Die Landwirte haben für das Erntejahr 2020 noch Hoffnung. Es sei noch zu früh, "bereits jetzt von einem Hitzesommer für die Landwirtschaft zu sprechen," sagt Bernhard Krüsken, Generalsekretär beim Deutschen Bauernverbandes (DBV). Wichtig seien die kommenden Wochen. In Deutschland wird etwa die Hälfte der ackerbaulich genutzten Fläche mit Getreide angebaut. Deshalb sei es entscheidend, ob es im Mai genug Regen geben werde. Zudem seien gemäßigte Temperaturen erforderlich.
Anders sieht es bei Forstbetrieben aus. "Die Waldeigentümer befürchten ein drittes Dürrejahr", sagt Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW). Die Schäden aus den beiden Vorjahren seien teilweise noch nicht beräumt, viele Kahlflächen konnten noch nicht wiederbewaldet werden. Zudem begünstige die Trockenheit derzeit das Ausschwärmen der Borkenkäfer. "Das sind bedrohliche Vorboten", so von der Marwitz.
Landwirte und Forstbetriebe müssten sehr viel schneller als das bisher der Fall sei, auf die veränderten Klimabedingungen reagieren, fordern Experten wie Ralf Bloch, Agraringenieur und Mitglied der Arbeitsgruppe Ressourceneffiziente Anbausysteme am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. Landwirte hätten zum Teil zwar bereits begonnen, sich auf das höhere Risiko der Trockenheit einzustellen. Zum Beispiel wurde die Aussaat-Stärke für Mais in bestimmten Gebieten stark verringert, um den Wasserkonsum zu steuern. Und das Interesse der Landwirte an neuen Anbausystemen wachse, aber dieser Prozess sei erst am Anfang.
In Spanien und in den Niederlanden werden Obst und Gemüse in Gewächshäusern oder unter Plastikfolien gezogen. Diese Methoden machen die Produzenten unabhängiger von externen Einflüssen, stoßen beim Bauernverband aber auf wenig Gegenliebe. Die Unterglasfläche liege in Deutschland aktuell bei nur 1300 Hektar, schreibt der DBV. Dies sei durch die hohen Energiekosten bedingt. Im geschützten Anbau, also unter Folientunnel, kommen noch etwa 4500 Hektar dazu, vor allem Erdbeeren.
Was Landwirten und Waldbesitzern große Sorge bereitet, ist der Grundwasserspiegel. Seit 2018 ist er vor allem im Westen, Südosten und Ostdeutschland derart gesunken, dass manche Gemeinden die Bürger vor zu hohem Wasserverbrauch gewarnt haben. Aktuell sind die Böden besonders in Teilen von Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Baden-Württemberg schon wieder zu trocken. Das zeigt der Dürremonitor des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig. Herausgeber Andreas Marx schreibt: "Wir unterscheiden die Trockenheit im Oberboden (bis 25 Zentimeter) und im Gesamtboden (bis 1,80 Meter Tiefe)." Der Oberboden sei ein guter Indikator dafür, was in der Landwirtschaft passiere. Während der Gesamtboden verantwortlich dafür sei, was im Grundwasser und im Wald geschehe.
Der Oberboden sei im Vergleich mit den Jahren 1951 bis 2015 relativ trocken, aber in weiten Teilen Deutschlands sei noch genügend Pflanzenwasser verfügbar. "Beim Gesamtboden sieht das anders aus", schreibt Marx. In den unteren Bodenregionen gebe es mit wenigen Unterbrechungen seit Mitte 2018 eine permanente Dürre. Weshalb dieses Jahr wahrscheinlich das dritte in Folge sein werde, in dem Bäume Trockenstress ausgesetzt sein werden.
Die Politik will handeln. "Dass es dem Wald in Deutschland schlecht geht, ist gerade nach den trockenen Sommern der letzten Jahre bekannt", sagt Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin in einem Video-Podcast. Ihr Ministerium stelle Waldbesitzern Hilfen zur Verfügung. Förderdarlehen würden "über die Landwirtschaftliche Rentenbank und die Hausbanken angeboten." Der Bund übernehme 90 Prozent der Sicherheiten, so Klöckner. Die Waldbesitzer müssten "dieses Jahr noch Millionen Bäume pflanzen", so die CDU-Politikerin.

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Liter pro Quadratmeter Regen ist in vielen Regionen Deutschlands im April nur gefallen, normal wären 50 Liter. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums zeigt, dass der Gesamtboden bis zu einer Tiefe von 1,80 Metern in mehreren Gebieten Deutschlands bereits jetzt die Stufe dunkelrot erreicht hat,  – die höchste von den insgesamt  fünf Stufen. Auch anderswo drohen in diesem Jahr wieder Dürreschäden.