Mobilität wird für viele Menschen in Deutschland wieder deutlich teurer. In der Nacht auf den 1. September laufen sowohl das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn als auch der Tankrabatt aus. Das 9-Euro-Ticket haben Millionen Menschen gekauft. Für neun Euro pro Monat mit dem ÖPNV durch ganz Deutschland, ein verlockendes Angebot. Doch im September soll es dann schon wieder vorbei sein. Finanzminister Christian Lindner zeigt sich mittlerweile für eine Unterstützung des Bundes bei einer Nachfolge-Regelung offen. Verkehrsminister Wissing habe ihn überzeugt, dass er mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren könne.
  • Wie geht es also im September weiter?
  • Welche Nachfolger sind im Gespräch?
  • Ab wann ist mit einer Anschlusslösung zu rechnen?

Gültigkeitsdauer: Bis wann gilt das 9-Euro-Ticket?

Eine große Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich auch nach dem Ende des 9-Euro-Tickets ein günstiges Angebot im Nah- und Regionalverkehr. Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August aus. Ob und - falls ja - ab wann es ein Nachfolgemodell gibt, ist offen. Die Bundesländer haben vom Bund einen Vorschlag für eine Nachfolgeregelung und erneut mehr Geld für Busse und Bahnen gefordert. Der Verkehrssektor gilt als ein Sorgenkind beim Klimaschutz, Klimaziele drohen verfehlt zu werden. Ab 1. September 2022 ist für die Kundschaft erstmal alles beim Alten. Die Deutsche Bahn informiert dazu: „Es ist jeweils einen Kalendermonat, vom ersten (0:00) bis zum letzten (24:00 Uhr) Tag des Kalendermonats, gültig.“

Ersatz für das 9-Euro-Ticket: Was kommt danach?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing pocht in der Debatte über eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen. Er habe Finanzminister Christian Lindner davon überzeugt, dass es ein weiteres, moderneres Ticket geben müsse. Lindner bestätigte auf Twitter, dass ihn Wissing überzeugt habe. Der Minister könnte mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren, schrieb der Parteichef. „Jetzt sind die Länder dran. Wenn die Finanzierungsfrage klar ist, kann der Preis festgelegt werden.“ Für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets müssten aber zuerst die Struktur des Tickets und seine Finanzierung geklärt werden - und dann der Preis. Unter diesen Voraussetzungen sei der Bund auch bereit, einen Beitrag zur Finanzierung zu leisten, sagte der Verkehrsminister. „Man kann nicht vom Bund erwarten, dass er einfach Geld auf den Tisch legt, wenn die Länder selbst keine Vorschläge haben, wie das neue Ticket aussehen soll.“

Wird das 9-Euro-Ticket verlängert im September?

Die 9-Euro-Tickets hatten im Juni, Juli und August jeweils für einen Monat bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs ermöglicht. Es gibt mehrere Vorschläge für ein Nachfolgemodell. Beschlossen ist jedoch noch nichts – weshalb ab 1. September 2022 wieder normale Tarife erhoben werden.
Im September und Oktober beraten vielerorts die Gremien der Verkehrsverbünde über den künftigen Tarif. Für eine neuerliche Aktion wie dem 9-Euro-Ticket zeigen sich viele Verkehrsverbünde offen - sofern wieder die Einnahmeverluste erstattet werden. Im Herbst will eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Vorschläge zur Zukunft und Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vorlegen. Einige Bundesländer sind mit Ideen und Initiativen vorgeprescht - zuletzt etwa Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die ein eigenes 9-Euro-Ticket für die Hauptstadt über den August hinaus ins Spiel gebracht hat, also eine Art mehrmonatige Verlängerung für Berlin. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat bereits ein dauerhaftes 69-Euro-Monatsticket vorgeschlagen, das bundesweit für den ÖPNV gelten soll. Die Kosten bezifferte er auf etwa zwei Milliarden Euro im Jahr.
Die SPD-Fraktion im Bundestag will ein 49-Euro-Ticket einführen. Das würde bundesweit gelten und vom Bund und den Ländern je zur Hälfte bezahlt werden.

Ab wann ist mit einer Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket zu rechnen?

