Das ohnehin schon hohe Tempo bei Entwicklung und Bereitstellung von Corona-Impfstoffen nimmt weiter zu. Nachdem vor wenigen Tagen der Leiter des Gesundheitsamtes Märkisch-Oderland Einblick in detaillierte Pläne für die Verteilung von hunderttausenden Impfdosen noch im Dezember dieses Jahres gewährte, hat jetzt das Bundesgesundheitsministerium seine Aussagen zum Zeitplan präzisiert.
Zuletzt hieß es, dass erste Corona-Impfstoffe möglicherweise zwischen Dezember und März 2021 bereitstehen könnten. Am Freitag nun sagte Hanno Kautz, Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn, dieser Zeitung: „Wenn die dafür notwendigen Studien erfolgreich sind, können erste Impfstoffe um die Jahreswende zugelassen werden.“

Spanien erwartet 1,5 Millionen Impfdosen bis Dezember

Die spanische Regierung hatte in dieser Woche erklärt, dass das Land bis Dezember mit den ersten 1,5 Millionen Impfdosen von dem Hersteller AstraZeneca rechne. Die bei der Impfstoffentwicklung gut im Rennen liegenden Firmen haben bereits mit der Impfstoffproduktion begonnen, um nach dem Abschluss der letzten Studien und der anschließenden Zulassung keine Zeit zu verlieren. So könnte das Impfen unmittelbar nach Zulassung der Impfstoffe beginnen.
Die Europäische Union hatte sich in einem Rahmenvertrag mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca 300 Millionen Dosen eines möglichen Impfstoffs gegen das Coronavirus gesichert. Laut EU-Kommission enthält der Vertrag eine Option auf 100 Millionen weitere Impfungen. Mit anderen Herstellern gibt es ähnlich Verträge.

440.000 Impfdosen für 220.000 Berliner

Der Leiter des Gesundheitsamtes von Märkisch-Oderland, Steffen Hampel, berichtete am Dienstag, dass allein für die Bundeshauptstadt bis zum Jahresende 440.000 Impfdosen von zwei Firmen zur Verfügung stehen sollen. Dies habe er von Berliner Kollegen nach einer amtsärztlichen Dienstberatung erfahren. Demnach seien diese 440.000 Impfdosen für 220.000 Menschen gedacht. „Sie werden im Abstand von drei bis vier Wochen zweimal geimpft“, sagte Hampel im Gesundheitsausschuss des Landkreises Märkisch-Oderland. Zu den ersten Empfängern werde medizinisches Personal gehören.

Spahn kündigt Impfungen in Messehallen an

Brandenburger Regierungskreise bestätigten auf Nachfrage die Richtigkeit von Hampels Aussagen, lehnten jedoch eine offizielle Stellungnahme ab und verwiesen an das Bundesgesundheitsministerium. Dort will man die Ausführungen nicht kommentieren. Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit hält sich ebenfalls bedeckt. „Wir äußern uns nicht dazu“, sagte Sprecher Moritz Quiske.
Bundesgesundheitsminister Spahn hatte in dieser Woche mit Blick auf die schnell näher rückenden Impfmöglichkeiten erklärt, dass Beschäftigte des Gesundheitswesens, Ältere und Kranke als Erste zentral in Messehallen gegen eine Corona-Infektion geimpft werden könnten. Der CDU-Politiker sagte, dass man wohl in Impfzentren starten müsse. „Das sind aus meiner Sicht eher keine Turnhallen, sondern eher Messehallen“, sagte Spahn. „Da sind wir jetzt in der Diskussion auch mit den Ländern.“

Der Impfstoff wird bei extremen Minusgraden gelagert

Als einen Grund für Impfzentren nannte Spahn die Beschaffenheit der erwarteten Stoffe. Sie würden bei Temperaturen zwischen minus 20 und minus 70 Grad gelagert. Das sei eine logistische Herausforderung. Notwendig seien spezielle Laborkühlschränke. Eine Impfpflicht lehnte Spahn erneut ab. „Nein, es wird ein Impfangebot.“