Muss Boris Becker ins Gefängnis? Diese Frage wurde am heutigen Freitag, 29. April 2022, beantwortet. Eine Jury hat den deutschen Ex-Tennisstar in 4 von 24 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die zuständige Richterin hat nun in London das Strafmaß für den früheren Tennisstar verkündet.
  • Was droht Boris Becker in dem Prozess?
  • Boris Becker und sein Vermögen: Worum ging es in der aktuellen Verhandlung in London genau?
Hier gibt es alle Infos:

Welche Strafe bekommt Boris Becker?

Welche Strafe Boris Becker bekommt, haben nicht die elf Geschworenen entschieden, sondern die Berufsrichterin Deborah Taylor. Am Freitag verkündete sie nun das Strafmaß in dem Prozess. Und das lautet: Boris Becker muss für 2 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis. Becker kann nun Einspruch einlegen – sowohl gegen den Schuldspruch als auch gegen das Strafmaß. Theoretisch hätten dem Ex-Tennisstar sogar bis zu sieben Jahre Haft gedroht.
Boris Becker war bereits 2002 von einem Münchner Gericht wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt worden.
Vor dem Gericht standen am Freitag zahlreiche Fotografen und Kameraleute bereit, auch im Inneren bildete sich bereits Stunden vor dem Beginn der Verkündung eine lange Schlange. Angesichts des Andrangs wurde die Sitzung in einen größeren Saal verlegt.
Vor dem Gericht standen am Freitag zahlreiche Fotografen und Kameraleute bereit, auch im Inneren bildete sich bereits Stunden vor dem Beginn der Verkündung eine lange Schlange. Angesichts des Andrangs wurde die Sitzung in einen größeren Saal verlegt.
© Foto: ADRIAN DENNIS/AFP

Boris Becker und sein Vermögen: Worum ging es im Prozess?

Boris Becker (54) musste im Frühjahr 2022 einen Strafprozess vor dem Southwark Crown Court in London über sich ergehen lassen. Die Anklage hatte Becker in 24 Anklagepunkten vorgeworfen, in seinem Insolvenzverfahren Teile seines Vermögens – darunter Immobilien, Konten und einige der wichtigsten Trophäen seiner Karriere – verschleiert zu haben und die Schuld seinen Beratern zugeschoben, die sich ihm zufolge um seine Finanzen gekümmert haben. Becker selbst stritt die Vorwürfe ab. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant sei zwar naiv, aber unschuldig. Es sei kein Verbrechen, sich auf Berater zu verlassen. In 20 von 24 Punkten folgte die Jury dieser Argumentation.
Viermal lautet das Urteil allerdings: „schuldig“. Die Laienrichter sind überzeugt: Der Ex-Tennisstar hat Teile seines Vermögens im Insolvenzverfahren bewusst nicht vollständig angegeben. Nach Ansicht der Jury hat er unter anderem eine Immobilie in seiner Geburtsstadt Leimen (Baden-Württemberg) verschleiert und unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen.

Boris Becker und seine Schulden

2017 war Boris Becker von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Auslöser war, dass er einen Kredit bei einer englischen Privatbank nicht mehr bedienen konnte, den er einige Jahre zuvor aufgenommen hatte – mit einem Zinssatz von 25 Prozent. Die Schulden von Boris Becker wurden damals auf bis zu 50 Millionen Pfund (59 Millionen Euro) geschätzt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll er im anschließenden Insolvenzverfahren nicht ausreichend kooperiert haben. Demnach muss Becker noch bis zum Jahr 2031 etwa die Hälfte seines monatlichen Verdienstes an den Insolvenzverwalter abgeben.