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Pariser Wahrzeichen in Flammen
Feuer verwüstet Kathedrale Notre-Dame

dpa / 15.04.2019, 19:30 Uhr - Aktualisiert 15.04.2019, 23:43
Paris (dpa) Ein verheerendes Feuer hat die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame verwüstet. Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch. Die Feuerwehr äußerte sich am späten Abend aber zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört wird.

„Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Zuvor war die Feuerwehr zeitweise „nicht sicher“ gewesen, ob sie die Ausbreitung des Feuers aufhalten kann.

Der gesamte Dachstuhl stehe in Flammen, hatte zwischenzeitlich der Sprecher der Kathedrale, André Finot, der französischen Nachrichtenagentur AFP gesagt. Man müsse schauen, ob das Gewölbe der Kathedrale noch zu retten sei.

Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen. Über mögliche Verletzte war zunächst nichts bekannt. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Der Brand löste auch außerhalb Frankreichs tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus. Notre-Dame ist eine wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht.

Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete AFP unter Berufung auf die Feuerwehr weiter. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, erklärte ein Sprecher am Abend. 

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Pariser Kathedrale Notre-Dame in Flammen

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich betroffen und sagte eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache kurzfristig ab. „Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation“, teilte der Präsident auf Twitter mit. Wie alle Franzosen sei er an diesem Abend traurig, „diesen Teil von uns brennen zu sehen“. Nach Medienberichten traf der Präsident am Abend an der Kathedrale ein.

Der französische Premierminister Édouard Philippe schrieb auf Twitter: „Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich, aber wir kämpfen immer noch. An diesem Abend kämpfen die Feuerwehrleute heldenhaft gegen das Feuer.“ Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem „fürchterlichen Brand“.

Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité, die wegen des Brandes von den Sicherheitskräften abgeriegelt wurde, wie die Stadt Paris auf Twitter mitteilte. Es wurde eine Veranstaltungshalle geöffnet, um Anwohner aufzunehmen. Touristen machten auf den Brücken über den Fluss Seine Fotos von dem Feuer.

Macron hatte am Montagabend eigentlich im Fernsehen über die Ergebnisse einer monatelangen Bürgerdebatte sprechen wollte. Einen neuen Termin dafür teilte der Élyséepalast zunächst nicht mit. Der Präsident hatte die „Nationale Debatte“ im Januar als Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten“ gestartet - nun wollte er Zugeständnisse präsentieren.

Weltweit sorgte der Brand für Entsetzen. Der Vatikan reagierte bestürzt. „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen“, erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

„Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: „Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick.“

Die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: „Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.“ Die Unesco sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. „Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden.“ Es müssten rasch „strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden“.

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich bestürzt. Die Kathedrale sei einer der größten Schätze auf der Welt, großartiger als fast jedes Museum auf der Welt. „So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um es zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden!“ Die Reaktion der französischen Fachleute ließ nicht lange auf sich warten: Von einem Flugzeug Wasser auf ein solches Gebäude abzuwerfen, könne zum Einsturz des gesamten Gebäudes führen, schrieb der französische Zivilschutz auf Twitter.

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz - um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

Weltweit zeigen sich Politiker bestürzt über den Brand an der französischen Kathedrale Notre-Dame in Paris.

US-Präsident DONALD TRUMP: „So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um es zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden!“

STEFFEN SEIBERT, Sprecher der Bundesregierung: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

EU-Kommissionspräsident JEAN-CLAUDE JUNCKER: „Ich verfolge minütlich den Brand, der Notre-Dame in Paris gepackt hat. Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick. Ich teile die Gefühle der französischen Nation, die auch unsere sind.“

EU-Ratspräsident DONALD TUSK: „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa. Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.“

Österreichs Präsident ALEXANDER VAN DER BELLEN: „Schreckliche, verstörende Bilder aus Paris: Die großartige Kathedrale Notre-Dame brennt. Wir sind heute in Gedanken in Paris.“

Österreichs Bundeskanzler SEBASTIAN KURZ: „Schockierende Bilder aus Paris. Ein Wahrzeichen, Weltkulturerbe und eines der schönsten Bauwerke der französischen Geschichte. Notre-Dame steht in Flammen. Wir hoffen, dass kein Mensch verletzt ist. Unsere Gedanken sind in Paris.“

Italiens Ministerpräsident GIUSEPPE CONTE: „Ein Stich ins Herz für die Franzosen und für uns Europäer.“

SADIQ KHAN, Bürgermeister von London: „Herzzerreißende Szenen der Notre-Dame-Kathedrale in Flammen. London steht heute im Schmerz an der Seite von Paris, in ewiger Freundschaft.“

Das Feuer löste auch außerhalb Frankreichs Entsetzen aus.
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Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen

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