• Hamburg hat als erstes Bundesland in Deutschland einen Vorstoß bei der nicht unumstrittenen 2G-Regel gewagt
  • Im Stadtstaat gibt es seit dem letzten Wochenende im August unter anderem in der Gastronomie die „2G“-Option
  • Rheinland-Pfalz führt eine sogenannte 2G-Plus-Regel ein
  • Diese Regel schließt Ungeimpfte aus – selbst mit einem negativen Corona-Test
  • Auch andere Bundesländer erwägen strengere Corona-Regeln für Nicht-Geimpfte: Wo in Deutschland kommt möglicherweise ebenfalls die 2G-Regelung? Das gilt aktuell in Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz und Co.:
Im Kampf gegen die vierte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, für eine Verschärfung von Corona-Beschränkungen ausgesprochen. Es werde kaum reichen, die Impfquote durch mobile Angebote zu erhöhen. „Um die vierte Welle zu brechen, bevor sie dramatisch wird, sollte man jetzt bundesweit überall dort, wo es möglich ist, eine 2G-Regel einführen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Dort, wo es nicht praktikabel wäre, Ungeimpfte auszuschließen, wie etwa im Öffentlichen Nahverkehr, müsse dann zumindest eine strengere 3G-Regel gelten.
„Ungeimpfte müssten dann einen aktuellen PCR-Tests vorweisen. Ein einfacher Schnelltest dürfte nicht mehr ausreichen“, sagte Montgomery. Eine solche erweiterte 2G-Regel könne der nötige Anreiz sein, sich impfen zu lassen.
Mit Blick auf Herbst und Winter gilt für bestimmte Innenräume wie Veranstaltungen und die Gastronomie bundesweit die so genannte 3G-Regel: Zugang nur mit Nachweis als Geimpfter, Genesener oder negativ Getesteter.

Bedeutung „2G“: Was heißt 2G-Regel für Geimpfte, Genesene, Getestete?

Von der 3G-Regel ist bereits seit längerer Zeit die Rede. Die drei „G“ stehen dabei für geimpft, genesen, getestet. Das bezieht sich darauf, dass diesen Gruppen etwa der Zutritt zu Gastronomie und Veranstaltungen gewährt wird. Unter „2G“ versteht man währenddessen nur „geimpft oder genesen“: Das bedeutet, dass Ungeimpfte bei der 2G-Regel ausgeschlossen sind. Selbst mit einem negativen Corona-Test (“getestet“) würden sie im Rahmen der 2G-Regelung an bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens nicht teilhaben können.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält das in Hamburg eingeführte 2G-Option für Geimpfte und Genesene für diskussionswürdig. Bund und Länder hätten sich zwar auf das 3G-Modell, also die gleiche Behandlung von Geimpften, Genesenen und Getesteten verständigt, sagte Spahn im „Abendblatt“-Podcast. „Ich finde aber den Ansatz des Hamburger Senats auch nicht so unklug, zu sagen: 3G gilt grundsätzlich, aber bei 2G kann man auf bestimmte Schutzmaßnahmen verzichten.“

Durch 2G-Regel in Deutschland den Lockdown ausschließen?

Angesichts wieder steigender Infektionszahlen hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach striktere Corona-Maßnahmen ab Herbst gefordert. „Wenn die Zahlen weiter so steigen, müssen wir vermehrt 2G einführen - je früher, desto besser", sagte er dem Portal "Business Insider" mit Bezug auf Geimpfte oder Genesene. Nur so sei es möglich, die Infektionskurve zu senken.
„Einen weiteren Lockdown halte ich nicht für notwendig", sagte Lauterbach weiter. „Die einzige Frage ist, wann und wo kommt 2G. Anders kriegt man die Zahlen nicht nach unten." Besonders bei Clubs, Restaurants und Kneipen müssten die Vorgaben strenger werden.

Nur Geimpfte und Genesene: Was bringt „2G“ in Deutschland?

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sprach sich gegen „2G“-Begrenzungen aus, also Angebote nur für Geimpfte und Genesene. Dies sei „weder sozial noch medizinisch sinnvoll“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Diese Art der Beschränkung werde wenig bewirken. „Es ist doch nicht so, dass Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, nur noch frustriert alleine zu Hause sitzen und kein soziales Leben mehr haben“, erklärte er.

2G-Regel in Hamburg: Einschränkungen für Ungeimpfte

Seit vergangenem Samstag, 28.08.21, gilt in Hamburg das sogenannte 2G-Optionsmodell: Veranstalter können demnach selber entscheiden, ob sie künftig nur noch Geimpfte und Genesene einlassen und damit weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind oder ob sie weiter auf das 3G-Modell setzen und auch Getestete einlassen. Auch ein Wechsel zwischen den Modellen ist möglich. Werden auch Getestete eingelassen, gelten begrenzte Gästezahl und anderen Auflagen.
Nach Angaben der Hamburger Gesundheitsbehörde war der Stadtstaat das erste Bundesland, das das 2G-Modell in dieser Form umsetzte. Wer mitmachen möchte, muss sich über eine Website anmelden.