Wann also eine Anschlusslösung kommt, ist völlig offen. In diesem Jahr dürfte es aber nichts mehr werden. Allein für die technische Umsetzung einer dauerhaften Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket brauchen die Verkehrsunternehmen aus Sicht ihres Branchenverbands etwa drei Monate. Sollte die Politik also ein neues Angebot zum 1. Januar des kommenden Jahres starten wollen, müssten die politischen Entscheidungsprozesse „idealerweise“ bis Anfang Oktober abgeschlossen sein, sagte ein VDV-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Fahrpreise für Busse und Bahnen steigen ab September wieder

Für 9 Euro im Regio einen Monat lang quer durch Deutschland - das ist also bald vorbei. Dann bekommt man fürs gleiche Geld oft gerade mal eine Tageskarte im Stadtverkehr. Und die Tarife steigen weiter. Ab September stehen teils wieder Preiserhöhungen an. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter großen Verkehrsverbünden. Teils sind schon deutliche Tarifsteigerungen beschlossen, andernorts stehen die entsprechenden Gremiensitzungen noch an. So steigen etwa in und um Stuttgart die Tarife zum Jahreswechsel durchschnittlich um 4,9 Prozent, im Großraum Nürnberg werden es 3 Prozent sein. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund gab es schon zum Juli einen Aufschlag von 3,9 Prozent.

Nachfolger für das 9-Euro-Ticket: Diese Alternativen waren bisher im Gespräch

Es gibt zahlreiche Vorschläge, etwa ein 365-Euro-Jahresticket oder Monatstickets für 29 oder 69 Euro. Letzteres hatte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vorgeschlagen: ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro im Monat als dauerhaftes Angebot. Auch Vorschläge, den ÖPNV gänzlich kostenlos zu machen, hatte es vereinzelt gegeben.
Die bisherigen Vorschläge auf einen Blick:
  • Klimaticket: 69-Euro pro Monat
  • 29-Euro-Ticket: 348 Euro/Jahr
  • 365-Euro-Ticket: 1 Euro/Tag
  • 49-Euro-Ticket: 588 Euro/Jahr
  • 0-Euro-Ticket (ÖPNV kostenlos)
  • Verlängerung

69-Euro-Ticket als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket?

Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer, sieht eine 69-Euro-Variante als Nachfolgelösung für das 9-Euro-Monatsticket im Nahverkehr skeptisch. „Das 69-Euro-Ticket wiederum könnte dazu führen, dass Netzkarten in bestimmten Verkehrsverbünden wie Berlin teurer werden. Auch das wäre wenig sinnvoll“, sagte der FDP-Politiker der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Das 9-Euro-Ticket sieht Theurer weiterhin als Erfolg. Viele der nun diskutierten möglichen Nachfolge-Tickets hält er hingegen für keine guten Ideen. „Vom 0-Euro-Ticket halte ich zum Beispiel nichts. Es ist weder finanzierbar noch sinnvoll. Preise haben ja auch eine Lenkungswirkung und das Bahnnetz ist teilweise stark überlastet“, sagte Theurer.

29 Euro Regionalticket oder 49 Euro für ganz Deutschland

In der Diskussion um eine Nachfolge-Regelung für das Neun-Euro-Ticket schlagen die Grünen gleich zwei günstige Fahrkarten für alle vor: ein Regionalticket für 29 Euro pro Monat und ein Deutschlandticket für 49 Euro im Monat. Das geht aus einem gemeinsamen Papier von Partei, Fraktion und dem nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Oliver Krischer hervor. Finanzieren wollen die Grünen die Tickets über einen "Abbau" des Dienstwagenprivilegs.
SPD-Chef Lars Klingbeil hat sich dafür ausgesprochen, einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket mit einer Sondersteuer auf hohe Zusatzgewinne von Energieunternehmen zu finanzieren. Es gebe Unternehmen, die durch den russischen Krieg in der Ukraine „massive Gewinne machen, ohne dass sie auch nur einen Handschlag mehr tun“, sagte Klingbeil auf NDR Info. „Deswegen fordere ich, dass wir eine Übergewinnsteuer auch in Deutschland einführen.“

Trägt der Bund die Kosten?

Das größte Hindernis ist aktuell wie so oft die Finanzierungsfrage. Hier schieben sich Bund und Länder seit Wochen die Verantwortung zu. Aus Sicht der Länder ist klar: Einfach ein weiteres billiges ÖPNV-Ticket darf es nicht geben. Auch das Grundangebot im Nahverkehr muss verbessert werden: Mehr Infrastruktur, mehr Personal, mehr Fahrzeuge. Sie fordern deshalb, dass die Regierung die sogenannten Regionalisierungsmittel deutlich aufstockt, mit der der Bund den ÖPNV in den Ländern und Kommunen mitfinanziert.

Drittes Entlastungspaket soll kommen

Um der Bevölkerung bei der Bewältigung der zahlreichen Probleme zu unterstützen, darunter auch die Preissteigerungen durch die Gasumlage, will die Bundesregierung abermals in die Tasche greifen. Kanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte bei seiner Sommerpressekonferenz im August ein drittes Entlastungspaket an. Hier gibt es alle bisher bekannten Details zum dritten Entlastungspaket.
mit dpa