Missbrauchsbeauftragte für Kitas und Schulen, ein besseres Hilfesystem und härtere Strafen für die Täter – mit einem Maßnahmenbündel wollen die Fachpolitiker der Unionsfraktion im Bundestag, Nadine Schön und Marcus Weinberg, Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch schützen. Die kürzlich von der katholischen Kirche vorgestellte Studie zum massenhaften Kindesmissbrauch sei zwar nicht der Anlass gewesen, das Konzept zu erarbeiten, betonten die beiden CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Doch der Bericht der Bischofskonferenz habe eines deutlich gemacht: „Das Risiko besteht fort und verlangt konkrete Handlungen.“
Für Kitas und Schulen soll es künftig umfassende Schutzkonzepte geben. „Wir wollen dafür sorgen, dass sich in jeder Bildungseinrichtung eine speziell dafür ausgebildete Kraft um Verdachtsfälle kümmert“, sagte Weinberg. Für die Betreuung von Opfern forderten die Unionspolitiker unter anderem eine flächendeckende Versorgung mit Trauma-Ambulanzen. Darüber hinaus sollen die rechtlichen Verfahren vereinfacht werden. Vorgeschlagen wird eine Beweissicherung, bei der die Opfer anonym bleiben können, sowie das Vermeiden von Mehrfach-Vernehmungen bei der Polizei und vor Gericht. Zudem möchten Schön und Weinberg die Mindeststrafe für sexuellen Missbrauch von Kindern von sechs Monaten auf ein Jahr erhöhen.
Schön kündigte an, dass die Unionsfraktion das Thema Anfang nächsten Jahres mit dem Koalitionspartner SPD besprechen werde. Dabei befürchte man keine größeren Probleme. Schließlich werde das Vorgehen gegen sexuellen Kindesmissbrauch auch im Koalitionsvertrag als wichtiges Ziel genannt.
Der Deutsche Kinderschutzbund begrüßt zwar, dass die Unionspolitiker bei dem Thema aktiv werden. Doch die Maßnahmen gehen Geschäftsführerin Cordula Lasner-Tietze nicht weit genug. „Wir brauchen Schutzkonzepte nicht nur für Kitas und Schulen, sondern beispielsweise auch für Jugendtreffs und Ferienlager“, sagte sie am Mittwoch dieser Zeitung. Auch sei es sicherlich gerechtfertigt, über härtere Strafen für die Täter nachzudenken. Ziel müsse es doch aber sein, dass es zu solchen Vergehen überhaupt nicht erst kommt. „Deshalb muss der Ausbau von Präventions- und Schutzmaßnahmen dringend stärker in den Blick genommen werden als bisher“, forderte Lasner-Tietze.