Als Treiber für diese Entwicklung gilt die Finanzkrise von 2008/2009. Seitdem suchen Investoren nach neuen Anlageformen. Vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hat dieser Trend seine Spuren hinterlassen.
Vor allem Ketten kaufen Land
Aber die Landesregierungen sind nicht ganz unschuldig an der Entwicklung. Anstatt Agrarstrukturgesetze zu verabschieden und klare Leitlinien für den Erwerb und die Nutzung von Agrarflächen zu formulieren, schieben einige Länder diese Entscheidung seit Jahren vor sich her.
Seit der Föderalismusreform von 2006 sind die Länder für das landwirtschaftliche Bodenrecht zuständig. Sie müssen das Grundstücksverkehrsgesetz des Bundes, das landwirtschaftliche Betriebe sichern soll, reformieren. Doch nur Baden-Württemberg hat sein eigenes Agrarstrukturverbesserungsgesetz verabschiedet.
In Ostdeutschland ist einzig Brandenburg derzeit aktiv dabei, ein solches Gesetz auf den Weg zu bringen. 2021 soll es verabschiedet werden. "Dann können wir auch intervenieren, wenn Flächenverkäufe an außerlandwirtschaftliche Investoren erfolgen oder Verpachtungen gegen bestimmte Grundprinzipien verstoßen", sagt Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne).
Das Gesetz soll ein Leitbild beinhalten, in dem ein starker Fokus auf Themen wie Tierhaltung und Ökologisierung der Landwirtschaft gelegt wird. Bis 15. Juni läuft der öffentliche Beteiligungsprozess. "Jeder, der sich berufen fühlt, Student, Wissenschaftler, Landwirt, kann sich dazu äußern", schreibt das Ministerium. Das brandenburgische Agrarstrukturgesetz könnte Vorbildcharakter für andere Länder haben, nicht nur in Ostdeutschland.
Während Brandenburg also Tempo macht, haben andere Bundesländer weniger Eile. "In der letzten Legislatur scheiterte bereits ein Gesetz zur Regulierung des Bodenmarktes", sagt Dorothea Frederking, Grüne-Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt und landwirtschaftliche Sprecherin ihrer Fraktion. Derzeit wird erneut heftig über ein Agrarstrukturgesetz gestritten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern verspricht Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) seit Jahren ein solches Gesetz. In keinem anderen ostdeutschen Bundesland wurde so viel Agrarland an branchenfremde Investoren verkauft.
Die Bodenverwertungs- und -verwaltung GmbH (BVVG) privatisiert seit 1992 das frühere volkseigene land- und forstwirtschaftliche Vermögen in Ostdeutschland. Aus ihren Zahlen geht hervor, dass von ursprünglich 331 750 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern noch 39 000 Hektar zum Verkauf übrig sind. In Brandenburg sind von 245 990 Hektar noch 33 900 auf dem Markt.
Vor allem Lebensmittelhändler wie Lidl oder Aldi, der Logistik-Riese Fiege, Stiftungen, aber auch Kommunen kauften immer mehr Fläche auf. Den Bauern blieb meistens das Nachsehen, weil sie die Summen nicht aufbringen können.
In Mecklenburg-Vorpommern wollen die Bauern nicht länger warten und haben sich nun selber geholfen und Genossenschaften gegründet. So entstand zum Beispiel die Biobodengenossenschaft. "Wenn man Mitglied bei der Biobodengenossenschaft wird, dann  auch, weil Verantwortung übernommen werden kann", schreibt Uwe Greff, Geschäftsführer der Genossenschaft. Mit den Einlagen der über 4600 Mitglieder hat der Verbund bereits mehrere Tausend Hektar Land aufgekauft. Es wird gezielt an Biobauern vermittelt.
Die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke), agrarpolitische Fraktionssprecherin, schlägt vor, den noch im Besitz des Bundes verbliebenen Boden im öffentlichen Eigentum zu halten und diese Flächen langfristig nur an Landwirte zu verpachten. Zudem könne Land aus dem Generationswechsel generiert werden. Viele Bauern wollen in den nächsten zehn Jahren ihren Hof altersbedingt abgeben.

Ausverkauf von Boden


Ackerfläche wird knapp und immer teurer. Nach Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind die Preise für Böden in den letzten 15 Jahren um 193 Prozent gestiegen.

Ende 2019 verfügte die BVVG in den ostdeutschen Bundesländern noch über insgesamt 109 000 Hektar – von ehemals 331 750 Hektar – landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 33 900 Hektar in Brandenburg, 39 000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern, 23 500 Hektar in Sachsen-Anhalt, 7 900 Hektar in Sachsen sowie 4 700 Hektar in Thüringen. nj