• In Großbritannien steigen die Corona-Zahlen und die Inzidenz wieder
  • Komplette Öffnung ist für den 21. Juni geplant
  • Virusmutationen wie die indische oder die britische Variante bereiten Sorge
  • Droht die vierte Welle in Goßbritannien?
Prall gefüllte Strände und Partys in den Pubs: Die Briten genossen in den vergangenen Tagen und Wochen ihre zurückgewonnene Freiheit. Seit Ende Mai dürfen Restaurants, Cafés, Pubs und Theater öffnen und Treffen mit mehreren Personen sind wieder möglich. Die britische Regierung plant, am 21.06.2021 alle Bereiche komplett zu öffnen und die Corona-Beschränkungen aufzuheben. Davor warnen jedoch zahlreiche Forscher, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Einen Grund dafür sehen die Wissenschaftler in verschiedenen Virusmutationen, die sich derzeit an einigen Orten im Vereinigten Königreich ausbreiten. Vor allem die indische Variante – die WHO hat sie nun Delta getauft – bereite Anlass zur Sorge. In den betroffenen Gebieten hat die Regierung die Corona-Regeln drastisch verschärft. Forscher befürchten nun, dass sich die indische Mutante weiter im Land ausbreiten wird. Schon jetzt gehen laut Schätzungen bis zu drei Viertel der neuen Fälle auf diese Mutante zurück, die als ansteckender gilt, schreibt das RND.
Ob es mit der kompletten Öffnung am 21. Juni klappt, will die britische Regierung bis zum 14. Juni entscheiden. In Schottland ist man bereits vorsichtiger. Aufgrund der raschen Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus wurden geplante Lockerungen vorerst aufgeschoben.

Corona in Großbritannien aktuell: Inzidenz steigt an

Auch die Inzidenz stieg in den vergangenen Tagen wieder an. Während sie am 20.05.2021 noch bei 15,6 lag, vermeldet Großbritannien am Donnerstag (10.06.2021) einen Wert von 60,5.
Weitere Zahlen aus Großbritannien laut Johns Hopkins Universität (Stand: 10.06.2021):
  • 7-Tage-Inzidenz: 60,5
  • Neuinfektionen: 7322
  • Infektionen insgesamt: 4.551.694
  • Neue Todesfälle: 6
  • Todesfälle insgesamt: 128.124
Dank der in Summe aktuell aber recht niedrigen Infektionszahlen haben Geschäfte und Gastronomie weitgehend wieder geöffnet und Kontaktbeschränkungen sind deutlich gelockert worden. Die für den 21. Juni angepeilte Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England steht jedoch infrage, weil sich die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante zunehmend im Land ausbreitet. Schottland, das wie Nordirland und Wales eigenständig über seine Corona-Maßnahmen entscheidet, hat geplante weitere Lockerungen bereits aufgeschoben.

Delta-Variante breitet sich aus: Droht die 4. Welle mit indischer Corona-Mutation?

Großbritannien steht wahrscheinlich vor einem erneuten Ausbruch der Corona-Pandemie, obwohl das Land Vorreiter bei den Impfungen war. Am Dienstag, 08.06.2021, wurden fast 6000 Neuinfektionen gemeldet und die Inzidenzwerte steigen weiter und weiter. Forscher und Experten fordern, die geplante Öffnung am 21. Juni noch herauszuzögern. Einige fordern sogar, die Corona-Regeln wieder drastisch zu verschärfen. Die walisische Gesundheitsministerin Eluned Morgan sagte am Sonntag, due vierte Corona-Welle sei „unvermeidlich“. Die Frage sei nur, wie groß diese Welle sein werde.

Astrazeneca, Biontech/Pfizer und Co.: Hohe Impfquote in England

Die Briten setzen derweil auf ihr umfangreiches Impfprogramm, um die Virusmutationen und die steigenden Zahlen in den Griff zu bekommen. Mittlerweile sind 59,77 Prozent der Erwachsenen in Großbritannien mindestens einmal geimpft. 41,58 Prozent der Bürger sind bereits vollständig geimpft (Stand: 10.06.2021).
Die Regierung setzt dabei auf Tempo und hält – anders als oft in Deutschland – die zweite Impfdosis nicht zurück. Man vertraut darauf, dass noch genug Impfstoff verfügbar ist, wenn die zweite Impfung ansteht.  Die Briten haben eigene Verträge mit den Herstellern verhandelt, wodurch es bisher kaum zu Lieferengpässen gekommen ist. In Großbritannien sind die Mittel von Astrazeneca, Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson zugelassen.
Die Impfungen zeigen jetzt auch Wirkung: Zum ersten Mal seit Juli 2020 registrierte das Vereinigte Königreich am 01.06.2021 keine Corona-Toten.

Corona-Hotspots in England: Massentestungen und Impfungen

Die britische Regierung kämpft gegen die steigenden Inzidenzzahlen an. Im Nordwesten Englands ist gegen die weitere Ausbreitung der in Indien entdeckten Delta-Variante des Coronavirus eine Offensive mit Massentests und Impfungen gestartet worden. Wie zuvor bereits im Corona-Hotspot Bolton setzt die Regierung das Militär ein, um Bürger in den besonders betroffenen Gegenden wie Greater Manchester oder der Grafschaft Lancashire systematisch auf das Virus zu testen, wie unter anderem die BBC berichtete. In Manchester und anderen Gemeinden wurden zudem bereits alle über 18-Jährigen aufgerufen, Impftermine zu buchen - obwohl englandweit eigentlich erst Menschen ab 25 Jahren impfberechtigt sind. Bürgermeister riefen die Regierung auf, ihnen noch mehr Impfstoff für ihre Offensive zur Verfügung zu stellen.

