Die Corona-Krise trifft vor allem Familien und Menschen, die Grundsicherung beziehen, hart. Um die Folgen und Belastungen für diese abzufedern, erhalten Hartz-4-Empfänger und Familien mit Kindern vom 1. Mai an einen Coronabonus von 150 Euro. In diesem Artikel geht es um:
  • den Anspruch auf den Bonus für Empfänger von Hartz 4
  • darum, ob man einen Antrag dafür stellen muss
  • den Kinderbonus für Eltern
  • ob und wie viel Steuern auf die einmaligen 150 Euro gezahlt werden müssen
  • ab wann die Auszahlung erfolgt
  • und welche Kosten dem Bund durch die Zahlungen entstehen.

Corona Bonus für Hartz 4 Empfänger: Wann kommt der Coronabonus?

Um Herausforderungen in Zeiten der Pandemie besser meistern zu können, bekommen Menschen mit Anspruch auf Sozialgeld oder Grundsicherung im Mai einmalig 150 Euro. Ein Antrag muss für den Corona-Zuschlag nicht gestellt werden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wird der Corona-Bonus Mitte Mai ab der Kalenderwoche 19, also vom 10. Mai an, ausgezahlt.

Kindergeldzuschlag: 150 Euro Kinderbonus für Familien im Mai - Antrag, Anspruch, Steuern

Den einmaligen Kinderbonus von 150 Euro pro Kind bekommen Eltern, ohne dafür einen Antrag stellen zu müssen. Der Anspruch wird geregelt wie beim Kindergeld und ist als Unterstützung in Zeiten der Corona-Pandemie gedacht. Mehr als zehn Millionen Familien erhalten nach Angaben des Familienministeriums den Bonus. Das kostet den Bund rund 2,1 Milliarden Euro. Letztlich können aber nicht alle Eltern den Bonus komplett behalten. Bei der Steuer wird er, wie auch das Kindergeld, mit dem Kinderfreibetrag verrechnet: Je höher etwa das Einkommen, desto weniger bleibt davon übrig. Auf Hartz IV und den Unterhaltsvorschuss wird der Bonus dagegen nicht angerechnet, Geringverdiener profitieren also am meisten davon. Im vergangenen Jahr betrug der Kinderbonus 300 Euro.

Wer bekommt den Corona-Bonus?

Das Geld soll die großen Belastungen für Menschen, die Grundsicherung beziehen, in der Corona-Pandemie abmildern. Folgende Grundsicherungsempfänger erhalten die 150 Euro:
  • Alleinerziehende
  • Alleinstehende
  • Bedarfsgemeinschaften (z.B. Familien oder Paare, die in einer gemeinsamen Wohnung leben)
  • Volljährige Kinder, die bei ihren Eltern leben und bei denen das Kindergeld nicht als Einkommen berücksichtigt wird.
Grundsätzlich erhalten nur Menschen den Bonus, die im Mai 2021 Anspruch auf Grundsicherung oder Sozialgeld haben. Zusätzlich dazu erhalten alle Familien, die im Mai 2021 Anspruch auf Kindergeld haben ebenfalls einen Bonus.

ALG 1 Corona Bonus: Bekommt man mit Arbeitslosengeld I den Bonus?

Menschen, die nicht die Grundsicherung ALGII, auch Hartz 4 genannt, bekommen, sondern das Arbeitslosengeld 1 haben keinen Anspruch auf den Corona-Bonus. Dieser ist lediglich für Bezieher der Grundsicherung geplant.

Wann wird der Kinderbonus 2021 ausgezahlt?

Der Kinderbonus wird nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit einige Tage nach dem Kindergeld selbst ausgezahlt. Letztlich können aber nicht alle Eltern den Bonus komplett behalten. Bei der Steuer wird er, wie auch das Kindergeld, mit dem Kinderfreibetrag verrechnet: Je höher etwa das Einkommen, desto weniger bleibt davon übrig. Auf Hartz IV und den Unterhaltsvorschuss wird der Bonus dagegen nicht angerechnet, Geringverdiener profitieren also am meisten davon.

