Bei den Corona-Impfungen sollen sich in knapp drei Wochen alle in Deutschland einen Termin holen können - ohne die noch geltende feste Reihenfolge nach Risikogruppen. Die Priorisierung soll ab dem 7. Juni aufgehoben werden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Woche mitteilte. Die seit dem Impfstart vor fünf Monaten eingeführten Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf sollten dann in Praxen und regionalen Impfzentren wegfallen. Ab 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen.
Doch worauf sollte man nach der Impfung achten? Ist Sport treiben erlaubt?


Sport nach Corona-Impfung: Das raten RKI und Gesundheitsexperten

Die Wirkung der Impfung wird durch Sport zwar nicht beeinträchtigt, aber eine starke körperliche Belastung kann eine unerwünschte Impfreaktion auslösen. Etwa leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Deshalb ist weniger Anstrengung nach einer Impfung mehr, heißt es seitens der Experten der Krankenkasse Barmer. Wie lange pausiert werden soll, hänge von der körperlichen Fitness, der ärztlichen Empfehlung und der Art des Impfstoffes ab. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut rät für Erwachsene und Kinder:
  • Einige Tage Pause bei einer Impfung mit Totimpfstoffen. Etwa gegen die Erreger von Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung.
  • Sieben Tage Pause bei einer Immunisierung mit Lebendimpfstoffen. Zum Beispiel bei einer Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
  • Über einen geeigneten zeitlichen Abstand zwischen einer Impfung gegen Covid-19 und sportlicher Aktivität gebe es noch keine belastbaren Erkenntnisse.

Corona-Impfung in den sportlichen Alltag integrieren

Freizeit- und Leistungssportler sollten versuchen, ihren Impftermin in die Regenerationsphase zu legen. Nach dem Pieks sollten sie genügend Karenzzeit zwischen der Immunisierung und einem Wettkampf einplanen und auf maximales Ausdauer- und Krafttraining erst einmal verzichten. Als Faustregel gilt: Eine Impfung impliziert kein grundsätzliches Bewegungsverbot. Bewegung ist gesund und tut uns gut. Je nach Fitness lässt sich diese Empfehlung vielleicht so übersetzen: Spazierengehen: ja. Halbmarathon: nein.

Alkohol nach Corona-Impfung: Worauf man achten sollte

Nach Angaben der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hat Alkohol keinen großen Einfluss auf den Immunschutz. Allerdings sei es nicht ratsam, rund um einen Impftermin viel Alkohol zu trinken. „Große Mengen Alkohol sind schließlich Gift für den Körper. Und wenn der Körper nach einer Impfung mit der Immunabwehr beschäftigt ist, sollte man ihn nicht auch noch mit Giftstoffen belasten.“
Experten raten darüber hinaus dazu, nach der Corona-Impfung auf das Rauchen zu verzichten. Ein negativer Effekt auf die Impfwirkung wurde zwar bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Doch nicht nur Alkohol, sondern auch Nikotin ist ein Giftstoff, der den Körper zusätzlich fordert.

Die typischen Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung

Typische Beschwerden nach einer Impfung sind Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle am Arm, schreibt das Robert Koch-Institut. Auch Allgemeinreaktionen wie:
  • Fieber,
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • und Unwohlsein sind möglich.
Diese Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab. Weitere Infos zu Impfkomplikationen und Impfschäden gibt es auf der Homepage des Robert Koch-Instituts.

Ist Autofahren nach der Impfung erlaubt?

„Grundsätzlich sollten körperliche Anstrengungen und Saunagänge unmittelbar nach einer Impfung vermieden werden“, heißt es ebenfalls in der Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. „Nach jetzigem Kenntnisstand ist Autofahren nach der Impfung erlaubt.“
Dies hängt jedoch auch davon ab, wie man sich nach der Impfung fühlt, betonen Experten. Da bei der Corona-Impfung ohnehin eine Nachbeobachtungszeit von 15 Minuten empfohlen werde, sollten eventuelle Beschwerden in dieser Zeit auffallen, heißt es in einem Bericht der Stuttgarter Zeitung. Bei bestimmten Risikogruppen werde darüber hinaus zu einer längeren Beobachtungszeit von bis zu 30 Minuten geraten, um eventuelle Impfkomplikationen festzustellen. Das Robert Koch-Institut hat Antworten auf häufig gestellte Fragen wie diese auch auf rki.de veröffentlicht.

Wie steht es mit dem Impfschutz bei den Corona-Mutanten?

