Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) hält den Vorschlag für eine „mehr als schräge Idee“. „Kinderlose gegen Familien auszuspielen ist falsch“, sagte er dieser Zeitung. Zudem sei Kinderlosigkeit ja häufig ungewollt. Stattdessen solle man „Wohlhabende und Reiche stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen“.
Auch SPD-Sozialpolitiker Martin Rosemann hält nichts von der Idee. „Familienförderung geht nicht über die Rente. Stattdessen müssen wir Familien finanziell besser unterstützen.“ Für FDP-Pflegeexpertin Nicole Westig will Spahn „wie eine politische Raupe Nimmersatt abkassieren“. Man dürfe weder bestimmte Personengruppen gegeneinander ausspielen, noch nachfolgende Generationen über Gebühr belasten. Spahn solle lieber ein tragfähiges Konzept zur künftigen Finanzierung der Pflege vorlegen.
Das fordert auch Gesundheitspolitikerin Pia Zimmermann von der Linken. Sie plädiert für die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze, die bisher Menschen mit hohen Einkommen unterstütze. „Das wäre gerecht, nicht eine Beitragserhöhung, die nur von den Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen getragen werden müsste. Dagegen hält der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU), die Überlegungen von Spahn „im Prinzip für richtig“. Nur ziehe dieser die Sache von der falschen Seite auf: Schon bei der Pflegeversicherung hätte es lieber eine Beitragssenkung für jedes Kind geben sollen. Generell verwundert über den Vorstoß zeigte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar. Wenn Spahn „eine weitere Differenzierung der Beitragssätze tatsächlich für notwendig hielte, so hätte er diesen Vorschlag beim Gesetzentwurf zur Beitragssatzanpassung in das parlamentarische Verfahren einbringen können“. Schließlich sei der erst am Donnerstag im Bundestag in erster Lesung beraten worden.
Gesundheitsminister Jens Spahn hält höhere Beiträge für Kinderlose für eine Gerechtigkeitsfrage, schließlich bekämen ja „die Alten das Geld von den Jungen – auch, wenn es die Kinder nur der Anderen sind.“ Er sage dies ganz bewusst als „selbst Kinderloser, der bereit ist, finanziell mehr zur Zukunftsfähigkeit des Systems beizutragen.“