Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten heute unter anderem darüber, mehr Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren in die Corona-Impfkampagne einzubeziehen. Unter anderem der Chef der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Müller, warb dafür, auch schon Kinder ab 12 Jahren gegen das Coronavirus zu impfen. Die Ständige Impfkommission bleibt hingegen bei ihrer Zurückhaltung und verweist auf eine ungenügende Datenlage.

Corona Impfungen ab 12 Jahren: Thema bei Ministerpräsidentenkonferenz

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten im Laufe des Tages über das weitere Vorgehen bei der Corona-Impfkampagne – dabei sollen auch Impfungen für Jugendliche ab zwölf Jahren eine Rolle spielen. Einer Beschlussvorlage für die Beratungen zufolge könnte die Runde vereinbaren, dass alle 12- bis 17-Jährigen ab sofort Corona-Impfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna in Impfzentren erhalten können, aber auch durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.
Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), hat für Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren geworben: Die Impfung sei "überhaupt nicht so risikoreich, wie viele befürchten", sagte Müller am Montag im ARD-Morgenmagazin. Dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Impfungen für diese Altersgruppe nun vorantreiben wollen, halte er für „sehr sachgerecht“.

Gesundheitsminister zu Impfungen in Altersgruppe 12 bis 17 Jahre

Die Gesundheitsminister wollen die Impfungen in dieser Altersgruppe forcieren, obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) dafür noch keine grundsätzliche Empfehlung gibt. Ein Beschluss dazu ist für diesen Montag geplant. Müller wandte sich dagegen, Kinder und Jugendliche ungeschützt zu lassen und so eine Ansteckung zu riskieren. Es könne auch für Kinder Langzeitfolgen durch eine Corona-Infektion geben, sagte der SPD-Politiker.
Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), sagte im „Morgenmagazin“, die Empfehlung der Gesundheitsminister trotz einer noch ausstehenden Empfehlung durch die Stiko sei kein Angriff auf das Gremium. Die Stiko habe ja gerade die Möglichkeit eröffnet, dass nach individueller Abschätzung eine Impfung für Kinder ab zwölf Jahren möglich sei. In anderen Ländern werde in dieser Altersgruppe bereits breit geimpft, ergänzte Holetschek.
Der CSU-Gesundheitsminister sagte, es sei wichtig, dass jetzt keine Zeit verloren werde in der Impfkampagne. Eltern, die unsicher seien, empfahl er eine Rücksprache mit dem eigenen Arzt. "Wer verunsichert ist, soll sich mit seinem Arzt beraten. Es soll ja niemand gezwungen werden." Es gehe um ein Angebot für eine Gruppe, die noch nicht geschützt sei.

Stiko-Chef bekräftigt Zurückhaltung bei Impfempfehlung für Jugendliche

Die Stiko empfiehlt die Impfung derzeit nur für junge Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Trotz gegenteiliger Stoßrichtung der Politik bekräftigt die Ständige Impfkommission ihre Zurückhaltung bei Corona-Schutzimpfungen für Jugendliche. Derzeit gebe es noch zu wenige Daten zu möglichen gesundheitlichen Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Montag im Radiosender NDR Info. "Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben."

Stiko: Welche Altersgruppe bei Impfung priorisieren?

Das Problem seien ohnehin „im Moment nicht so sehr die Kinderimpfungen“, fügte Mertens im MDR hinzu. Wichtiger sei es, „dass wir eine hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen erreichen“. Davon werde der Verlauf der vierten Welle "alles entscheidend" abhängen. „Die Impfung der Kinder ist zwar medienwirksam, aber aus epidemiologischer Sicht lange nicht so relevant“, fügt Mertens an.
Aktuell, hält Mertens es für „nicht besonders klug“, dass viele Politiker „jetzt so vorpreschen“. Die Stiko habe, wie schon häufiger in der Vergangenheit, eine etwas andere Stellungnahme verfasst. „Ob das Ganze sehr klug und weitsichtig ist und zur allgemeinen Beruhigung beiträgt oder doch eher zur erneuten Verunsicherung, das mögen andere beurteilen“.

Wann empfiehlt die Stiko die Corona-Impfung bei jungen Menschen?

Die Stiko empfiehlt die Corona-Impfung bei jungen Menschen derzeit nur, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen auch bei Kontakt zu Menschen, die vermutlich keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen könnten oder bei einem erhöhten beruflichen Ansteckungsrisiko im Rahmen einer Ausbildung oder Tätigkeit in bestimmten Einrichtungen werde die Impfung empfohlen. Oder bei engem Kontakt zu Menschen, die nicht selbst geimpft werden können.

BZgA zu Corona-Impfung für Kinder ab 12 Jahren

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) berät Eltern und Ärzte über die Möglichkeiten zur Corona-Schutzimpfung bei Kindern und Jugendlichen. Die Zentrale veröffentlichte dazu im Internet ein Merkblatt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) habe zwar bisher keine allgemeine Impfempfehlung ausgesprochen, da Kinder und Jugendliche meist ohne Krankheitszeichen oder mit mildem Covid-19-Verlauf erkrankten und die Datenlage für eine allgemeine Empfehlung noch nicht ausreiche.
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