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Zwei Berlinerinnen sammeln Buchstaben für Museum

01.03.2010, 14:01 Uhr
Berlin Der "Hertie"-Schriftzug erlangte späten Ruhm. Nach der endgültigen Pleite der Kaufhauskette versenkten enttäuschte Mitarbeiter das rote Logo öffentlichkeitswirksam in der Spree. Heute gehört das geschwungene "Hertie"-Emblem zum festen Bestandteil des Berliner Buchstabenmuseums. Die "Seebestattung" war nur eine Inszenierung, an einer Eisenkette zogen die Demonstranten das Logo später wieder aus der Spree und übergaben es der Einrichtung.

Ein wirkliches Museum ist die Buchstaben-Sammlung in Berlin-Mitte noch nicht. Anja Schulze nennt es ein "Schaudepot". Gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Dechant hat die Kommunikationsdesignerin seit 2005 knapp 40 Schriftzüge von Gaststätten, Geschäften und öffentlichen Orten zusammengetragen.

In einer Ecke lehnt die Aufschrift "Lederwaren" eines Polstermöbelgeschäftes aus dem Jahr 1954. "Die Gasröhren sind noch mit dem Mund geblasen", berichtet Schulze über den in die Jahre gekommenen Schriftzug des Familienbetriebes aus Berlin-Steglitz.

Davor ergeben zusammengestellte Buchstaben das Wort "Rathauspassagen" - jahrzehntelang prangten sie am Alexanderplatz. Im zweiten Ausstellungsraum versperren 100 Kilogramm schwere Buchstaben des Modegeschäftes "Ebbinghaus" den Weg. Daneben thront ein modernes und verchromtes "Daimler Crysler".

"Wir wollen die Geschichte hinter den Buchstaben erzählen", sagt Schulze. Jede sei auf irgendeine Weise kurios. Zwar ist die Sammlung für die Beiden nach wie vor ein reines Hobby. Doch seitdem sie die Sammlung vor mehr als einem Jahr an einigen Tagen im Monat öffentlich zugänglich machten, stiegen das Interesse und die Begeisterung für die ungewöhnliche Sammlung.

Die Öffnungszeiten wurden verlängert und während der Berliner Fashionweek ließen sich Models in neuen Kollektionen mit den Buchstaben ablichten. Andere Ausstellungshäuser stellten bereits Leihanfragen. Die elektronische Museumspost geht mittlerweile an 2000 Abonnenten.

Einzelne Buchstaben sind auch noch vom früheren Hauptbahnhof in Ost-Berlin übrig. Nach der Wiedervereinigung wurde praktisch gedacht. "Bei der Umbenennung von Hauptbahnhof in Ostbahnhof wurden nur die ersten Buchstaben getauscht", erzählt Schulze. "Der Rest blieb hängen." Das H, A, U und P gehören jetzt dem Museum.

Immer mehr Fans und Begeisterte wollen dem Verein von Schulze und Dechant etwas beisteuern. "Leider müssen wir viele vertrösten", sagt die Kommunikationsdesignerin. "Derzeit arbeiten wir nur noch Tipps ab." Im Wochentakt kommen neue Angebote dazu. Neben Berliner Modellen haben auch Importe aus Österreich ihren Weg ins Buchstabenmuseum gefunden.

In bis zu sechs Reihen stapeln sich die 400 Buchstaben. "Wir würden gerne mehr ausstellen, aber wir haben kein Platz", berichtet Schulze. Derzeit suchen die beiden einen neuen und größeren Ausstellungsort. "Es müsste schon fast eine Fabrikhalle sein." Dann hätte auch das 2,60 Meter hohe "DeTeWe" der 1870 in Kreuzberg gegründeten Deutschen Telephonwerke genügend Platz.

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