Obwohl es gegenwärtig gewaltig herbstelt, fängt die stimmungsmalende Vier-Etappen-Exkursion in gebührlicher Reihenfolge mit dem Frühling an, der seine Schönheiten erst nach dem musikalisch kraftvoll-frostigen Übergang vom Winter zu entfalten versteht.
Im mehr oder weniger gut gelungenen Rezitativvortrag verkünden drei Dorfbewohner, Hanne (Sopran), Lukas (Tenor) und Simon (Bassbariton), das Nahen des Lenzes. Dabei werden sie vom voluminös tönenden, wenig lockenden und gehemmt wirkenden Chor nebst routiniert vom Blatt spielenden Orchester unterstützt.
Die Melange wirkt nicht nur beim Entree, sondern auch im Verlauf der dreistündigen Aufführung ziemlich unelegant, irgendwie unlustig, schwerfällig und wenig inspiriert, geradezu frostig. Künstlerische Absicht oder Ergebnis mangelnder Probenzeiten? Es wird forciert, was Stimmbänder, Saiten und Blasrohre hergeben.
Eine "Labung für die Sinne", wie es in der gleichnamigen Sopranarie heißt, ist das alles leider nicht. Für die weiß allein Lukas alias Daniel Sans zu sorgen, der sich mit seinem sattelfesten, hell getönten, höhenstrahlenden und leicht geführten lyrischen Tenor als ein Oratoriensänger von Format erweist. Er kann Rezitative sinnerfüllt gestalten und Arien zum Erblühen bringen. Was leider der Sopranistin Annika Gerhards (Hanne) abgeht und vom kurzfristig eingesprungenen Bassbariton Kay Stiefermann (Simon) auch nicht geboten wird. Wissen beide eigentlich, wovon sie intonationsunsauber und textunverständlich künden?
Nach der Pause findet der Chor langsam zu gewohnter Stimmkultur zurück. Kräftig tönt die Männerschar in den herbstlichen Jagd- und Trinkliedern. Zuvor haben sie mit den Frauenstimmen das sommerliche Ungewitter ausdrucksintensiv beschrieben. Nicht weniger plastisch gelingt den Frauen dann der Bericht vom schnurrenden Spinnrad in heimeliger Winter-Atmosphäre. Dem nahenden Frost suchen alle mit einer Dank-Fuge zu widerstehen. Dann tobt der Bravo-Jubel.