Eine Gesetzesänderung könne nicht verhindern, dass es auch künftig zu Auseinandersetzungen über die Höhe der Zahlungen kommen werde, sagt der stellvertretende Richterbund-Vorsitzende Joachim Lüblinghoff dieser Zeitung. "Wenn die Eltern vorhaben, sich zu streiten, dann werden sie dies auch weiterhin tun."
Beim Deutschen Anwaltverein geht man zwar ebenfalls nicht davon aus, dass nach einer Gesetzesänderung die Zahl der Streitfälle vor Gericht deutlich sinken wird. Dennoch sei die Reform wichtig, weil sie zu mehr Gerechtigkeit führe, betont Familienrechtsexpertin Eva Becker. Sie favorisiert ein Drei-Stufen-Modell: Bei Stufe eins übernimmt ein Erziehungsberechtigter den Großteil der Betreuung, bei Stufe zwei engagiert sich der zweite Elternteil zu mehr als einem Drittel, bei Stufe drei kümmern sich beide Eltern je zur Hälfte um die Kinder. Gerade "Vätern, die nicht nur Wochenendpapa sein wollen, aber auch kein Wechselmodell anstreben", brächte das Stufensystem Vorteile, sagt Becker. Denn sie müssten dann deutlich weniger Unterhalt zahlen.
Männerverbände begrüßen die geplante Reform. "Wir finden es gut, dass in die Diskussion Bewegung kommt, denn viele getrennt lebende Väter wollen mehr Betreuung ihrer Kinder übernehmen oder tun dies bereits", sagt Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforums Männer, in dem sich verschiedene Initiativen zusammengeschlossen haben. Beim Unterhaltsrecht komme es nun auf die konkreten Umsetzungsvorschläge der Bundesregierung an. Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin der Grünen, befürchtet dagegen, dass durch die geplante Gesetzesänderung viele Mütter schlechter gestellt würden. "Frau Giffeys Vorschlag führt zu einer Kürzung des Unterhalts und damit zu Kinderarmut", sagt sie. Wichtiger als eine Besserstellung von Vätern sei ohnehin, "sich darum zu kümmern, dass die Väter, die können, auch tatsächlich Unterhalt für ihre Kinder zahlen". Da geschehe zu wenig. In Brandenburg sprang der Staat im vergangenen Jahr in rund 34 000 Fällen mit Unterhaltszahlungen ein – auch deshalb, weil Väter ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen waren.
Während Unionsfraktions-Vize Thorsten Frei Giffeys Pläne für einen Schritt "in die richtige Richtung" hält, fordert die stellvertretende FDP-Fraktionschefin Katja Suding darüber hinaus Änderungen am Steuerrecht, um getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern das Leben zu erleichtern.
Auch Lüblinghoff vom Richterbund sieht bei den Steuern dringenden Handlungsbedarf. "Mir war nie richtig klar, warum Eltern, sobald sie sich trennen, steuerlich schlechter gestellt werden als vorher", sagt der Familienrichter am Oberlandesgericht Hamm. Es sei doch klar, dass im Fall einer Trennung die Kosten steigen: "für die Wohnungen und für alles, was das Kind in einer solchen neuen Situation braucht". Für Väter und Mütter, die nicht mehr zusammenleben, solle steuerlich "zumindest die Situation beibehalten werden, wie sie vor der Trennung war".