Von cholerischen Ausbrüchen ist die Rede, von persönlichen Beleidigungen, von Beschimpfungen der Sängerinnen und Sänger. Sie vertreten die Sparte der Solisten und senden den Brief an die Intendanz und an den neunköpfigen Stiftungsrat, an dessen Spitze die Kulturministerin Martina Münch steht. Sie hoffen auf Hilfe von außen, innerbetrieblich sei das Problem nicht zu klären gewesen, an Aussprachen habe es nicht gefehlt. Allein das Ergebnis war gleich Null. Das Fass zum Überlaufen brachte die fristlose Kündigung des Studienleiters Frank Bernard, der seit Langem am Haus – unter anderem als Chefrepetitor – viele erfolgreiche Aufführungen vorbereitet hatte. Bernard hatte auf Facebook Christ öffentlich kritisiert und dabei auch kollegial Gespräche angeboten.
Wenige Tage nach den Solisten kommt auch das Orchester aus der Deckung. Es solidarisiert sich mit Bernard, bestätigt ähnliche Vorfälle und erklärt zugleich, dass es nicht mehr mit Christ zusammenarbeiten möchte. Und zwar nie wieder. Daraufhin wird die Ministerin munter, hatte sie noch kurz zuvor erklärt, das Problem müsse intern geklärt werden und sie sei „nah dran“. Offenbar nicht nah genug, denn auch die Schauspieler, eine eigene Sparte, haben sich intern ebenfalls mit Bernard solidarisiert. Auch aus dem Chor und  Bereichen der Technik grummelt es hörbar.
Hier hat sich über Jahre hinaus eine Krisensituation aufgebaut, die zu managen, niemand bereit war. Denn der andere Teil der Wahrheit ist: Christ hat viel für dieses Theater getan, hat kühne Aufführungen gewagt und jungen Komponisten mit Erstaufführungen eine Chance gegeben. Über das Cottbuser Musiktheater spricht man in der gesamten Bundesrepublik vorwiegend positiv. Mehrfach wurde es ausgezeichnet.
Sind bis zur Ministerin die Konflikte nicht durchgedrungen oder war sie zu naiv? Beides wäre ihrem Amt nicht angemessen. Bei der Premiere der Verdi-Oper „Macbeth“ am vergangenen Sonnabend setzte sie sich demonstrativ in eine Loge mit dem Generalmusikdirektor, wo doch neutrale Moderation von ihr erwartet wurde. Am Montagabend bei einem Gespräch mit Musikern sah das schon anders aus. Der Beifall für das souveräne Dirigat des 1. Kapellmeisters Alexander Merzyn am Sonnabend dürfte ihr nicht entgangen sein.