• Am Sonntag, 06.06.2021, wurde in Sachsen-Anhalt gewählt
  • Die Landtagswahl galt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl im Herbst
  • Ergebnisse, Hochrechnungen, Umfragen - Alle Infos zur Wahl des Landtags in Magdeburg hier.
  • Insgesamt 449 Kandidatinnen und Kandidaten von 22 Parteien stellten sich zur Wahl, verteilt in 41 Wahlkreisen.
Aktuell regiert in Sachsen-Anhalt ist die Regierung eine sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Eine Fortsetzung wäre den Umfragen zufolge möglich. Denkbar sind aber auch ein schwarz-rot-gelbes oder schwarz-grün-gelbes Bündnis. Der seit 2011 amtierende Ministerpräsident Haseloff strebt eine dritte Amtszeit an.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Hochrechnung, Stand 7. Juni, 3.30 Uhr

Vorläufiges amtliches Endergebnis in Prozent (Wahlbeteiligung 60,3 Prozent):

  • CDU (37,1 Prozent)
  • AfD (20,8)
  • Die Linke (11,0)
  • SPD (8,4)
  • Grüne (5,9)
  • FDP (6,4)
  • Freie Wähler (3,1)
  • Sonstige (7,31)

Sitzverteilung im Magdeburger Landtag (97 Sitze; Mehrheit: 49 Sitze):

  • CDU: 40
  • AfD: 23
  • Linke: 12
  • SPD: 9
  • FDP: 7
  • Grüne: 6

Wahlsieger Haseloff hat vermutlich drei Regierungs-Optionen

Der 67 Jahre alte Haseloff hatte vorab noch nicht erkennen lassen, mit wem er regieren will; nur eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken hat er kategorisch ausgeschlossen. In der 2016 aus der Not geborenen Kenia-Koalition hatte es vor allem zwischen CDU und Grünen immer wieder Konflikte gegeben. Der Erfolg der CDU und die Rückkehr der FDP in den Landtag könnten nun neue Möglichkeiten eröffnen.
Das Ergebnis dürfte auch die Union im Bund beflügeln. Die Landtagswahl galt als letzter großer Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September. Und es ist die erste seit Ausrufung von CDU-Chef Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten. Haseloff hatte lange Zeit keinen Hehl daraus gemacht, dass er CSU-Chef Markus Söder für den besseren Kanzlerkandidaten gehalten hätte.

Die Koalitionsoptionen für den Wahlsieger CDU:

  • CDU, SPD, Grüne (Kenia-Koalition)
  • CDU, SPD, FDP (Deutschland-Koalition)
  • CDU, Grüne, FDP (Jamaika-Koalition)

Kenia-Koalition: SPD und Grüne zu Gesprächen mit der CDU bereit

Die bisherigen Juniorpartner in der CDU-geführten Koalition in Sachsen-Anhalt sind nach der Landtagswahl zu Gesprächen über eine Fortsetzung der gemeinsamen Regierung bereit. „Für Gespräche unter Demokraten stehen wir zur Verfügung“, sagte SPD-Spitzenkandidatin Katja Pähle am Sonntagabend in der ARD. Das Ergebnis wertete sie als klaren Wahlerfolg für Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU): Nun sei es an ihm, zu Gesprächen über die Regierungsbildung einzuladen, sagte Pähle.
Die Grünen äußerten sich ähnlich. „Wir sind zu Gesprächen bereit“, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner in Magdeburg. Vom Abschneiden seiner Partei zeigte er sich enttäuscht. „Ich hätte mir größere Zuwächse gewünscht“, sagte Kellner.
Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt habe sich ein Trend gezeigt, der bereits in den vorangegangenen Landtagswahlen zu beobachten gewesen sei: „Viele Menschen sammeln sich hinter der Partei des Ministerpräsidenten, weil sie nicht wollen, dass die AfD starken Einfluss hat“, sagte Kellner.

AfD-Bundesvorsitzender Chrupalla „sehr zufrieden“ – Bartsch: Ergebnis ist „zweifelsfrei eine Niederlage“

Die AfD hat sich „sehr zufrieden“ über das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geäußert. Der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sprach am Sonntag in der ARD von einem „sehr guten Ergebnis“. An die Adresse der Union sagte er: „Wir können hier durchaus eine bürgerlich-konservative Regierung bilden.“ Die AfD lag nach den Prognosen von 18.00 Uhr erneut auf Platz zwei, aber etwas schwächer als bei der letzten Wahl 2016.
Der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, zeigte sich vom abermaligen Einbruch seiner Partei hingegen enttäuscht. „Das ist zweifelsfrei eine Niederlage.“ Bartsch bezeichnete die Verluste als „pandemiebedingt“. Zudem habe es eine „wahnsinnige Polarisierung“ zwischen CDU und AfD gegeben.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Haseloff wählt in Wittenberg

Ministerpräsident Reiner Haseloff trat in Wittenberg an die Wahlurne. Der CDU-Politiker und Spitzenkandidat der Union im Land wurde in seiner Heimatstadt von seiner Frau Gabriele begleitet. Er habe alles getan, was notwendig und machbar gewesen sei, um die Menschen zu überzeugen, sagte der Christdemokrat. Dieser Sonntag sei der Tag der Wähler. Mit einem ersten Stand zur landesweiten Beteiligung wird laut Landeswahlleitung ab Mittag gerechnet.
Der Ausgang der Landtagswahl wird bundesweit mit Spannung erwartet. Nach den jüngsten Umfragen könnte es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und der AfD kommen. Es ist die letzte Landtagswahl vor der Bundestagswahl im September. Die Stimmabgabe des Ministerpräsidenten und auch anderer Spitzenkandidaten von Parteien wie der AfD wurden begleitet von einem großen Medieninteresse.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Kirchner und die AfD wollen stärkste Partei werden

