Die meisten kennen ihn von seiner Rolle als Kriminalhauptkommissar Otto Garber in "Ein starkes Team" (ZDF). Doch ein Blick in die Filmografie zeigt die Vielseitigkeit des Schauspielers Florian Martens. Der mimte schon Märchenfiguren und Liebhaber, aber auch Nazi-Politiker Heinrich Himmler ("Speer und Er"). Man kennt ihn von der DEFA sowie von beliebten Serien wie "Zahn um Zahn" und "Polizeiruf 110". Ein Millionenpublikum erarbeitete sich Martens in der ZDF-Krimireihe "Ein starkes Team". Am 4. Januar 2020 läuft um 20.15 Uhr die 80. Folge ("Abgetaucht"). Grund genug, sich mit dem gebürtigen Berliner zum Sonntagsfrühstück zu verabreden.
Dass er die Rolle des Otto Garber mal über ein Vierteljahrhundert spielt, hätte er sich nie träumen lassen, sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs. "Ich dachte an höchstens fünf bis sechs Jahre", erklärt der Mime, der heute abwechselnd im Berliner Bezirk Pankow sowie am märkischen Krüpelsee (Dahme-Spreewald) lebt. Ursprünglich war "Ein starkes Team" als einmaliges Projekt gedacht. Doch aus dem 90-minütigen Film wurde eine der erfolgreichsten Reihen im deutschen Fernsehen. Heute sind bis zu sieben Millionen Zuschauer dabei, wenn der Streifen am Samstagabend läuft.
Seine Rolle habe sich mit den Jahren kaum verändert, sagt Florian Martens auf Nachfrage. Otto Garber kam von Anfang an als grantiger, aber liebenswürdiger Kripo-Mann rüber. Sein Markenzeichen wurde die schwarze Wollmütze. An seiner Seite ermittelt Linett Wachow alias Stefanie Stappenbeck. Für verrückte Ideen sorgt der pfiffige Sputnik (Jaecki Schwarz). "1994 war aber alles ganz anders. Damals verkörperte Maja Maranow Linett Wachow. Sie galt als gesetzt, spielte eine Zehlendorferin. Ich kam als Ost-Kripo-Mann erst dazu. Da prallten im Film Welten aufeinander." Eigentlich war ein anderer Darsteller für die Rolle geplant. Doch Regisseur und Kamerachef setzten sich damals durch.
"Bei einer Party in einer Berliner Kneipe wunderte ich mich, warum dort Maja Maranow auftauchte und mich so anstarrte. Wie ich erst hinterher erfuhr, wollte sie schauen, ob es zwischen uns passt", erinnert sich der Urberliner. Zwischen beiden funkte es – und zwar nicht nur im Film. Zwei Jahre waren Maranow und Martens in den 1990er Jahren auch privat ein Paar. 2016 erlag die Schauspielerin 54jährig einem Krebsleiden. "Maja war für mich ein Star. Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich Pferderennsportfan bin und Maja ab 1989 in "Rivalen der Rennbahn" mitspielte." Die Liebe zerbrach. Noch bis 2016 blieben beide das Ermittlerduo in "Ein starkes Team".
Florian Martens Leidenschaft für Pferderennen besteht bis heute. Es gibt kaum ein Rennen auf der Galopprennbahn Hoppegarten am östlichen Berliner Stadtrand (Märkisch-Oderland), dass der TV-Ermittler verpasst. "Eigentlich wollte ich mal Jockey werden. Doch meine Körpermaße verhinderten das", verrät Martens, der als junger Mann an den Wettkassen der Berliner Trabrennbahn Karlshorst jobbte und später die Lizenz für Amateurrennen erwarb.
Auch sonst trifft man Florian Martens oft im Brandenburgischen: Am Krüpelsee bei Königs Wusterhausen hat er seit Jahren ein Haus direkt am Wasser. "So oft es geht, bin ich hier draußen. Von Pankow aus fahre ich über den östlichen Berliner Ring nur eine gute halbe Stunde. Hier finde ich Erholung von der ersten Sekunde an." Florian Martens schätzt seinen Worten nach aber auch andere märkische Wohlfühlorte. Dazu zählt er beispielsweise Liepnitz- und Wandlitzsee nördlich der Hauptstadt. Den Sommer blocke er ohnehin komplett für den Krüpelsee, ist im Gespräch zu erfahren. "Das entstand aus meiner familiären Situation heraus. Ich hatte 24 Jahre lang schulpflichtige Kinder – da waren uns die Sommerferien immer heilig", lächelt der Familienvater, der in den 1980er Jahren an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" studierte.
Nicht nur in der warmen Jahreszeit steigt in seinem märkischen Refugium das gemeinsame Sonntagsfrühstück der Familie. Allerdings nur, wenn gerade kein Film ansteht. "Mit vollem Magen kann ich nicht drehen. Da gibt’s nur einen Earl Grey." Ansonsten darf es aber gern ein deftiges Morgenmahl sein, mit Schinken, Ei und Wurst. In seiner Freizeit befasst sich Florian Martens auch weiterhin mit Pferden (eine seiner beiden Töchter ist begeisterte Reiterin), schaut aber auch gern selbst Fernsehen. "Ich sehe Dokus, Nachrichten und Sport. Hier besonders gern Leichtathletik und Boxen." Ein Fußballnarr sei er zwar nicht unbedingt, doch dem Klub Union Berlin drücke er die Daumen. "Ich hoffe, es läuft weiter so gut und sie können die 1. Bundesliga halten", so Martens.
Der lernte ursprünglich Baumaschinist und fuhr auch mal fünf Jahre Bagger und Planierraupen. Nach der Militärzeit bei der Marine trat er mit 24 Jahren in die Fußstapfen der Eltern, die Schauspieler Ingrid Rentsch (91) und Wolfgang Kieling (1924 - 1985). Sein Filmdebüt gab er 1986 in der Literaturverfilmung des DDR-Fernsehens "Der junge Herr Siegmund". Er brillierte an der Berliner Volksbühne und spielte nach der Wende in etlichen TV-Krimis.
Doch seine Paraderolle fand Florian Martens 1994 in "Ein starkes Team". Ein Ende dieses Filmparts ist für den 61-Jährigen nicht in Sicht. In einer so hochkarätigen Reihe besetzt zu werden, ist für Martens den eigenen Worten nach ein "Luxus". Der Pankower bezeichnet die Rolle des Otto Garber als "Hauptgewinn", auch wenn sie ihn auf einen bestimmten Typ festlege und andere Filmangebote in letzter Zeit rar würden. Otto Garber sei ihm einfach auf den Leib geschrieben. "Etwas Besseres konnte mir wirklich nicht passieren", sagt der Mime, der 2020 auch in einer ZDF-Komödie zu sehen ist.
Zum Schluss gibt es noch einen Gruß an die Leser. Der Reporter: Danke für das Interview Florian Martens. "Keene Ursache, jerne. Ick danke och!"