• Soviel Regen innerhalb von 48 Stunden wie gerade im Westen Deutschlands fällt laut Deutschem Wetterdienst nur alle 100 Jahre.
  • Schuld daran ist eine für Starkregen berüchtigte Wetterlage, die eigentlich selten ist, dafür aber immer häufiger wird.
  • Hat es mit dem Klimawandel zu tun?

Welche Wetterlage hat aktuell zu den Überschwemmungen geführt?

Der Deutsche Wetterdienst begründet die aktuelle Wetterlage damit, dass sich ein Tiefdruckgebiet über dem Westen Deutschlands „festgefressen“ hat. Das Tief werde an allen Seiten von Hochdruckgebieten flankiert, die extrem feuchte Luft könne daher nicht ausweichen, erklärt DWD-Meteorologe Marco Manitta. „Solche Wetterlagen sind in den letzten Jahren häufiger geworden“, sagt Manitta. Im umgekehrten Fall - also wenn ein Hoch von Tiefs „eingekesselt“ wird - kommt es zu extremer Hitze und Dürre.
Durch die heftigen Regenfälle waren kleine Flüsschen zum reissenden Fluss geworden.
Durch die heftigen Regenfälle waren kleine Flüsschen zum reissenden Fluss geworden.
© Foto: Roberto Pfeil / DPA
Die größten Niederschlagsmengen gab es Manitta zufolge in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel, den Großraum Köln/Bonn bis zur Grenze nach Luxemburg. Spitzenreiter war Rheinbach-Todenfeld (Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen) mit 158 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden - wobei das meiste davon in kürzerem Zeitraum vom Himmel fiel, wie der Experte erklärte.

Starkregen - Solche Niederschläge nur alle 100 Jahre

Beim Deutschen Wetterdienst hat man die gemessenen enormen Regenmengen mit historischen Zeitreihen verglichen und getwittert:
Es war ein Unwetter mit einer Wiederkehrzeit von mehr als 100 Jahren (bezogen auf die Regenmengen innerhalb von 48 Stunden). Das bedeutet: Statistisch und im Vergleich zur Wetterhistorie hat man solche Niederschläge also nur einmal alle 100 Jahre oder sogar noch seltener.

Wie ist es zu dieser extremen Wettersituation gekommen?

Zwei Effekte der Klimaerwärmung nähmen Einfluss auf die Häufigkeit solcher extremen Starkregenereignisse, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Zum einen verdunstet bei höheren Temperaturen mehr Wasser und die wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit speichern. Das begünstigt hohe Niederschlagsmengen. Zum anderen verharren Wetterlagen länger über einer Region. Dahinter steckt ein globales Phänomen: Die Atmosphäre erwärmt sich nicht gleichmäßig, sondern an den Polen mehr als am Äquator. Das vermindert den starken Temperaturunterschied zwischen diesen beiden Regionen. Die Folge: Der sogenannte Jetstream, der als Windband in großer Höhe um die Nordhalbkugel zieht, verändert sich. Dadurch können Wetterlagen über längere Zeit an einem Ort bleiben und extreme Bedingungen schaffen. „Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt“, sagt Hoffmann.

Welchen Anteil hat die Klimaerwärmung?

Laut Nationalem Klimareport unterliegt der Niederschlag starken Schwankungen von Jahr zu Jahr. Die deutschlandweit jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge nahm seit 1881 um 66 Millimeter zu - beziehungsweise um acht Prozent im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Ein kontinuierlicher Anstieg ist das nicht: „Die Zunahme erfolgte ungleichförmig.“ Zudem werde der Anstieg „von kurzfristigen Schwankungen überlagert“.
Autos liegen in einem ausgespültem Teil des Ortsteils Bessem.
Autos liegen in einem ausgespültem Teil des Ortsteils Bessem.
© Foto: David Young / DPA
Auffällig sind die extremen Niederschläge eigentlich eher in einer anderen Jahreszeit: „Die Winterniederschläge haben seit dem Winter 1881/82 bis heute um 48 Millimeter beziehungsweise 26 Prozent relativ zu 1961-90 zugenommen“, heißt es im Klimareport.
Auch wenn sich die Gesamtmenge an Regen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten wenig verändert hat, hat sich doch etwas verändert, wie Klimaforscher Hoffmann erklärt. Es gibt Hinweise, dass die gleiche Regenmenge an weniger Tagen im Jahr vom Himmel kommt: „Wenn der Regen fällt, dann intensiver“.

Hochwasserlage in Deutschland: Entspannung ist in Sicht

Die Lage in den Hochwassergebieten in Deutschland hat sich etwas entspannt. In Passau (Bayern) lag der Pegelstand der Donau am frühen Montagmorgen bei 8,18 Metern und damit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher. Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land im Südosten Bayerns konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. Anlass zur Hoffnung geben zudem die Wetteraussichten: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte zum Wochenstart für die Nordhälfte „nur selten ein paar Tropfen“ voraus. Auch in der Südhälfte sei es oft freundlich. Nur südlich der Donau sind laut Prognose nachmittags einzelne Gewitter möglich, örtlich allerdings auch mit Starkregen.

