Viele Menschen in Deutschland haben im Frühjahr und Sommer 2021 ihre erste und zweite Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das bedeutet, dass für die meisten nun die Zeit gekommen ist, sich zu fragen, wann sie sich ihre Booster-Impfung geben lassen. Immer wieder werden neue Empfehlungen ins Spiel gebracht. Doch wozu raten aktuell Stiko und EMA? Und nach wie vielen Monaten ist der früheste Zeitpunkt für eine Auffrischimpfung? Alle Informationen dazu im Überblick:

Empfehlung der Stiko: Wann kann man eine Booster-Impfung bekommen?

Derzeit liegt die allgemeine Empfehlung für Booster-Impfungen noch bei fünf oder sechs Monaten. Deutschlands Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für alle Personen ab 18 Jahren, dass eine Auffrischimpfung in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen soll. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann laut Stiko „im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden“. Doch nun wurde eine neue Zahl ins Gespräch gebracht.

EMA: Booster-Impfung schon nach drei Monaten möglich

Booster-Impfungen gegen Covid-19 könnten nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA auch schon nach drei Monaten erfolgen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat Booster-Impfungen gegen das Coronavirus bereits drei Monate nach der letzten Impfdosis als „sicher und wirksam" eingestuft. „Die derzeit verfügbaren Daten unterstützen die sichere und wirksame Verabreichung einer Auffrischungsimpfung bereits drei Monate nach Abschluss der Erstimmunisierung", sagte der Chef der EMA-Impfstoffstrategie, Marco Cavaleri. Die bisherige Empfehlung der EMA lag bei sechs Monaten.
Ein so kurzer Abstand wäre möglich, wenn dies „unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit wünschenswert ist“.

Biontech-Chef spricht sich ebenfalls für Booster-Impfungen nach drei Monaten aus

Biontech-Mitgründer Ugur Sahin hat sich für eine Auffrischung bereits ab drei Monaten nach der Zweitimpfung ausgesprochen. Mit Blick auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus "sind zwei Dosen noch keine abgeschlossene Impfung mit ausreichendem Schutz", sagte Sahin dem Nachrichtenmagazin „Spiegel" laut Mitteilung vom Donnerstag. „Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wäre es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten."
Ob Biontech einen neuen, speziell auf Omikron angepassten Impfstoff produzieren wird, sei noch nicht entschieden. Auch der Booster mit dem ursprünglichen Vakzin könnte reichen: „Nach den vorläufigen Daten neutralisieren drei Dosen das Virus deutlich und sollten die Geimpften schützen." Allerdings rechnet sahin damit, dass dann in relativ kurzem Abstand eine vierte Dosis folgen muss: "Die vierte Impfung könnte aber auch ein an eine Omikron-Variante angepasster Impfstoff sein." Deswegen sei Biontech bereits dabei, seine Produktionskapazität auf rund vier Milliarden Dosen für nächstes Jahr aufzustocken.

Experten drängen auf frühere Corona-Auffrischimpfung

Das Corona-Virus wandelt sich gerade und wird womöglich noch ansteckender. Experten drängen nun auf Nachsteuern bei den Impfungen. Angesichts dessen drängen Fachleute wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, auf eine Verkürzung des Abstands zwischen zweiter und dritter Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt im Regelfall bisher sechs Monate, je nach Bundesland ist es auch schon früher möglich. Eine raschere Auffrischimpfung könne die Ausbreitung sowohl der Delta- wie auch der Omikron-Variante beeinflussen, „das zeigen die Erfahrungen aus Israel sehr eindrücklich“, sagte Salzberger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Stiko-Empfehlungen für die verschiedenen Altersgruppen und Impfstoffe

Mit Moderna sollen sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) Menschen die älter als 30 sind impfen lassen. Die Stiko empfiehlt allen unter 30-Jährigen damit nur noch den mRNA-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer für Erst-, Zweit- und Drittimpfungen.
Zudem empfiehlt die Stiko allen Personen, die eine Grundimmunisierung mit einer Impfstoffdosis Janssen von Johnson & Johnson erhalten haben eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von Moderna ab 30 Jahren oder Biontech. Die zusätzliche Impfstoffdosis soll ab vier Wochen nach der Johnson & Johnson-Impfung angeboten werden.

Bessere Booster-Impfangebote für Wohnungslose und Flüchtlinge gefordert

Der Paritätische Gesamtverband forderte unterdessen leichter zugängliche Booster-Impfangebote für Wohnungslose sowie Flüchtlinge. „Ob Obdachlose, Geflüchtete in Sammelunterkünften oder auch alte Menschen in Pflegeheimen - es braucht zwingend viel mehr zielgruppenspezifische Aufklärung und vor allem aufsuchende und niedrigschwellige Impfangebote“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Begrenzte Impfpflicht kommt - auch Bundesrat stimmt zu

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist eine erste begrenzte Impfpflicht für Gesundheitspersonal beschlossene Sache. Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat der von SPD, Grünen und FDP vorgelegten Änderung des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt.

Stiko-Chef Mertens: Persönliche Aussage zur Kinderimpfung war ein Fehler

Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko, hat eingeräumt, mit seiner persönlichen Aussage zur Ablehnung einer Kinderimpfung gegen Corona einen Fehler gemacht zu haben. Mertens hatte in einem Podcast der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Anfang Dezember erklärt, wenn er ein sieben- oder achtjähriges Kind hätte, würde er es „wahrscheinlich jetzt nicht impfen lassen“.
Dem Nachrichtensender Welt sagte Mertens: „Die Entscheidung über die Impfung ist wirklich eine sehr persönliche Sache, und das reflektiert sich ja auch in unserer derzeitigen Impfempfehlung. Es war damals wahrscheinlich der einzige Fehler, den ich gemacht habe, dass ich überhaupt etwas Persönliches gesagt habe.“ Die Stiko hatte am Donnerstag eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren empfohlen, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19 Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach einer Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen.