Die Illustratorin Christa Unzner machte eine ähnliche Erfahrung. Ihre 2015 in Schöneiche verstorbene Mutter hatte ihr sorgsam geführte Tagebücher hinterlassen. Darunter befand sich auch ein Heft, in denen die damals 18-Jährige mit zierlicher Mädchenhandschrift alles zu Papier brachte, was sie in den Monaten vom 1. Januar bis zum 22. Mai 1945 erlebte und bewegte. Christa wusste zwar, dass ihre Mutter Tagebuch geführt hatte, aber von den Schilderungen der dramatischen Ereignisse zu Kriegsende und den offenherzigen Bekenntnissen war sie doch überrascht.
Christa Unzner hat 150 Bücher illustriert, darunter viele für Kinder und Jugendliche, und war sich sicher, dass die Aufzeichnungen eine Veröffentlichung verdienen. Sie begann, Textpassagen auszuwählen und dazu Zeichnungen und Collagen zu gestalten, für die sie auch historische Aufnahmen nutzte. 75 Jahre nach dem Ende des von den deutschen Faschisten entfachten 2. Weltkriegs liegt Theas Tagebuch nun als anschaulich illustriertes Anti-Kriegsbuch  vor, das vor allem jugendliche Leser ansprechen wird.
Thea, deren Zuhause Schöneiche war, wo ihre Mutter und die Geschwister lebten, wurde wie fast alle Mädchen ihrer Generation dienstverpflichtet.  Anfang 1945 arbeitete sie auf dem nordwestlich von Berlin gelegenen Gutshof Protzen. Dort wird sie gut behandelt und erlebt glückliche Momente. Aber die Front rückt näher. Zusammen mit der Gutsbesitzerfamilie folgt eine hastige und letztlich gescheiterte Flucht Richtung Elbe. Dabei erlebt Thea, wie der Krieg die Menschen erniedrigt und verändert. Das Mädchen notiert: "Ich schäme mich, eine Deutsche zu sein."
Besonders sorgt sie sich um das Leben ihrer Angehörigen.  Als sie vom Kriegsende erfährt, hat sie nur noch einen Wunsch: nach Hause.  Sie vertraut dem Tagebuch alle Strapazen an, bedrohliche Situationen und unerwartete freundliche Gesten seitens der russischen Sieger. Ihr Weg nach Schöneiche führt erst durch märkische Wälder, dann zum Teil barfuß quer durch das Trümmermeer Berlins, bis Thea schließlich völlig erschöpft auf der Straße steht, die von Friedrichshagen nach Schöneiche führt.
Das Geschehen wird in eindrucksvollen Zeichnungen festgehalten, in denen Christa als behutsame und klugfragende Tochter agiert. Anlässlich der Buchpremiere am 12. Januar in der Kulturgießerei in Schöneiche wird sie zusammen mit Annette Baeder aus Theas Tagebuch lesen und nach der Regie von Jens Finke auch Szenen spielen.
Unzner, Christa: Thea. Tagebuch, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 88 S., 16 Euro. Buchvorstellung: 12. Januar 2020, 16 Uhr, Theater in der Kulturgießerei, An der Reihe 5, Schöneiche. Karten (8 / 5 Euro) Tel. 01805 700733.