Corona Inzidenz heute“ war in den letzten Monaten oft das erste, was viele Menschen morgens im Internet gesucht haben - noch vor Wetter und aktuellen Nachrichten. Denn an der Inzidenz haben sich die Corona-Regeln in Deutschland lange Zeit orientiert. 100, 50, 35 - die unterschiedlichen Grenzwerte haben das Leben bestimmt. Doch nun will sich die Bundesregierung weniger an der Inzidenz und mehr an der Hospitalisierungsrate orientieren.

Spahn: Inzidenz nicht mehr Gradmesser für Pandemie

Mit der geplanten Abkehr von der Inzidenz als alleinigem Gradmesser für Einschränkungen rückt ein Kurswechsel in der Corona-Politik in Deutschland näher. „Die 50er-Inzidenz im Gesetz, die hat ausgedient“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ZDF.

Corona: Hospitalisierungsrate künftig neuer Parameter

An die Stelle der Inzidenz soll die Rate der Corona-Fälle im Krankenhaus treten. „Der neue Parameter ist dann die Hospitalisierung“, sagte Spahn. Details der geplanten Neuregelungen blieben vorerst offen. Denkbar ist eine kombinierte Kennzahl, die sich aus mehreren unterschiedlich gewichteten Faktoren zusammensetzt.

Intensivbetten, Hospitalisierungsrate und Impfquote entscheiden

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, lobte den Plan der Regierung. Für die Beurteilung der Lage seien vor allem folgende Faktoren wichtig:
  • die Hospitalisierungsrate auf den Normal- sowie Intensivstationen
  • die Test-Positivrate
  • die Impfquote
  • die Altersstruktur der Infizierten.

Hospitalisierungsrate: Was heißt das?

Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viele der bekannten Infizierten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Der Wert wird in Prozent angegeben. Seit Beginn des Jahres sinkt er kontinuierlich und liegt aktuell unter einem Prozent. Der Wert wird wöchentlich vom RKI am Donnerstag bekanntgegeben. Das Institut weist jedoch darauf hin, dass es sich dabei immer um eine Mindestangabe handelt. Denn nicht von jedem gemeldeten Fall liegen klinische Daten vor.
So hat sich die Hospitalisierungsrate in Deutschland seit Winter 2020 entwickelt.
So hat sich die Hospitalisierungsrate in Deutschland seit Winter 2020 entwickelt.
© Foto: RKI

Unterschied zwischen Intensivbettenbelegung und Hospitalisierungsrate

Die Hospitalisierungsrate gibt an, welcher Anteil der positiv auf Corona-Getesteten im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Intensivbettenbelegung zeigt wie viele Intensivbetten in Deutschland noch verfügbar sind. Es handelt sich also um zwei unterschiedliche Kennzahlen.

Lauterbach gegen Abkehr von Inzidenz

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dagegen gegen eine Abkehr von der Inzidenz als wichtigen Corona-Wert ausgesprochen. Die geplante Neuordnung sende „ein falsches Signal“, als wenn die Inzidenz nun überhaupt nicht mehr wichtig wäre und man nur noch auf die Zahl der Krankenhauseinweisungen schauen müsste, sagte Lauterbach am Montag dem TV-Sender Phoenix. „Das halte ich für falsch, weil auch viele derjenigen, die erkranken und nicht ins Krankenhaus müssen, schwer erkranken und langfristige Schäden davontragen.“

DIVI-Intensivregister: Wie viele Intensivbetten gibt es in Deutschland?

Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in Deutschland ändert sich. Wie viele Intensivbetten es in Deutschland gibt und wie viele davon frei sind, lässt sich im DIVI-Intensivbettenregister nachschauen.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.