Die Bewerbungsfrist läuft schon seit Tagen, dennoch blieb es bislang überraschend ruhig in der CDU. Noch immer hat es keine offizielle Bewerbung um den Parteivorsitz gegeben, wenngleich hinter den Kulissen jede Menge Gespräche laufen. Jetzt aber kommt auch öffentlich Bewegung in die Angelegenheit: Mit Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich der erste mögliche Kandidat aus dem Rennen genommen. Zugleich wird über eine ganz neue Personalie geredet: den bisherigen Kanzleramtschef Helge Braun.
Spahn war 2018 als Bewerber für den Parteivorsitz angetreten und hatte ein gutes Jahr später zusammen mit dem am Ende erfolgreichen Armin Laschet ein Team gebildet. Auch diesmal galt der 41-Jährige als möglicher Kandidat – bis Mittwoch. Da kündigte er in der Unionsfraktion an, nicht in den parteiinternen Wahlkampf zu gehen. „Ich bin im Team Union“, sagte Spahn nach Angaben von Teilnehmern und fügte hinzu, jetzt sei die Zeit für einen Neuanfang, „nicht für ehemalige Regierungsmitglieder“.
Das wiederum kann durchaus als Seitenhieb auf den Neuen im Kreis der potenziellen Kandidaten gewertet werden. Der Hesse Braun nämlich saß ebenfalls am Kabinettstisch der GroKo und gilt darüber hinaus als enger Vertrauter der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel.
Im Team von Anwärter Friedrich Merz, der es zum dritten Mal in Folge versuchen will, wird die mögliche Bewerbung des gelernten Intensivmediziners Braun vor allem als Merz-Verhinderungs-Aktion gesehen. Die „Bild“-Zeitung zitierte einen nicht namentlich genannten CDU-Abgeordneten mit den Worten: „Das Letzte, was die CDU jetzt braucht, ist ein Narkosearzt.“
Zugleich ist die Braun-Personalie ein Zeichen für die eher kritische Bewertung der Erfolgsaussichten von Norbert Röttgen. Der Außenpolitiker, der gegen Laschet zu Beginn des Jahres einen Achtungserfolg errungen hatte, gilt ebenfalls als Kandidat – und im Gegensatz zum eher konservativen Merz als Vertreter des liberalen Lagers. Seine Bewerbung erlitt allerdings einen Rückschlag, als ihm vor wenigen Tagen seine bisherige politische Partnerin Ellen Demuth absagte. Merz wiederum ist dem Vernehmen nach derzeit intensiv damit befasst, ein breites Team für verschiedene Posten aufzustellen – inklusive Frauen. Dass nämlich zunächst nur katholische Männer aus Nordrhein-Westfalen im Gespräch waren, hatte in der CDU einigen Unmut ausgelöst.
Merz, der sowohl 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer als auch Anfang des Jahres gegen Laschet nur knapp verloren hatte, rechnet sich gute Chancen aus. In Umfragen liegt er vorn. Entschieden werden soll über den Parteivorsitz diesmal per Befragung der rund 400 000 CDU-Mitglieder. Die Nominierungsfrist endet am kommenden Mittwoch. Es ist also davon auszugehen, dass aus den vertraulichen Abwägungen und Absprachen in den nächsten Tagen öffentliche Ankündigungen werden.