Gastronomie, Kontaktbeschränkungen, Hotels: Aktuelle Corona-Regeln in Großbritannien

In Großbritannien sind am 17.05.2021 weitreichende Lockerungen in Kraft getreten.
  • Menschen dürfen sich in Innenräumen mit bis zu sechs Personen aus zwei Haushalten treffen
  • Draußen sind Treffen von bis zu 30 Personen erlaubt.
  • Restaurants, Cafés und Pubs haben komplett geöffnet
  • Theater, Kinos und Museen dürfen wieder Gäste empfangen.
  • Hotels und Pensionen sind ebenfalls wieder geöffnet

Einreise nach England: Ist Urlaub im Vereinigten Königreich möglich?

Das Auswärtige Amt stuft Großbritannien derzeit als Gebiet mit besonders hohen Infektionsrisiko (Virusvarianten-Gebiet) ein. Deshalb wird vor einer nicht notwendigen, touristischen Reise dorthin gewarnt.
Von britischer Seite aus sind Ein- und Ausreisen seit dem 17. Mai 2021 wieder ohne triftigen Grund möglich. Länder werden in farblich verschiedene Kategorien (Listen) eingeteilt, von „green“ über „amber“ bis „red“.
  • „Green“: Online-Anmeldung, COVID-19-Test vor Einreise, 1 weiterer Test vor/am Tag 2, keine Quarantäne
  • „Amber“: Online-Anmeldung, COVID-19-Test vor Einreise, 2 weitere Tests vor/am Tag 2 und am/nach Tag 8 nach Einreise, häusliche Quarantäne von 10 Tagen mit Möglichkeit einer Freitestung am Tag 5 nach Einreise.
  • „Red“: Online-Anmeldung, Test vor Einreise, 2 weitere Tests vor/am Tag 2 und am/nach Tag 8 nach Einreise, Hotel-Quarantäne von 10 Tagen.
Deutschland wird derzeit in die Kategorie „Amber“ eingestuft. Für die Einreise muss zudem eine elektronische Anmeldung vorliegen. Hier geht es zum Online-Formular.
Ende des Lockdowns: In England haben Restaurants und Pubs wieder geöffnet. Ab 21.06.2021 sollen alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden.
Ende des Lockdowns: In England haben Restaurants und Pubs wieder geöffnet. Ab 21.06.2021 sollen alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden.
© Foto: Evening Standard / laif

Corona in England: Quarantänezeit nach der Rückreise nach Deutschland

Wer aus Großbritannien zurückkommt, muss bei der Einreise nach Deutschland ein negatives Testergebnis vorlegen (PCR-Test maximal 72 Stunden alt, Antigentest maximal 24 Stunden alt). Zudem ist eine 14-tägige Quarantäne verpflichtend. Ein Freitesten ist nicht möglich.

Corona in Deutschland: Britische Variante Alpha bleibt dominant

Die vor einigen Wochen als besorgniserregend eingestufte Corona-Variante Delta (B.1.617.2) spielt in Deutschland nach Daten des Robert Koch-Instituts weiter eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil an untersuchten Proben aus der Woche vom 17. bis 23. Mai betrug 2,1 Prozent. Das geht aus einem RKI-Bericht vom Mittwochabend hervor. In den Wochen zuvor hatte der Anteil leicht, aber beständig zugenommen, auf bis zu 2,4 Prozent.
Die zuerst in Indien festgestellte Mutante hat damit den RKI-Daten zufolge in Deutschland den zweitgrößten Anteil, allerdings mit enormem Rückstand: Alpha (B.1.1.7) kommt auf rund 93 Prozent. Diese in Großbritannien entdeckte Variante breitete sich seit Ende 2020 international stark aus. Die weiteren als besorgniserregend eingestuften Varianten Beta (B.1.351) und Gamma (P.1.) wurden in noch geringerer Zahl gefunden.

Britische Reisebranche empört über Verschärfung von Reiseregeln

Die auf Erholung hoffende britische Reisebranche hat die Verschärfung der Corona-Reiseregeln ihrer Regierung scharf kritisiert. Die Änderungen seien „unglaublich enttäuschend und verwirrend“, sagte ein British Airways-Sprecher am Freitag laut „Sky News“. Die hohe Impfquote in Großbritannien, die auch in anderen Ländern zunehme, solle es eigentlich ermöglichen, mehr Länder auf die „grüne Liste“ ohne Quarantänepflicht nach der Rückkehr zu setzen.
Die Regierung hatte am Donnerstag Portugal nach nur drei Wochen von der Liste entfernt und keinerlei weitere Länder hinzugefügt. So ist aktuell aus fast allen Ländern in Europa nach der Rückkehr eine mindestens fünftägige Quarantäne Pflicht - bei Hochrisikogebieten sogar für zehn Tage im Hotel. Die irische Billig-Airline Ryanair beklagte laut „Sky News“, es gebe keine Rechtfertigung für die Einstufung Portugals.
Der Chef des größten Londoner Flughafens Heathrow, John Holland-Kaye, warf der Regierung vor, der Branche „einen weiteren verlorenen Sommer für die Reisebranche“ zu bescheren. Das Land müsse dringend Regeln für geimpfte Ankommende einführen, verpflichtende Tests günstiger machen und Flugverbindungen mit wichtigen Handelspartnern wieder ermöglichen.

Corona und Urlaub: So sind die Regeln in diesen Ländern

In vielen europäischen Ländern ändern sich gerade die Corona-Regeln für Urlaub und Einreise. Was wo gilt:
  • Holland und Niederlande
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Dänemark
  • Italien
  • Spanien
  • Kroatien