Am vergangenen Freitag lagen vier Schweine tot im Stall, am Samstag verendeten acht, am Sonntag 17 und am Montag 20. Da war dem Mäster im Landkreis Rostock klar, dass etwas gewaltig nicht stimmte. Der Tierarzt nahm Proben, schickte sie ins Labor und wenig später gab es den Nachweis, dass die Tiere mit der gefürchteten Afrikanischen Schweinepest infiziert waren. Die Afrikanische Schweinepest hat sich also nun auch im Norden der Republik ausgebreitet. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Montag, 15. November mitteilt, ist das Virus nachgewiesen worden. „Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die Tierseuche heute in entsprechenden Proben nachgewiesen und wird nun auch die Ursache zum Eintragsweg des Erregers in den Bestand untersuchen,“ heißt es in einer Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums.

Afrikanische Schweinepest in Rostock: Tausende Schweine töten

Als Reaktion auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Nutztierbestand im Landkreis Rostock müssen jetzt mehrere Tausend Schweine getötet und entsorgt werden. Zugleich untersuchen Experten des FLI in der Region bei Güstrow, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte, wie der Geschäftsführer des Hybridschweinezuchtverbandes Nord/Ost, Robert Langas, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag sagte. Man habe nach den ASP-Fällen in Brandenburg und Sachsen zwar mit einem Ausbruch der Tierseuche bei Wildschweinen rechnen müssen, erklärte Langas. Er sei aber überrascht, dass die Seuche zuerst bei Nutztieren in der Mitte des Bundeslandes aufgetreten sei. Es werde nun auch Untersuchungen bei den Futtermittelwegen und bei Vorlieferanten von Mastferkeln für den betroffenen Betrieb mit etwa 4000 Tieren geben, sagte Langas. Es handele es sich um einen modernen Stall mit hohen Biosicherheitsstandards.

ASP in Rostock: Sperrzone eingerichtet

Ein Tiertransport auf dem Weg zum Schlachthof wurde zurückgeholt, berichtete Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag weiter. Der Landkreis richtete eine Sperr- und eine Beobachtungszone mit einem Radius von drei beziehungsweise zehn Kilometern ein. Daraus können laut Backhaus Schweine nur herausgebracht werden, wenn sie negativ getestet sind. In dem Bereich gibt es nach seinen Worten acht Betriebe mit Schweinehaltung, darunter drei größere. Die Gesamtzahl der Hausschweine im Sperr- und Beobachtungsgebiet nannte der Minister auch auf Nachfrage nicht.
Noch ist unklar, wie das ASP-Virus in den Stall gelangen konnte. „Wir tappen da noch im Dustern“, sagte Backhaus. Die Ursachensuche sei angelaufen und werde mit hoher Priorität betrieben. Zugleich werde in dem Gebiet verstärkt nach möglicherweise infizierten Wildschweinen gesucht, wofür es eigens ausgebildeten Hunde gebe. Wildschweine gelten als Überträger der Afrikanischen Schweinepest.
Jetzt sei es vor allem wichtig, den Ausbruch möglichst auf den einen Fall zu begrenzen, sagte Backhaus. An die Schlachthöfe mit Lieferbeziehungen aus Mecklenburg-Vorpommern - Backhaus nannte Unternehmen in Kellinghusen (Schleswig-Holstein), Perleberg (Brandenburg) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) - appellierte der Minister, weiter Tiere aus MV anzunehmen und zu schlachten. Viele Staaten, darunter China, importieren keine Schweine oder Schweinefleisch aus Ländern beziehungsweise Regionen mit ASP.

ASP in Deutschland: Erster Fall überhaupt in MV

Bisher gab es in Mecklenburg-Vorpommern keine Fälle von ASP – weder bei Wildschweinen, noch bei Hausschweinen. ASP-Fälle waren seit September 2020 in Brandenburg (Wild- und Hausschweine) und in Sachsen (Wildschweine) aufgetreten.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie meist tödlich ist. Für den Menschen ist die ASP ungefährlich. Am 10. September 2020 wurde ein erster Fall von ASP bei einem Wildschwein in Deutschland bestätigt. Seitdem gab es weitere Fälle bei Wildschweinen in Brandenburg und Sachsen. Im Juli wurden erstmals Fälle in drei Hausschweinbeständen in Brandenburg nachgewiesen.
Diese Fälle sowie die eingerichteten Sperrzonen wurden inzwischen wieder aufgehoben, nachdem die Tiere in den betroffenen Beständen getötet und weitere behördliche Maßnahmen ergriffen worden waren.

Afrikanische Schweinepest in MV: Schweinefleisch-Preis im Keller

Für den Export von Schweinefleisch könnten sich weitere Einschränkungen ergeben. Die Preise für Schweinefleisch sind bereits im Keller. Nach ersten ASP-Fällen in Deutschland brach der Export in wichtige Absatzmärkte in Asien abrupt zusammen - und zwar für Schweinefleisch aus ganz Deutschland. Mit einigen Staaten konnte vereinbart werden, dass der Einfuhrbann nur Fleisch aus den betroffenen deutschen Regionen trifft.
Backhaus kritisierte die ASP-Politik in Deutschland. Ihm sei unverständlich, dass noch immer kein wirksamer Impfstoff gegen die Tierseuche auf dem Markt sei. „Es sind ja nur Tiere“, sagte er. „Bei Corona geht das alles.“ Konkret kritisierte Backhaus die geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). „Wenn wir diese Situation in Nordrhein-Westfalen oder in Niedersachsen gehabt hätten, wäre wahrscheinlich schon viel mehr passiert.“ Auch beim Bau des ASP-Schutzzaunes zu Polen habe es keinerlei Unterstützung des Bundes gegeben, ebenso gebe es keine zentrale Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen gegen ASP. „Ich bin wirklich verbittert“, sagte Backhaus.
Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisierte das Fehlen eines Impfstoffs. „Hätte die Politik die ASP so ernstgenommen wie Corona und ausreichend Geld in die Impfstoffforschung investiert, dann wären wir jetzt deutlich weiter“, erklärte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder.