrumentalem Biss und aus kernigen Männerkehlen werden "Die Wunden, die Fortuna schlug" beklagt. Den Lobpreis des "Frühlings" dominieren die klangsatten Alte und schärfefreien Soprane. Und auch beim Bericht vom Treiben "Uf dem Anger" lassen sie eine schwebende Leichtigkeit entstehen. Der lyrische Bariton Thomas Wittig lobt mit breiter, deklamatorischer und mitunter zu watteweicher Rhetorik die milde Sonne und Erneuerung der Natur, die das Herz zur Liebe stimuliert.
Im Wirtshaus ("In taberna") geht es dann gar lustig zu. Herrlich witzig in grotesker Falsettlage gestaltet Tenor Lutz M. Müller den Gesang des gebratenen Schwans. Zuvor lobpreist der Bariton die Vorzüge des Saufens, um wenig später mit theatralischer Gestaltungslust von den Gelüsten des besoffenen Abts zu künden ("In taberna quando sumus"). Als minnewerbender Ritter am Hof der Liebe ("Cour d'amour") ist Wittig dann ganz in der Rolle eines Liebesverführers.
Sopranlieblich und schwelgerisch entschwebt Martina Rüping übers hohe "C" hinaus in den siebten Himmel der Liebe. Fabelhaft! Auf dem Höhepunkt des ekstatischen Eros-Treibens meldet sich die unberechenbare Fortuna erneut zu Wort - das Rad hat sich halt weiter gedreht. Standing Ovations und ein "O Fortuna"-Dacapo.