Die größten Hochwasserkatastrophen der vergangenen 100 Jahre

  • 1927-Hochwasser im Osterzgebirge : Bei starken Regenfällen im Juli im Osterzgebirge traten die beiden Elb-Nebenflüsse Gottleuba und Müglitz über die Ufer. Die Wassermassen überraschten die Menschen in den Ortschaften während des Schlafs. 160 Menschen verloren bei dieser Katastrophe ihr Leben.
  • 1954-Donauhochwasser: Seit dem 27. Juni 1954 hatte es täglich geregnet. Mit dem Monatswechsel wurden die Regenfälle dann stärker und erreichten Hochwasserregen-Niveau. Rund 9000 Menschen mussten evakuiert werden und eine Fläche von etwa 150.000 Hektar wurde überschwemmt. Bei dieser Flutkatastrophe verloren zwölf Menschen ihr Leben.
  • 1962-Die schlimmste Sturmflut Hamburgs: Sie gilt als schlimmste Sturmflut der Stadtgeschichte und kostete mehr als 300 Menschen das Leben: Die Sturmflut von 1962 wurde vom Orkan „Vincinette“ ausgelöst. Dieser wütete bereits seit einigen Tagen vorher in der Nordsee und drückte das Wasser allmählich die Elbe hinauf. Als gegen 22 Uhr am 16. Februar in Cuxhaven der erste Deich bricht, geht es schnell. Bis zu den frühen Morgenstunden haben die Wassermassen mehr als 50 Deiche durchbrochen und überschwemmen zahlreiche Stadtteile. Am schlimmsten trifft es die Elbinsel Wilhelmsburg. Die Fluten reißen alles mit sich. Selbst einige Häuser oder Teile der Deiche werden mitgerissen. Die Hamburger trifft die Katastrophe unvorbereitet im Schlaf. 315 Menschen verlieren ihr Leben, allein in Wilhelmsburg 207 davon.
Hamburgs damaliger Innensenator Helmut Schmidt (SPD) verleiht am 3. Dezember 1962 in der Litzmann-Kaserne in Hamburg-Wandsbek die Dankmedaille der Freien und Hansestadt Hamburg an 400 Soldaten für deren Einsatz während der Flutkatastrophe im Februar 1962.
Hamburgs damaliger Innensenator Helmut Schmidt (SPD) verleiht am 3. Dezember 1962 in der Litzmann-Kaserne in Hamburg-Wandsbek die Dankmedaille der Freien und Hansestadt Hamburg an 400 Soldaten für deren Einsatz während der Flutkatastrophe im Februar 1962.
© Foto: Blumenberg / DPA
  • 1988-Überschwemmung an Rhein und Mosel: Hochwasser an Rhein, Mosel und Donau im März 1988: Bei der Katastrophe treten die drei Flüsse über die Ufer und überschwemmen mehrere Orte. Hohe Niederschläge besonders im März sorgten für das Hochwasser, das dann auch zum Bruch von drei Dämmen sorgte. 13 Menschen verloren ihr Leben.
In Köln wurde 1993 ein  Pegelstand von 10,63 Metern gemessen
In Köln wurde 1993 ein Pegelstand von 10,63 Metern gemessen
© Foto: Oliver Berg / DPA
  • 1993-Hochwasser an Rhein und Mosel: Weihnachten fiel 1993 für Menschen an Rhein und Mosel buchstäblich ins Wasser. Überdurchschnittliche Niederschlagsmengen sorgten bereits in den zwei vorangegangenen Monaten dafür, dass der Rhein und die Nebenflüsse Mosel, Nahe und Neckar anschwollen. In Köln wurde ein Pegelstand von 10,63 Metern gemessen, der nur knapp unter dem Höchststand von 1926 lag. Da das linksrheinische Köln allerdings nur bis zum Pegelstand von zehn Metern geschützt war, standen die Altstadt und die Südstadt unter Wasser.
  • 2002-Hochwasser in Mitteleuropa: Hohe Niederschläge führten im August 2002 dazu, dass es in Ost- und Norddeutschland zu heftigen Überflutungen kam. Elbe und Donau traten über die Ufer. 21 Menschen fanden in Deutschland den Tod. 43.000 Menschen mussten ihre Wohngebiete verlassen. Die Schadenssumme stieg auf neun Milliarden Euro. Allein die Deutsche Bahn vermeldete Schäden in Höhe von 1,025 Milliarden Euro. Europaweit forderte das Hochwasser 45 Menschenleben und richtete einen Schaden von rund 15 Milliarden an. (Quelle: wetter.de)
  • 2016-Flutwelle trifft den Ortskern von Braunsbach: Eine schwere Sintflut hat die kleine Gemeinde im Kreis Schwäbisch Hall an jenem Tag überschwemmt und unter einer Lawine aus Schlamm und Geröll begraben.