• An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) droht der Damm zu brechen
  • Evakuierung: Ortsteile von Rheinbach an der Steinbachtalsperre werden nach dem Hochwasser evakuiert: Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim
  • Die Autobahn A61 zwischen Bliesheim und Meckenheim war am Donnerstag voll gesperrt
  • Gutachter schauen sich die Steinbachtalsperre am Freitag erneut an
Schwere Unwetter haben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen (NRW) für Hochwasser und Überschwemmungen gesorgt – es gibt viele Tote und Vermisste. Nun droht in Euskirchen die Steinbachtalsperre zu brechen. Der Damm wird aufgrund der gewaltigen Wassermassen durch die starken Regenfälle von der Polizei und dem Technischen Hilfswerk (THW) beobachtet.

Update zur Steinbachtalsperre: Heute kommen erneut Gutachter

Die Rettungskräfte setzen am Freitag die Suche nach Vermissten fort. Die Bundeswehr hat zur Unterstützung inzwischen rund 900 Soldaten in die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geschickt. Im heftig betroffenen Kreis Euskirchen in NRW soll ein Gutachter am Freitag erneut die Steinbachtalsperre unter die Lupe nehmen. Der Wasserstand war am Donnerstagabend durch Abpumpen zwar gesunken. Die Brauchwasser-Talsperre, deren Damm tiefe Furchen aufweist, war von einem Sachverständigen am Vortag als „sehr instabil“ eingestuft worden. Deswegen wurden aus Sicherheitsgründen mehrere Ortschaften evakuiert. Betroffen waren rund 4500 Einwohner.
Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unterstützt die betroffenen Regionen in Deutschland unter anderem mit Satellitenbildern. „Erste Satellitenbilder aus den vom Unwetter betroffenen Gebieten werden seit heute Morgen aufgenommen. Diese Bilder werden, sobald verfügbar, den Beteiligten im Krisenmanagement zur Verfügung gestellt“, sagte Vizepräsident Thomas Herzog dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). Das BBK kümmere sich zudem auch um die Koordinierung von Hilfen, beispielsweise von Helikoptern zur Rettung von Menschen oder Zapfstellen zur Abgabe von Trinkwasser.

Steinbachtalsperre in NRW: Damm in Euskirchen droht zu brechen

Wegen der Gefahr eines Dammbruchs waren am Donnerstag Ortsteile von Rheinbach evakuiert worden: Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim. Das teilte die Feuerwehr Rheinbach am Donnerstag mit. „Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, da nicht sicher ist, ob der Damm der Steinbachtalsperre gehalten werden kann“, hieß es in der Mitteilung. Die Talsperre sei von einem Sachverständigen als „sehr instabil“ eingestuft worden, sagte der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers (SPD), am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Von der Evakuierung seien 4500 Einwohner betroffen. Gerüchte, wonach die Talsperre bereits gebrochen sei, hatte der benachbarte Kreis Ahrweiler zuvor dementiert.
Bei der Evakuierung von Oberdrees und Niederdrees sollten auch Lastwagen der Bundeswehr eingesetzt werden. Wer nicht bei Familienangehörigen oder Bekannten unterkommen könne, finde eine Notunterkunft in der Stadthalle Rheinbach.

Polizei warnt vor Gefahrenzohne an der Steinbachtalsperre

Über Twitter hat sich die Poizei aus NWR zu Wort gemeldet. Sie bittet ausdrücklich darum, nicht in die Nähe des Damms an der Steinbachtalsperre zu fahren.

Hochwasser und Überschwemmungen in NRW: Lage aktuell noch immer angespannt

Die Lage in den Überschwemmungsgebieten in Nordrhein-Westfalen ist am Freitag angespannt geblieben. Dramatische Berichte kamen aus Erftstadt: In Erftstadt-Blessem sei eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt, teilte die Bezirksregierung Köln am Freitagmorgen mit. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser.
Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe. Menschen könnten derzeit nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden. Dazu erschwere ein Gasaustritt die Rettungsarbeiten. Mehrere Pflegeheime würden geräumt. Die Feuerwehr hatte am Donnerstagabend im Kreis Heinsberg drei schwer verletzte Menschen aus dem Fluss Wurm retten können, die dort zu ertrinken drohten.
Das NRW-Innenministerium sprach am späten Donnerstagabend von mindestens 30 Toten. Der Landrat von Euskirchen, Markus Ramers (SPD), sagte, er rechne mit weiteren Toten, die entdeckt würden, wenn das Wasser abgeflossen sei.

Hauseinstürze in Erftstadt-Blessem in NWR

Wie oben erwähnt ist in Erftstadt-Blessem eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser. Die aktuellen Entwicklungen in Erftstadt in diesem Artikel.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland waren am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag über die Ufer getreten. Mehr als 15.000 Feuerwehrleute und Katastrophenhelfer absolvierten bis Donnerstag landesweit über 22.000 Einsätze.
Rund 165.000 Menschen im Westen Deutschland waren nach Angaben des Energieversorgers Eon aufgrund des Unwetters am Donnerstagnachmittag ohne Strom. Besonders betroffen seien die Eifel, der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und Teile des Bergischen Landes, teilte das Unternehmen in Essen mit.

Hochwasser in der Eifel: Zahlreiche Tote und Vermisste nach Unwetter

In der Eifel sind nach Unwettern und starkem Regen mindestens sechs Häuser eingestürzt. Weitere Häuser in der Gemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler sollen einsturzgefährdet sein. Es gibt Tote und Vermisste. Weitere Infos im folgenden Artikel:

Unwetter in NRW und Rheinland-Pfalz – Hochwasser an Mosel, Saar, Rhein, Trier und Eifel

Nach einer Nacht am Mittwoch mit viel Regen, Hochwasser und Überschwemmungen ist die Lage weiterhin angespannt. An vielen Orten in der Eifel wie Schuld und Altenahr, aber auch in Trier sowie an Flüssen wie Rhein, Saar und Mosel ist die Lage bisweilen unübersichtlich – die Zahl der Toten und Vermissten steigt. Die Deutsche Presseagentur meldet (Stand 15.07. – 21 Uhr) mindestens 55 Todesopfer. Hier alle Infos zu den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen.

Schulen in RLP geschlossen: Hochwasser in Rheinland-Pfalz

Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen hat der Kreis Vulkaneifel den Katastrophenfall ausgerufen. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD) am Mittwochabend in Daun. Mehr dazu hier:

Hochwasser und Überschwemmung in Deutschland: Auch die Schweiz und Belgien sind betroffen

Ebenfalls mit Hochwasser zu kämpfen haben Nachbarländer Deutschlands. In der Schweiz stiegen Flusspegel nach starken Regenfällen stark an. Im Kanton Schaffhausen überschwemmten laut der Nachrichtenagentur Keystone-sda angeschwollene Bäche die Dörfer Schleitheim und Beggingen. Wassermassen flossen durch Straßen, in Keller, rissen Fahrzeuge mit und zerstörten kleinere Brücken. In Belgien wurden entlang der Maas vorbeugend Menschen aus einigen Gemeinden in Sicherheit gebracht, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete.