„Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus: Wir sehen immer wieder die gleichen Fehler, auch solche, die nie passieren dürften“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Kassen, Stefan Gronemeyer, am Dienstag in Berlin. Er präsentierte dort die Behandlungsfehlerstatistik 2017.
Ergebnis: In 3337 Fällen (2016: 3564) wies man Fehler nach, die einen Schaden für den Patienten bedeuteten. Insgesamt wurden 13.519 Gutachten für Patienten erstellt, die den Verdacht auf einen Behandlungsfehler hatten. Die Anzahl der Gutachten war damit erstmals seit vier Jahren niedriger als im Vorjahr.
Nach Ansicht des Medizinischen Dienstes muss man jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Schätzungen gingen von mehr als 100.000 Fällen pro Jahr aus. Deshalb sollten Behandlungsfehler systematisch erfasst und analysiert werden, wie dies zum Beispiel in den Niederlanden, den USA und in England Standard sei, um gezielter Fehler vermeiden zu können. So würden ja seit Jahrzehnten in Deutschland die Arbeitsunfälle verpflichtend erfasst und ausgewertet.
„Seit 1996 hat sich die Unfallquote fast halbiert.“Zumeist richteten sich Vorwürfe gegen orthopädische oder unfallchirurgische Maßnahmen, auf Vorfälle in der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin. Bestätigt wurden Fehler dagegen am häufigsten in der Pflege, der Zahnmedizin und der Frauenheilkunde.
Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, Behandlungsfehler müssten in einem Zentralregister erfasst werden. „Es muss Schluss damit sein, dass Krankenkassen, Ärztekammern und Gerichte Fehler nebeneinander her sammeln“, forderte Vorstand Eugen Brysch.
Bereits im April hatte die Bundesärztekammer eigene Zahlen zu Behandlungsfehlern vorgelegt. Hier war von 1783 Fällen (Vorjahr: 1845) die Rede, die zu einem Gesundheitsschaden bei Patienten geführt hätten.