Das Festspielorchester spielte Musik - natürlich- von Richard Wagner und mit Genehmigung des Stiftungsrates von Alban Berg und Giuseppe Verdi, denn eigentlich darf nur Wagner im Festspielhaus aufgeführt werden. Zu Beginn gab es die Ouvertüre zu "Rienzi", der letzten der frühen Opern, die nicht zum Repertoire der Festspiele gehören und die Wieland Wagner in Stuttgart getestet hatte auf Festspieltauglichkeit - mit negativem Ergebnis -, zum Schluss das Vorspiel zum "Parsifal", der ersten Inszenierung von Wieland 1951 auf dem Grünen Hügel. Dazwischen Musik aus Alban Bergs "Wozzeck" und aus Verdis "Othello".
Sir Peter Jonas, früherer Intendant der Staatsoper in München, würdigte Wieland Wagner, ohne dessen zwiespältige Persönlichkeit zu unterschlagen. "Seine willige, aber naive Verführung durch den Nationalsozialismus, sein schockierend radikaler Opportunismus und seine rätselhafte, aber erlösende Erleuchtung waren Teil einer ödipalen Tragödie", so Jonas. Wieland und "Onkel Wolf", wie Hitler in der Villa Wahnfried genannt wurde, das war ein besonderes Verhältnis. Aber Wielands Arbeit in einer Außenstelle des KZ Flossenbürg haben ihn wohl verändert, wie die Familie feststellte. Später schwieg er. "Scham macht stumm", umschrieb es Tochter Nike.
Am Montag vor der Premiere im Festspielhaus gab es die Premiere der Kinderoper, seit 2009 eine Tradition und seit vielen Jahren musikalisch unterstützt vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt (Oder), das auch diesmal wieder seine besondere Qualität unter Beweis stellte. Was auch das junge Publikum durchaus zu würdigen wusste.
Die ungarische Regisseurin Zsófia Geréb, die mit dieser Inszenierung ihre Masterarbeit an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler" ablegte, gönnt in Wagners "Tannhäuser" dem jungen Publikum ein Happy End. Zwar will ein alter Herr, der die ganze Zeit Zeitung lesend auf der Bühne sitzt, Tannhäuser seine Regelverletzung und seinen Besuch bei der Außenseiterin Venus nicht vergeben. Elisabeth, die Tannhäuser liebt, bezeichnet den knorrigen Herren mit Melone auf dem Kopf als scheinheilig. Ein besonderer Witz für den Älteren, denn der Mann vertritt in dieser Inszenierung den Papst. Elisabeth schafft es bei der daneben sitzenden alten Dame, die die ganze Zeit an einem Bach strickt, der sich über die Bühne schlängelt, die Vergebung zu erreichen. Frauen sind einfach mitfühlender.
Zuvor gibt es natürlich den "Sängerkrieg auf Wartburg", wie es bei Wagner heißt und was in Bayreuth eine Art Songcontest ist unter dem Motto "Wartburg sucht den Superstar". Das junge Publikum folgt dem einstündigen Geschehen sehr gebannt. Nicht nur ist das Brandenburgische Staatsorchester eines aus der A-Kategorie, auch die Sänger sind Klasse. Caroline Wenborne als Elisabeth ist auch in Frank Castorfs "Ring"-Inszenierung zu hören, und Jukka Rasilainen ist gleichsam eine alte Bekannte auf dem Grünen Hügel, wo Hans-Georg Priese als Tannhäuser gewiss auch bald singen wird.
Wieder ist die Idee, die oft sehr verworrene und manchmal auch verquaste Geschichte, die Wagner seinem erwachsenen Publikum erzählt, für junge Menschen so zu vermitteln, dass sie vielleicht in ein paar Jahren einmal ins Festspielhaus oder in eine andere Oper gehen werden. "Kinder, macht Neues", hatte Richard Wagner mal gefordert, hier wird's Wirklichkeit.