In den landesweit mehr als 2000 Wahllokalen galten die Corona-Regeln mit Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht. Angesichts der Pandemie wird von einem hohen Anteil an Briefwählern ausgegangen. Mancherorts bildeten sich vor den Wahllokalen aber auch Schlangen. In Sachsen-Anhalt regieren seit 2016 die CDU, die SPD und die Grünen zusammen als Deutschlands erste sogenannte Kenia-Koalition. Der CDU-Ministerpräsident Haseloff hat laut Umfragen gute Chancen auf eine dritte Amtszeit. Der Christdemokrat hatte im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit der AfD nach der Landtagswahl ausgeschlossen.
Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, sagte bei seiner Stimmabgabe in Magdeburg, er hoffe, dass die Partei am Sonntag stärkste Kraft werde. Er sei aber auch mit einem Ergebnis zufrieden, das sich zwischen 22 und 26 Prozent bewege, sagte Kirchner. „Ich würde mir wünschen, dass das hier auch ein richtungsweisendes Ergebnis für die Bundestagswahl wird.“
AfD-Kandidat Oliver Kirchner bei der Abgabe seiner Stimme in einem Wahllokal zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021.
AfD-Kandidat Oliver Kirchner bei der Abgabe seiner Stimme in einem Wahllokal zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021.
© Foto: DPA

Politologe zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD verdankt Stärke der „Orientierungslosigkeit“ der CDU

Die AfD in Sachsen-Anhalt verdankt ihre Stärke nach Ansicht des Politologen Wolfgang Schroeder der partiellen Integrationsschwäche und „Orientierungslosigkeit“ der CDU im Osten. Die AfD sei mit ihrem Oppositionskurs gegen die schwarz-rot-grüne Regierung „sehr erfolgreich“ gewesen und habe sie im Streit um die Rundfunkgebühren fast zum Zerfall gebracht, sagte Schroeder der Nachrichtenagentur AFP. „Das entscheidende Problem ist eine ostdeutsche CDU, die anders als im Westen keine klare Grenze zur AfD ziehen kann.“
Der Kasseler Politikwissenschaftler erwartet, dass die AfD bei der Landtagswahl am Sonntag „mindestens so stark wie 2016“ wird, als sie 24,3 Prozent erreichte. Er verwies darauf, dass die AfD-Werte in Umfragen häufig niedriger lägen als die tatsächlichen Wahlergebnisse der Partei. So habe sie in Sachsen-Anhalt 2016 über fünf Punkte mehr im Vergleich zu ihren Umfragewerten kurz vor der Wahl erzielt.

Ergebnisse der Landtagswahl 2016 - Und Wahlbeteiligung 2021 bis zum Mittag

Die CDU hatte vor fünf Jahren 29,8 Prozent der Wählerstimmen in Sachsen-Anhalt bekommen. Die AfD kam 2016 auf 24,3 Prozent. Die Linke bekam 16,3 Prozent der Wählerstimmen, die SPD 10,6 Prozent und die Grünen 5,2 Prozent. Die FDP scheiterte mit 4,9 Prozent an der 5-Prozent-Hürde. Der Liberalen haben laut Umfragen Chancen auf den Wiedereinzug in das Magdeburger Parlament.
In Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein unterschiedliches Bild bei der Wahlbeteiligung ab. Bis zum frühen Nachmittag gingen 27,1 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen, wie die Landeswahlleitung mitteilte. Zudem sei mit einem erhöhten Briefwahlanteil zu rechnen, was noch in die Wahlbeteiligung einfließen werde. Bei der Landtagswahl am 13. März 2016 lag die Wahlbeteiligung den Angaben zufolge um 14 Uhr bei 35,4 Prozent, bei geringerem Briefwahlanteil. Der Ausgang der Landtagswahl am Sonntag wird auch bundesweit mit Spannung erwartet.
Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch unter der aus dem Jahr 2016.
Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch unter der aus dem Jahr 2016.
© Foto: DPA

LTW in Sachsen-Anhalt: CSU analysiert Ergebnis in einer Vorstandssitzung

Die Analyse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht im Mittelpunkt einer Vorstandssitzung der CSU am Montag in München. Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt galt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September. CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder wird vor Beginn der Sitzung (9.45 Uhr) eine Stellungnahme abgeben. Nach dem Ende der Sitzung wird sich Generalsekretär Markus Blume den Fragen der Medien stellen.
Die nur in Bayern antretende CSU will nach Angaben ihres Vorsitzenden Markus Söder überdurchschnittlich zum Wahlergebnis der Union beitragen und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) damit möglichst ins Kanzleramt verhelfen. Allerdings hatte auch die kleinere der beiden Schwesterparteien zuletzt in Umfragen Federn lassen müssen. Die Grünen hatten auch in Bayern gegenüber der CSU aufgeholt. Eine weniger bedeutende Rolle als etwa in Sachsen-Anhalt spielt in Bayern dagegen die AfD.