• Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Leipziger Hotel Westin bemühen sich Polizei und Staatsanwaltschaft um Aufklärung
  • Sänger Gil Ofarim hatte berichtet, wegen seines Davidsterns verbal angegriffen worden zu sein
  • Jetzt äußert sich auch der Hotelchef zu den Vorwürfen
Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Mitarbeiter eines Leipziger Hotels wollen die Staatsanwaltschaft und das „Westin“ selbst herausfinden, was genau vorgefallen ist. Das Hotel habe begonnen, alle Gäste, die Zeugen des Vorfalls um den Sänger Gil Ofarim gewesen sein könnten, zu befragen, sagte Hotelmanager Andreas Hachmeister der „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstag). „Wir haben aber inzwischen auch alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen und etwas von dem Vorfall mitbekommen haben müssten.“ Eine Bestätigung für das Vorgehen gab es auf dpa-Anfrage am Donnerstag zunächst nicht.

Leipziger Hotel Westin und Staatsanwaltschaft suchen Zeugen

In den nächsten Tagen wolle Hachmeister die Ergebnisse öffentlich machen, sagte er der LVZ. Ein Gast habe sich von sich aus an die Hotelleitung gewandt. „Er hat uns gesagt, es stimme alles nicht, was in dem Video zu hören ist“, sagte der Geschäftsführer.
Er versprach in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit den Sendern RTL und ntv, dass das Hotel auch einer Zusammenarbeit mit Ofarims Management, der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie anderen beteiligten Partnern wie dem Zentralrat der Juden offen gegenüberstehe. „Wir werden unverzüglich für die Aufklärung sorgen.“
Gil Ofarim hatte in einem Video geschildert, dass ihn ein Hotelmitarbeiter am Montagabend aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter erstattete laut Polizei seinerseits Anzeige wegen Verleumdung. Er schilderte den Vorfall deutlich anders als der Künstler. Ofarim ist der Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937-2018) und in Deutschland aufgewachsen.

Gil Ofarim – Noch keine Anzeige

Auch die Staatsanwaltschaft Leipzig versucht, Zeugen des Geschehens in der Hotellobby ausfindig zu machen und zu befragen. „Bislang liegen uns keine Angaben von unbeteiligten Dritten dazu vor“, sagte Sprecher Ricardo Schulz am Donnerstag. Die Ermittlungen würden sicher noch eine ganze Zeit in Anspruch nehmen. Eine Anzeige von Gil Ofarim sei bislang nicht eingegangen. Sein Management teilte mit, dass die Anwälte des Musikers ihm zu einer Anzeige geraten hätten.
Unterdessen gibt es inzwischen weitere Vorwürfe gegen das Hotel. Die Sängerin Patricia Kelly schrieb am Mittwoch auf ihrer Instagram-Seite, dass ihr Manager dort Ähnliches erlebt habe. Details nannte sie nicht, das gesamte Team habe das Hotel sofort verlassen.
Ein Davidstern ist auf dem Dach der Synagoge in Halle/Saale zu sehen.
Ein Davidstern ist auf dem Dach der Synagoge in Halle/Saale zu sehen.
© Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Was bedeutet der Davidstern?

Der Davidstern wird heute allgemein mit dem Judentum assoziiert. Dabei ist er ursprünglich kein jüdisches Symbol. Der sechszackige Stern aus zwei gleichseitigen ineinander verwobenen Dreiecken heißt auf hebräisch „Magen David“, was soviel wie „Schild Davids“ bedeutet.
Das Hexagramm galt ursprünglich als universales religiöses Zeichen. Es ist aber auch unter Freimaurern, Alchimisten und Braumeistern ein gängiges Symbol. Der Braustern ist beispielsweise häufig an Brauereien ohne jegliche religiöse Bedeutung zu sehen.
Das Symbol findet sich vereinzelt schon in der Antike an Synagogen, etwa an der Synagoge von Kapernaum am See Genezareth. Zudem taucht er auf religiösen Gegenständen der Spätantike auf. Doch erst im Mittelalter setzte sich das Zeichen zunehmend auch in europäischen jüdischen Gemeinden durch und wurde neben dem siebenarmigen Leuchter, der Menora, zum gängigen Symbol des Judentums.
Auch die jüdische Nationalbewegung entdeckte den Davidstern für sich. So gilt er seit dem 19. Jahrhundert auch als Merkmal der Zionisten, die das Ziel verfolgten, einen jüdischen Staat zu gründen. Seit der Staatsgründung Israels 1948 ziert der Stern die israelische Flagge. Als Anhänger von Halsketten ist er ebenso beliebt.
Die Nationalsozialisten missbrauchten das Symbol als Stigma. Während des Nationalsozialismus waren Jüdinnen und Juden seit 1940 gezwungen, einen gelben Stofffetzen mit dem Davidstern und der Aufschrift Jude zu tragen. Damit wurden sie nach der nationalsozialistischen Rassenlehre als Angehörige der „feindlichen Rasse“ gekennzeichnet.
David ist nicht nur im Judentum, sondern auch im Christentum eine zentrale Gestalt. Sein Name bedeutet so viel wie „Liebling“ oder „Geliebter“. Er gilt als idealer Herrscher. David schuf als König ein israelitisches Großreich und machte Jerusalem zum religiösen Zentrum der Juden. Besonders bekannt ist die Erzählung aus dem Alten Testament, wie David den Riesen Goliath mithilfe einer Steinschleuder besiegt. David ist nach biblischer Überlieferung zudem Musiker und Poet.
Jesus Christus, den die Christen als Messias verehren, stammt nach der Bibel von David und seinen Nachfahren ab. Er trägt den Titel Davidssohn.