SPD will weiteren Kinderbonus im Herbst

Bedürftige Familien in Deutschland können im Herbst auf einen einmaligen Zuschuss von 100 Euro pro Kind etwa für Sport- oder Freizeitaktivitäten hoffen. Dieser Bonus sei Teil des geplanten Corona-Aufholprogramms, kündigte SPD-Chefin Saskia Esken am Montag in Berlin an. Wer Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalte, solle auch diesen Zuschuss bekommen können. Weil es bis zur Umsetzung solcher Programme immer eine gewisse Zeit brauche, sei mit einer Auszahlung im Herbst zu rechnen.

Kinderbonus im Herbst: SPD wirft Union Blockade vor

Die SPD wirft der Union eine Blockade beim geplanten Corona-Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche vor. „Anscheinend sind Kinder und Familien der Union längst nicht so wichtig wie irgendwelche Immobilieninvestoren“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil dem „Spiegel“. Besonders störe sich die Union am SPD-Plan für einen 100-Euro-Bonus für Kinder von Eltern mit wenig Einkommen. „Dass CDU und CSU hier bremsen, ist wirklich ein Armutszeugnis und ein Vorgeschmack auf das Ende der halbwegs sozialen Merkel-Union“, sagte Klingbeil.

Gesetzesänderungen zum 01.05.2021: Mehr Geld und Jugendschutz ab Mai

Doch das ist nicht alles - neben dem Kindergeld-Bonus gibt es weitere Gesetzesänderungen zum 1. Mai Corona-Zuschlag, Jugendschutz im Netz: Was gilt ab Mai?

Jobverlust in der Corona-Krise: Viele Menschen rutschen in Hartz IV und benötigen Grundsicherung

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich auch im April stabil gezeigt. Die Zahl der Arbeitslosen ist wieder gesunken, im Vergleich zum März um 56.000 auf 2,771 Millionen. Doch beim zweiten Blick auf die Statistik, die die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg vorgelegt hat, werden die von der Corona-Pandemie aufgeworfenen Probleme immer offensichtlicher. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen setzt sich mit derzeit 1.069.000 über der Millionen-Grenze fest und liegt um 42 Prozent über dem Wert von vor einem Jahr. Die Kurzarbeit steigt wieder deutlich und wird allmählich auch zu einem finanziellen Problem. Für die April-Statistik wurden Daten bis zum 13. April berücksichtigt.
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele, sieht vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit als Feld an, das eingehend beackert werden muss. Er geht davon aus, dass die Corona-Pandemie in Deutschland für rund 500.000 Arbeitslose verantwortlich ist. „Wir wären bei einer Quote von 4,9 Prozent, hätten wir die Situation nicht gehabt“, sagte Scheele.

Hartz IV: 30.000 Übergänge in die Grundsicherung

Zwölf Monate nach dem ersten Lockdown wird deutlich: Immer mehr, die damals ihren Job verloren, rutschen nun in Hartz IV. Scheele sprach von 30.000 Übergängen aus der Arbeitslosigkeit in die Grundsicherung - pro Monat. „Es gelingt einfach gegenwärtig zu wenigen Arbeitslosen, einen neuen Job zu finden“, sagte der BA-Chef. „Ein Jahr Pandemie hat die Arbeit der Jobcenter der letzten drei Jahre fast vollständig zunichte gemacht.“ In Zahlen: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg um über 300.000.
Die Zahl steuert damit auf den Wert von 2010 zu, als 1.114.000 erreicht worden waren. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete die Entwicklung als „besorgniserregend“. Sie erfordere eine Kraftanstrengung, um die Zahl nach der Pandemie wieder zurückzudrängen.
Die Vermittlungsanreize der Bundesagentur laufen derzeit häufig ins Leere - es müssten erst einmal die Jobs da sein. Die Helferkonjunktur der vergangenen Jahre in der deutschen Industrie, als neben Fachkräften vermehrt auch Ungelernte oder wenig Qualifizierte eingestellt wurden, sei erst einmal vorbei. Scheele rechnet damit, dass sie höchstens in Teilen wiederkommt. Drei von fünf Langzeitarbeitslosen hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Auch 550 000 Minijobber verloren ihre Arbeit in der Pandemie, die Hälfte davon allein in der Gastronomie.
Anzeichen dafür, dass sich an der Situation schnell etwas ändern könnte, gibt es nicht. „Wir brauchen die dreijährige Umschulung im Sozialgesetzbuch II und wir brauchen die Weiterbildungsprämie“, sagte er an die Politik gerichtet. „Das sind die beiden Instrumente, die wir haben.“ Und es braucht Zeit. Obwohl die Zahl der gemeldeten freien Stellen um 2000 auf 629 000 geklettert ist und damit ein vergleichsweise erfreuliches Niveau erreicht hat, gilt vor allem eines: Die Unternehmen werden zuerst einmal die Kurzarbeit zurückfahren und ihre Mitarbeiter wieder in Vollzeit beschäftigen - erst wenn sie dann spüren, sie brauchen noch mehr Arbeitskraft, werden sie neue Leute einstellen.
Und von der Kurzarbeit kommen unterschiedliche Signale. Im Februar - von da stammen die aktuellsten einigermaßen verlässlichen Zahlen - kletterte die Zahl der Kurzarbeiter auf 3,27 Millionen. Das sind rund eine Million mehr als im Oktober 2020, also vor dem bis heute anhaltenden Lockdown, und 80.000 mehr als im Januar dieses Jahres. Eine weitere Kennzahl ist für Scheele besonders alarmierend. Die Kurzarbeiter waren im Schnitt nur zu 39 Prozent noch im Job, zu 61 Prozent waren sie freigestellt. Das ist eine Quote, die noch höher ist als zu Beginn der Corona-Krise, als bis zu knapp sechs Millionen Menschen in Deutschland in Kurzarbeit waren.