Rheinland-Pfalz führt ab Sonntag 2G-Plus-Regel ein: Einschränkungen für Ungeimpfte in RLP

Rheinland-Pfalz führt ab Sonntag eine sogenannte 2G-Plus-Regelung mit Einschränkungen für Ungeimpfte ein. "Für Geimpfte und Genesene bleibt es bei einem sehr großen Stück Normalität", erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts in Mainz. Für diese Gruppen sollen unbegrenzte Treffen möglich sein. Dazu könne ein gewisses Kontingent an getesteten Ungeimpften kommen.
Statt Inzidenzschwellen sollen laut der neuen Corona-Bekämpfungsverordnung die Intensivbettenauslastung und die Hospitalisierungstendenz Kriterien für weitere Schutzmaßnahmen sein. Einen weiteren Lockdown werde es nicht geben, erklärte Dreyer. Stattdessen soll bei steigenden Zahlen der Zutritt von Ungeimpften zu Veranstaltungen jeglicher Art und der Gastronomie schrittweise reduziert werden.
Laut Verordnung gibt es ab Sonntag drei neue Warnstufen, die sich aus der Sieben-Tage-Inzidenz, dem Sieben-Tage-Hospitalisierungswert und dem Anteil der mit Covid-19-Erkrankungen belegten Intensivbetten zusammensetzen. Wenn mindestens zwei der Indikatoren über drei Tage am Stück bestimmte Werte erreichten, wird die nächsthöhere Stufe ausgerufen.
Generell dürfen sich laut Verordnung künftig maximal 25 ungeimpfte Menschen im öffentlichen Raum aufhalten. Bei Erreichen der Warnstufe zwei reduziert sich die Zahl auf zehn, bei Warnstufe drei auf fünf. An Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen bis zu 250 getestete Ungeimpfte teilnehmen. Auch diese Zahl reduziert sich beim Erreichen der Warnstufen zwei und drei.

2G-Regeln in den Bundesländern: Wo gilt in Berlin „2G“?

In Berlin gilt eine reine 2G-Regelung für die Innenbereiche von Diskotheken und Klubs sowie Dampfbäder und Aufgüsse in Saunen sowie Thermen.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sieht beim in Hamburg geltenden 2G-Modell noch einige offene Fragen. „Ich halte den Hamburger Weg, mit der sogenannten 2G-Regel wieder mehr Normalität zu ermöglichen, in dieser Form noch nicht für praktikabel“, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. „So weit sind wir noch nicht, weil es hier noch viele offene, auch verfassungsrechtliche Fragen gibt“, warnte der SPD-Politiker, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist.

2G-Regel Berlin: In welchen Bereichen „2G“ bald gelten könnte

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat 2G-Corona-Regeln für bestimmte Bereiche in Aussicht gestellt. Mit solchen Angeboten nur für Geimpfte und Genesene seien aber komplexe Fragen verbunden. Noch sei nichts entschieden, sagte der SPD-Politiker am Dienstag nach der Senatssitzung. Der Senat werde in der kommenden Woche möglicherweise abschließend beraten, „wie wir 2G- und 3G-Angebote machen können“.
In Frage kommen dafür etwa Gastronomie und Hotellerie, Sport- oder Kultureinrichtungen. Bisher wird vielfach die 3G-Regel angewandt: Darunter fallen Geimpfte, Genesene und Getestete.
„Ich gehe davon aus, dass es doch eine Optionsregel geben wird, dass wir Formulierungen finden, wonach die entsprechenden Bereiche die Option ziehen können, nur Menschen, die genesen und geimpft sind, den Zugang zu entsprechenden Einrichtungen zu ermöglichen“, blickte Müller voraus. Das sei aber im Moment eine vorsichtige Einschätzung. „Wir werden das weiter diskutieren.“
Eine 2G-Strategie, also Lockerungen für Geimpfte und Genesene, nicht aber für Getestete, wird bundesweit diskutiert. Das Thema ist nicht zuletzt verfassungsrechtlich umstritten. Müller machte deutlich, dass ein derartiges Vorgehen gerade für öffentliche Einrichtungen schwierig sei. Daher nehme sich der Senat die Freiheit, „das alles in Ruhe durchzuspielen“.

2G-Regel BW: Neue Verordnung in Baden-Württemberg ab Mitte September

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält bei einem starken Anstieg der Covid-19-Patienten in den Kliniken Einschränkungen für Ungeimpfte für unausweichlich. Diese Beschränkungen nach Ende der Sommerferien möglich sein. Nach aktuellen Planungen will die grün-schwarze Landesregierung erst abwarten, dass das geänderte Infektionsschutzgesetz Bundestag und Bundesrat passiert. Darum soll die geplante neue Corona-Verordnung im Südwesten voraussichtlich Ende kommender Woche verkündet und am 13. September in Kraft treten, hieß es am Freitag, 03.09.21, aus dem Staatsministerium in Stuttgart. Was ist in Baden-Württemberg hinsichtlich einer 2G-Regel geplant?

