Wie kalt wird der Winter 2022/23? Das ist zu einem der wichtigsten aktuellen Fragen geworden. Wird der Winter mild, ist es unwahrscheinlicher, dass Deutschland durch die Energiekrise eine Mangellage erlebt und die Menschen sparen an Heizkosten. Wird es ein kalter Winter, könnte es beim Gas eng werden.
Mit dem Beginn des Herbstes können Meteorologen anhand verschiedener Langfristmodelle einen ersten, vorsichtigen Blick in die Zukunft wagen. Wie kalt wird es also?

Wetter im Winter: Es könnte mild werden

Zunächst muss deutlich gesagt werden: Die Langfristmodelle sind keine Garantien. Anhand der Modelle können grobe klimatische Bedingungen abgelesen werden - nicht aber Wetterberichte für einzelne Tage oder gar Wochen.
Die meisten Langfristmodelle geben einen Trend über drei bis vier Monate wieder: Der Deutsche Wetter Dienst (DWD) zeigt in seiner Jahreszeitenvorhersage beispielsweise die Temperaturen für die Monate November, Dezember und Januar an. Darin sieht man, inwiefern die Temperaturen in den kommenden Monaten vom Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre abweichen könnten.
Laut DWD-Modell wird ein milder Winter in Europa erwartet. In Deutschland wird prognostiziert, dass die Temperaturen im Mittel etwa 1 Grad wärmer werden als in den Jahren zuvor. Außerdem soll es ein trockener Winter werden, so die Vorhersagen. Das lässt sich aber mit weniger Sicherheit vorhersagen als die Temperaturen. Auch andere Vorhersagemodelle gehen von einem milden Winter 2022/23 aus. Die Temperaturen in Europa sollen vor allem im Februar 2023 besonders warm werden. Für Februar wird aber auch mehr Niederschlag als üblich erwartet - ob das Schnee bedeutet, ist offen.

Prognose für den Winter: Mild im Durchschnitt ist keine Entwarnung

Dass die Temperaturen auch im Winter steigen, sollte im Zeichen des Klimawandels wenig überraschen. Diese Vorhersagen sollten aber nicht als komplette Entwarnung verstanden werden. Wie eingehend beschrieben, zeigen die Langfristmodelle nur einen Durchschnittstrend an. Das heißt aber lange nicht, dass es nicht auch mal ein paar Wochen mit Temperaturen von -10 oder sogar noch kälter geben könnte.
Das zeigt auch ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Im Winter 2020/21 kam es im Februar in Deutschland zu einem plötzlichen Kälteeinbruch, die Temperaturen fielen bis auf -20 Grad - und das über eine Woche lang. Diese kalte Woche änderte aber nichts daran, dass der Winter insgesamt sehr mild war. Im Vergleich zu Vorjahren war er weder besonders kalt noch besonders warm. Im Vergleich zu den Jahren vor 2000 war der Winter sogar deutlich wärmer.