Intensiv wird erforscht, wie geschützt Geimpfte auch gegen die neuen Varianten des Coronavirus sind. Grundsätzlich gilt für alle Präparate und die bisher in Deutschland bekannten Mutanten: Sich zu impfen bringt mehr Sicherheit vor einer schweren Erkrankung als dies nicht zu tun. Aber wie gut ist der Schutz genau bei den Varianten, die hierzulande kursieren?
Situation derzeit: Mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent an den untersuchten Proben dominiert derzeit die vor einiger Zeit zunächst in Großbritannien nachgewiesene Mutante B.1.1.7 das Infektionsgeschehen in Deutschland. Der zunächst in Südafrika nachgewiesene Erreger B.1.351 liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) konstant bei bis zu 1 Prozent, die Variante P.1 - bekannt aus Brasilien - bei bis zu 0,5 Prozent.
Die neu als besorgniserregend eingestufte, zunächst in Indien entdeckte und inzwischen schon in Dutzenden Ländern kursierende Mutante B.1.617 hatte zuletzt einen Anteil von weniger als 2 Prozent.
Entwickelt wurden die bisher vier in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gegen den ursprünglichen Erreger-Typ, den sogenannten Wildtyp. Dem RKI zufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, bei vollständig Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften bei allen vier Impfstoffen um mindestens 80 Prozent. Doch wie sieht es mit der Wirksamkeit bei den Varianten aus?
  • B.1.1.7: Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffes bei dieser Mutante im Vergleich zum Wildtyp nicht sonderlich abgeschwächt ist. Darauf weisen unter anderem Ergebnisse von Analysen in Israel und Großbritannien hin. Das Präparat von Astrazeneca könne eventuell etwas weniger effektiv wirken, so das RKI. Die bisherigen Studien dazu seien allerdings nur „eingeschränkt aussagefähig“, da vergleichsweise wenige Fälle betrachtet worden seien.
  • B.1.351: Laut RKI liegen zwar derzeit nur wenige Daten zu dieser in Deutschland selten vorkommenden Mutante vor, doch lassen diese auf eine „zumindest reduzierte Effektivität“ der Impfungen schließen. Nach einer Analyse in Katar kann der Biontech-Impfstoff bei B.1.351 schwere und tödliche Krankheitsverläufe aber sehr gut verhindern. Das Astrazeneca-Präparat kann nach einer Studie in Südafrika, wo das Corona-Geschehen von B.1.351 dominiert wurde, eine symptomatische Erkrankung weniger wirksam verhindern als beim Ursprungsvirus. Auch beim Mittel von Johnson & Johnson gibt es in den vorläufigen Daten nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) Hinweise, dass die Wirksamkeit vermindert sein könnte.
  • P.1: Diese vor allem in Brasilien verbreitete Sars-CoV-2-Variante ähnelt B.1.351. Dem RKI zufolge deuten experimentelle Daten auch hier auf eine reduzierte Wirksamkeit der Impfungen hin. Doch eindeutige Studiendaten gibt es noch nicht. Eine britische Untersuchung von Mitte März kommt zu dem Ergebnis, dass die Astrazeneca- und Biontech-Präparate gegen P.1 wohl in etwa genauso wirken wie gegen die britische Variante - und damit besser als gegen die südafrikanische. Eine US-Studie von Mitte Februar wiederum ergab, dass die Vakzine von Biontech und Moderna bei P.1 und B.1.351 eine „signifikant verminderte“ Wirksamkeit haben könnten.
  • B.1.617: Nach RKI-Angaben deuten erste Laborexperimente darauf hin, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen bei dieser Mutante nicht substanziell beeinträchtigt ist. Gesicherte Daten liegen aber auch hier noch nicht vor. Eine noch nicht von Experten begutachtete Studie aus Indien über den auf dem Subkontinent verwendeten Impfstoff Covaxin zeigt, dass dessen Wirksamkeit bei B.1.617 wohl zwar im Vergleich zum Wildtyp etwas vermindert sein könne, aber noch in etwa so gut sei wie bei B.1.1.7. „Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht“, sagt Ende April der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, Leif-Erik Sander, dem Science Media Center.

Auffrischungsimpfung gegen Corona-Mutanten

Doch ist eine möglicherweise verminderte Wirksamkeit mancher oder aller Impfstoffe bei Virusvarianten überhaupt ein Grund zur Sorge? Nicht wirklich, sagen Experten. Zum einen sehen sie vor allem den Schutz vor sehr schweren bis tödlichen Verläufen bei den derzeit im Fokus liegenden Varianten als weitgehend gegeben. Zudem ließen sich gegen bedrohliche Mutanten rasch angepasste Impfstoffe für eine Auffrischungsimpfung entwickeln. Das entspräche dann in etwa dem Vorgehen wie bei der jährlichen Grippeimpfung.

Strengere Regeln gegen Missbrauch von Impfnachweisen geplant

Angesichts von immer mehr Corona-Impfungen plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn strengere Regeln gegen den Missbrauch von Impfnachweisen. Der CDU-Politiker sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Auch wer falsche Angaben in einen Impfpass einträgt, macht sich strafbar. Und wer so einen Pass nutzt, genauso.“ Vorgesehen sind daher jetzt gesetzliche Klarstellungen, die ebenfalls für Test- und Genesenen-Nachweise gelten sollen. Das Nutzen solcher unrichtiger Dokumente soll demnach mit Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet werden - das Ausstellen mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe.
„Fälschungen sind kein Kavaliersdelikt“, betonte Spahn. Geahndet werden sollten auch Falschangaben aus Gefälligkeit. Das sorge für mehr Gerechtigkeit und besseren Schutz. „Nur wer wirklich geimpft, genesen oder negativ getestet ist, kann andere kaum noch infizieren.“ Die Neuregelungen soll der Bundestag voraussichtlich am Donnerstag mit Änderungen des Infektionsschutzgesetzes beschließen.
Festgelegt werden soll außerdem, dass in der Regel Ärzte direkt nach der Impfung auch die geplanten zusätzlichen digitalen Impfnachweise erstellen können. Nachträgliche Nachweise sollen neben Ärzten auch Apotheken ausstellen dürfen. Dann müssen aber der Impfpass und der Personalausweis vorgelegt und überprüft werden. In der Regel soll dies auch nur „in räumlicher Nähe“ zum Impf-Ort möglich sein - also etwa in derselben Gemeinde, demselben Landkreis oder umliegenden Kommunen. Das soll gewährleisten, dass die Form der Nachweise oder die ausstellenden Leistungserbringer bekannt sind. Es sollen aber Ausnahmen möglich sein, etwa bei Wohnsitzwechseln.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.