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Geldinstitute fürchten neue Kapitalflucht / Regierung will Kontrollen weiter lockern

EU-Rettungsschirm
Neue Sorgen um griechische Banken

Denkt über Ende der Kapitalverkehrskontrollen nach: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras.
Denkt über Ende der Kapitalverkehrskontrollen nach: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras. © Foto: dpa/Yorgos Karahalis
Gerd Höhler / 11.02.2019, 08:30 Uhr
Athen (MOZ) Dass es die griechischen Geschäftsbanken in ihrer heutigen Form überhaupt noch gibt, verdanken sie den vor dreieinhalb Jahren eingeführten Kapitalkontrollen.

Eine Aufhebung der Beschränkungen könnte die Geldinstitute in neue Schwierigkeiten bringen: Sie fürchten um ihre ohnehin knappen Einlagen.

Seit Griechenland Ende August 2018 den Euro-Rettungsschirm verließ, wird in Finanzkreisen über ein Ende der Kapitalkontrollen nachgedacht. Premierminister Alexis Tsipras könnte damit im beginnenden Wahlkampf punkten: Eine Aufhebung der Beschränkungen wäre ein weiteres Argument dafür, dass die Regierung Griechenland zurück zur Normalität geführt hat.

Das Thema Kapitalkontrollen beschäftigte am Freitag die CEOs der großen griechischen Banken bei einem Treffen mit Notenbankgouverneur Yannis Stournaras. Bei den Beratungen sollen die Bankenchefs eindringlich vor einer übereilten Aufhebung der Kontrollen gewarnt haben. Die Banker sorgen sich, dass bei einem Ende der Beschränkungen eine neue Kapitalflucht einsetzen könnte – wie im Frühjahr 2015.

Damals steuerten Premier Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis mit ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber den Gläubigern Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts. Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme plünderten die Griechen ihre Bankkonten. Binnen sechs Monaten schrumpften die Einlagen um ein Fünftel. Um das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren, führte die Regierung Kapitalkontrollen ein. Anfangs durften die Griechen pro Tag höchstens 60 Euro an den Geldautomaten abheben.

Die Kontrollen wurden inzwischen schrittweise gelockert. Seit dem vergangenen Oktober sind Abhebungen in unbegrenzter Höhe möglich. Überweisungen ins Ausland bleiben allerdings auf 2000 Euro monatlich für Privatkunden und 100.000 Euro für Firmen begrenzt. Höhere Transaktionen müssen in jedem Einzelfall genehmigt werden.

Bei den Banken gibt es die Sorge, dass viele Kunden ihre Guthaben ins Ausland transferieren, wenn diese Beschränkung fällt. Das könnte zu einer neuen Liquiditätskrise führen. Die Banken haben während der Krisenjahre fast die Hälfte ihrer Einlagen verloren. Nicht nur deshalb sind die Geldinstitute noch weit von einer Normalität entfernt.

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