Es ist schon paradox. Die vermeintliche Party-Hauptstadt Berlin tut sich schwer mit Feiernden. Egal, ob Feiernde auf der Admiralbrücke in Kreuzberg oder Freiluftkonzerte - Anwohnerproteste und strenge Auflagen machen es den Veranstaltern immer schwerer, den Mythos der hippen Metropole mit Leben zu füllen. Bis in den Morgen feiern oder auch nur bis Mitternacht im Straßencafé sitzen, geht vielerorts gar nicht mehr.
Das Lollapalooza-Festival, deutscher Ableger einer 1991 von der Band Jane's Addiction gegründeten Reihe aus den USA, vagabundiert nun schon im dritten Jahr durch die Stadtlandschaft. Nach einem Auftakt auf dem Tempelhofer Feld 2015 und einem Zwischenspiel im Treptower Park 2016 ist das Mega-Event mit rund 80 000 Besuchern pro Tag nun nach Märkisch-Oderland geflüchtet. Und auch dort, auf der Pferderennbahn Hoppegarten, finden die Veranstalter ebenso wenig ihren Frieden wie die Anwohner, die die Lärmbelästigung und Schädigung der Natur fürchten.
Wilder als Hufgetrappel wird es am Sonnabend und Sonntag allemal, wenn die insgesamt 45 Solokünstler und Bands in Hoppegarten loslegen. Besucher, die im Besitz eines der - ausverkauften - 129 bis 149 Euro teuren Festivalpässe oder eines Tagestickets (79 Euro) sind, können aber beruhigt sein. Denn ganz gleich, wie der Streit um die Zahlung von Ausweich-Hotels für Anwohner ausgeht: Das Festival findet auf jeden Fall statt. Und zwar mit einem Programm, das es in sich hat. Die Veranstalter haben wieder einige Schwergewichte der Rockmusik und des Hip-Hop an Land gezogen.
Die Foo Fighters zum Beispiel. Die Stadionrocker spielen Songs von ihrem neunten Album "Concrete And Gold", das erst in der nächsten Woche in den Handel kommt. Die Lokalmatadore im Line-Up sind die Beatsteaks. Die Berliner Punkrocker haben erst vor wenigen Tagen ihr Album "Yours" im Admiralspalast vorgestellt und waren schon vor zwei Jahren beim Lollapalooza. Wer sich an die hüpfende Menge damals erinnert, ahnt, dass das Quintett die Fans auch jetzt wieder begeistern wird.
Cro und Marteria sorgen dafür, dass Hip-Hop-Fans auf ihre Kosten kommen. Unterkühlten Elektropop gibt es von dem britischen Trio London Grammar. Annenmaykantereit aus Köln singen sensible Lieder für Mittzwanziger, die von einem Pärchenglück mit Altbauwohnung träumen ("3. Stock") oder eine Vergangenheit als Trennungskind aufzuarbeiten haben ("Gefragt").
Das "Lolla" bietet aber auch viele Gelegenheiten, frische Talente zu entdecken. Zum Beispiel die Pop-Sängerin Sigrid Solbakk Raabe (21) aus Norwegen. Ihre Anfang des Jahres veröffentlichte Debüt-Single "Don't Kill My Vibe" war sogleich ein mittelschwerer Hit, befördert durch viel Zuspruch in den sozialen Medien.
Lollapalooza bietet erneut auch Spielangebote für Kinder ("Kidzapalooza"), Kunstinstallationen und eine Fashion-Show. In einem Areal namens "Der grüne Kiez" stellen Umweltschutz-NGOs ihre Arbeit vor. Bezahlt wird auf dem Festivalgelände mit einem bargeldlosen Chip-System.
komplettes Programm im Netz: www.lollapaloozade.com