Corona Kurzarbeit: Anmeldungen gehen zurück

Die positive Nachricht: Die Zahl der Anmeldungen für Kurzarbeit sind zuletzt deutlich zurückgegangen. In den ersten 25 Tagen des April gab es Anträge nur noch für 116.000 Beschäftigte. Das sind nur noch halb so viele wie im März. Und sie kamen vermehrt aus Branchen wie Bau, Automobil und Zulieferer - was eher auf Probleme hindeutet, die nicht zuvorderst mit der Pandemie zu tun haben.
Die Erleichterung würde dringend gebraucht. Die Bundesagentur kommt mit ihrem ursprünglichen Haushaltsansatz von rund sechs Milliarden Euro für Kurzarbeitergeld bei weitem nicht aus. Auch eine im Februar beschlossene Verdoppelung reicht nicht. Inzwischen wird in Nürnberg mit einem Finanzbedarf in Höhe von 20 Milliarden Euro allein für die Kurzarbeit gerechnet.

Forderung: Hartz IV-Erhöhung auf 600 Euro plus 100 Euro Corona-Zuschlag monatlich

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnte davor, dass angesichts der Entwicklung der Löhne in der Pandemie nicht nur die Renten im kommenden Jahr eine Nullrunde erfahren werden, sondern voraussichtlich auch Beziehenden von Hartz IV und Altersgrundsicherung ein realer Kaufkraftverlust droht. Der Verband fordert Bundessozialminister Hubertus Heil auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die Fortschreibungsformel für die Regelsätze in der Grundsicherung so angepasst wird, dass Preissteigerungen immer mindestens ausgeglichen werden. Davon unabhängig kritisiert der Paritätische die Regelsätze als grundsätzlich nicht bedarfsdeckend und fordert eine zügige Erhöhung auf mindestens 600 Euro und einen sofortigen coronabedingten Zuschlag von 100 Euro pro Kopf und Monat für die Dauer der Pandemie.
"Es darf nicht passieren, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt. Wenn jetzt schon absehbar ist, dass sich die Grundsicherungsleistungen zu Beginn nächsten Jahres noch weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen entfernen, muss sofort gehandelt werden. Alles andere wäre ein armutspolitisches Armutszeugnis", mahnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.
Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste ein wirklich armutsfester Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bereits jetzt 644 Euro statt den geltenden 432 Euro betragen. Angesichts der andauernden Pandemie brauche es zudem dringend finanzielle Soforthilfen, um coronabedingte Mehrbedarfe abzudecken. Den als Corona-Hilfe von der Großen Koalition beschlossene Einmalzuschlag in Höhe von 150 Euro für arme Menschen, der in der Woche nach dem 1. Mai ausgezahlt werden soll, hatte der Paritätische zusammen mit einer breiten Allianz von Gewerkschaften, Wohlfahrtverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen bereits wiederholt als allenfalls einen "Tropfen auf den heißen Stein" kritisiert.
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