Das Bundeskabinett hat die stärkste Rentenerhöhung seit Jahrzehnten beschlossen. Eine solche Erhöhung der Rente gab es im Osten seit fast 30 und im Westen seit fast 40 Jahren nicht mehr. Die Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich auf ein deutliches Plus bei ihren Altersbezügen einstellen. Im Bundeskabinett wurden an diesem Mittwoch, 13. April 2022, die Weichen für die Ausgestaltung der Rentenanpassung und für eine Reform der Erwerbsminderungsrente gestellt.
  • Wann kommt die Rentenerhöhung 2022?
  • Was ist für die Erwerbsminderungsrenten geplant?
  • Ost und West: Von wie viel Prozent ist aktuell die Rede?

Rentenerhöhung 2022: Wieviel Prozent mehr Rente gibt es?

Trotz der Corona-Pandemie erreicht die Steigerung der Renten in diesem Sommer einen Rekord. „Es sind die größten Rentenerhöhungen seit ungefähr 30 Jahren“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in Berlin. Bereits bekannt war bisher, dass die Regierung den Einsatz für die Rentengarantie mit der Wiedereinsetzung des Nachholfaktors wieder ausgleichen will - ohne diesen Schritt würde die Rentenerhöhung in diesem Sommer noch höher ausfallen.
  • In Westen steigen die Renten nach einer Nullrunde im vergangenen Jahr um 5,35 Prozent
  • im Osten nach einer nur geringen Erhöhung 2021 nun um 6,12 Prozent

Rentenerhöhung in Ost und West

Die Rentenerhöhung fallen im Osten wegen der gesetzlich verankerten Anpassung an das Westniveau stets etwas höher aus als im Westen. Doch wie viel macht die Rentenerhöhung in absoluten Zahlen in Ost- und Westdeutschland eigentlich aus?
Hier eine Beispielrechnung: Infolge der Erhöhung steigt zum 1. Juli eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, um gut 53,50 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 61,20 Euro.
Im Osten ist es der stärkste Anstieg seit 1994, im Westen gab es seit 1983 keine solche Erhöhung mehr. Dass die Renten im Osten stärker steigen als im Westen liegt an der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst, bis er gleich hoch ist.
Ampel-Pläne für die Alterssicherung Der Traum von der ertragreichen Aktienrente

Berlin

Rentenerhöhung 2022: Ab welchem Monat gibt es mehr Rente?

Die Renten werden jedes Jahr zum 1. Juli abhängig von der Lohnentwicklung angepasst. Tatsächlich gab es 2021 eine Nullrunde im Westen und eine leichte Erhöhung in Ostdeutschland. Grundsätzlich folgt die Rentenanpassung der Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland. Zudem soll der sogenannte Nachholfaktor wieder in Kraft gesetzt werden, der sich dämpfend auf Rentenerhöhungen auswirkt.

Wer bekommt Rentenerhöhung in Deutschland?

Die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich auf ein deutliches Plus bei ihren Altersbezügen im Juli einstellen. Im Normalfall profitiert jeder, der gesetzliche Rente empfängt.
Bei sinkenden Löhnen wird durch die geltende Rentengarantie verhindert, dass die Renten ebenfalls sinken. Im schlimmsten Fall kommt es zu Nullrunden. Der Nachholfaktor soll bei wieder steigenden Löhnen diese verhinderte Rentenkürzung rechnerisch ausgleichen, Rentenanstiege fallen damit geringer aus. Die große Koalition hatte den Nachholfaktor ausgesetzt, nun wird er wieder in Kraft gesetzt.

Rentenerhöhung und Erwerbsminderung

Der Gesetzentwurf von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) sieht außerdem Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente vor. Etwa drei Millionen Menschen sollen langfristig mehr Geld bekommen. Ab 1. Juli 2024 sind Zuschläge von bis zu 7,5 Prozent geplant. Verbessert werden soll hier insbesondere die finanzielle Situation derer, die schon vor langer Zeit krankheitsbedingt arbeitsunfähig wurden oder nur noch eingeschränkt arbeiten konnten.
Zudem soll der sogenannte Nachholfaktor wieder in Kraft gesetzt werden, der sich dämpfend auf Rentenerhöhungen auswirkt.

Kritik am Nachholfaktor bei der Rentenerhöhung

Kritik kam von den Gewerkschaften. „Den Nachholfaktor anzuwenden bleibt ein schwerer handwerklicher Fehler der Bundesregierung: Damit koppelt sie die Renten dauerhaft von der Entwicklung der Löhne ab. Für heutige wie künftige Generationen bedeutet das real eine Rentenkürzung“, sagte Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Die Linke forderte auch höhere Steuerfreibeträge für Ruheständler. Die geplante Anhebung sei wegen steigender Preise für Lebensmittel, Mieten und Energie das Mindeste, sagte Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow. „Die Bundesregierung muss aber auch dafür sorgen, dass das Rentenplus im Portemonnaie ankommt und nicht von der Steuer aufgefressen wird.“