2G-Regel in Bayern: Das sagt Söder zur möglichen neuen Corona-Regel

Bayern will im Unterschied zu Hamburg das umstrittene 2G-Modell nicht vorantreiben. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte klar, dass beim Zutritt zu Restaurants, Kultur- und Sportveranstaltungen oder Fitnessstudios Getestete den Geimpften und Genesenen gleichgestellt blieben.
2G sei auch in Bayern „theoretisch möglich und nicht verboten, aber nicht vom Staat vorgeschlagen“, sagte Söder zu diesem Optionsmodell. Das „Herzstück“ der Verordnung in Bayern heiße 3G. Welche Corona-Regeln in Bayern seit der Änderung der Verordnung gelten, gibt es hier nachzulesen:

Brandenburg: Hier soll die 2G-Regel gelten

Die Corona-Regeln sollen sich nach Angaben des Ministeriums künftig an diesen Punkten orientieren:
  • an den neuen Corona-Patienten im Krankenhaus pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen (Hospitalisierungsrate),
  • den neuen Corona-Fällen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen (7-Tage-Inzidenz),
  • den landesweit verfügbaren Intensivbetten und ihrer Auslastung
  • sowie an der Zahl geimpfter Menschen.
Die rot-schwarz-grüne Koalition wirbt für die Option von Lockerungen für Geimpfte und Genesene beispielsweise für Gaststätten oder Kinos – das sogenannte 2G-Modell. SPD-Fraktionschef Erik Stohn sagte am Dienstag in Potsdam, seine Fraktion würde es begrüßen, „wenn Optionsmodelle für Betreiber gefahren werden, die unter Nutzung von 2G stärkere Wirtschaftlichkeit, aber auch eine stärkere Sicherheit für Unternehmen und für Betreiber von Einrichtungen vorsehen“. Für sie soll es dann keine Auflagen etwa für die Besucher pro Quadratmeter geben. Stohn forderte für Kinder unter zwölf Jahren, dass sie bei Besuchen nicht ausgegrenzt werden, da sie nicht geimpft werden könnten.

Hessen: 2G-Modell in Gastronomie?

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) will das Corona-2G-Modell für Gastronomen und Veranstalter zulassen. Die neue Corona-Verordnung des Landes werde voraussichtlich privaten Anbietern die Möglichkeit geben, nur Geimpften und Genesenen (2G) den Zutritt zu ihren Räumen zu erlauben, sagte Bouffier am Montag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Veranstalter, Wirte und Friseure sollen dann selbst entscheiden können, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit seien, sagte ein Regierungssprecher.

Mecklenburg-Vorpommern will aktuell keine 2G-Regeln einführen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will eine 2G-Regel derzeit nicht in ihrem Bundesland einführen. „Ich denke, dass wir weiter auf 3G setzen müssen“, sagte sie im Interview des Radiosenders Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks. In Hamburg können Veranstalter und Wirte seit Samstag selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen - also auch aktuelle Tests akzeptieren.

Saarlands Ministerpräsident Hans favorisiert 3G-Regelung

Das Saarland will die 2G-Regelung, die nur Geimpften und Genesenen Zutritt zu bestimmten Einrichtungen und der Gastronomie erlaubt, nicht flächendeckend einführen. „Ehrlich gesagt möchte ich keine Gesellschaft haben, in der Menschen, die schwanger sind, oder Familien mit Kindern nicht mehr vor die Tür gehen und nicht mehr ins Restaurant gehen können. Das kann nicht sein“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Donnerstag in Saarbrücken.
Für den öffentlichen Raum halte er die 3G-Regel für absolut ausreichend und auch gut geeignet, der Pandemie die Stirn zu bieten. Einen erneuten Lockdown und eine Impfpflicht lehnte der Ministerpräsident ab, ebenso wie eine Befreiung von der Maskenpflicht für Geimpfte und Genesene.

2G-Regel: Was gilt für Kinder?

Was genau für Kinder gelten würden, wenn großflächig eine 2G-Regel in Kraft tritt, ist noch nicht ganz absehbar. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sieht beim 2G-Optionsmodell in der Corona-Pandemie noch einige offene Fragen. „Nicht geklärt ist aber die Regelung für unter 12-Jährige oder Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können“, sagte Müller. „Das wird dann zum Beispiel bei Sport- und Kulturveranstaltungen problematisch.“
Der VfL Wolfsburg setzt in der Fußball-Bundesliga der Männer und Frauen beim Zugang für Zuschauer künftig auf die 2G-Regel. Ausgenommen von der Regel sind Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von einschließlich 18 Jahren.

Neue Kennzahlen für Corona-Regeln: Hospitalisierungsrate soll Inzidenz ersetzen

Als wichtigste Messlatte für mögliche neue Beschränkungen soll die Zahl der Corona-Patienten in den regionalen Kliniken verankert werden – dies soll die bisherige Orientierung an den Infektionszahlen ablösen, die angesichts des Impffortschritts nicht mehr als so aussagekräftig gelten. Die Neuregelungen sollen auch Klarheit für die nächste Zeit schaffen, in der eine Regierungsbildung geklärt werden dürfte. Der Bundesrat muss in einer Sondersitzung am Freitag ebenfalls noch zustimmen. Hier gibt es alle Infos zur Hospitalisierungsrate.