„Es ist wohl der schwärzeste Tag in Trier seit dem Zweiten Weltkrieg“, so Bürgermeister Wolfram Leibe (SPD) bei einer Pressekonferenz am Abend. Die Flaggen werden in Rheinland-Pfalz auf halbmast hängen, sagt der Innenminister Roger Lewentz (SPD). In Trier wird an der Porta Nigra ein Ort der Trauer eingerichtet.

Ermittlungen wegen Mordes

Am Mittag ist ein SUV durch die Fußgängerzone in Trier gerast und tötet dabei vier Menschen, darunter ein Baby im Alter von neun Monaten. Zu den Opfern zählen neben dem Baby eine 73-jährige Frau, eine 25 Jahre alte Frau und ein 45 Jahre alter Mann aus Trier. Ein fünftes Opfer ist am Abend an Verletzungen gestorben. Drei weitere Menschen sind schwer verletzt, darunter die Mutter des toten Kindes. Weitere fünf Personen werden in Krankenhäusern behandelt.
Das PS-starke Fahrzeug, so die Erkenntnisse der Polizei, soll in der historischen Stadt an der Mosel von der Basilika über den Hauptmarkt bis zur Porta Nigra gerast sein, dem weltberühmten Stadttor aus der Römerzeit. In der nahen Christophstraße sei der Wagen nach etwa 200 Metern von der Polizei gestoppt und der Fahrer überwältigt worden - „vier Minuten nach Ersthinweis“, wie der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz am Abend in Trier sagt.
Der Fahrer ist festgenommen worden. Die Vernehmung des 51 Jahre alten Mannes aus Trier-Saarburg läuft noch. Wie der Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Abend mitteilte, wird gegen ihn wegen Mordes in vier Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung in „einer Vielzahl von Fällen“ ermittelt. Sein Fahrzeug habe er heimtückisch und gemeingefährlich als Waffe verwendet, so der Staatsanwalt weiter.

Fahrer war betrunken

Wie die Ermittler bei der Pressekonferenz am Abend mitteilten, stand der Fahrer unter „erheblichen“ alkoholischen Einfluss. Man habe einen Atemalkoholwert von 1,4 Promille gemessen. Der Mann hatte nach bisherigen Erkenntnissen keinen festen Wohnsitz, er wohnte in dem Auto. Der SUV, mit dem die Tat begangen wurde, war nicht auf den 51-Jährigen zugelassen, sondern gehörte einer Bekannten.
Der Mann war nicht vorbestraft und auch nicht polizeilich bekannt. Es gibt noch immer keine Erkenntnisse zu einem Motiv. Doch wollen die Ermittler und die Stadt nicht ruhen, bis es Klarheit gibt. „Ich will wissen, warum jemand das tut“, betont Bürgermeister Leibe. „Ob ich darauf eine Antwort bekomme, weiß ich nicht.“
Es gibt außerdem Hinweise darauf, der Mann psychisch krank ist. Ein psychiatrisches Gutachten wird noch erstellt.

Totenglocken läuten, Lichter auf den Treppen am Dom

Teile der Trierer Innenstadt sind nach dem tödlichen Vorfall mit einem Auto weiträumig abgesperrt. Wie Innenminister Lewentz am Nachmittag mitteilte, wird die Polizei bis in die Nacht in der Innenstadt Spuren sichern und untersuchen.
Bischof Ackermann lud am Abend alle Menschen, die wollten, zu einem ökumenischen Gebet im Dom ein. Mehr als 100 Menschen kamen um im Dom für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten. „Ein für Trier schrecklicher Tag geht zu Ende“, sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann. „Fassungslos und traurig sind wir an diesem Abend hier im Dom und in anderen Kirchen unserer Stadt versammelt.“ Nicht nur Trier stehe „unter Schock angesichts der brutalen Gewalttat“.
Auf den Treppenstufen vor dem Altar waren Lichter aufgestellt. Auch in aller Stille wurde gebetet. Man denke zu allererst an die Toten, die „einer blindwütigen Tat zum Opfer gefallen“ seien. „Und wir denken an ihre Angehörigen“, sagte der Bischof. Auch für die Verletzten, die Rettungskräfte und durch die Tat traumatisierte Menschen wurde gebetet.

Die Stadt Trier steht unter Schock

Augenzeugen haben in Trier berichtet, dass Menschen durch die Luft geschleudert worden seien. Mindestens 25 Menschen gelten als traumatisiert. „Es ist unfassbar. Wir sind fassungslos“, sagt eine Bewohnerin eines Hauses, das an die Fußgängerzone grenzt, durch die der Täter gefahren ist. Auf den Kopfsteinpflastern sieht man einen Blutfleck, blutgetränkte Tücher. „Dass so etwas hier in Trier passieren kann, hätte ich nie gedacht“, sagt sie.
Rund 300 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Der Einsatz habe vom Ablauf her sehr gut funktioniert, die Opfer hätten rasch versorgt werden könnten, berichtete der Leiter der Berufsfeuerwehr Trier, Andreas Kirchartz. Die Kliniken in der Stadt hätten sofort auf Notfallbetrieb umgeschaltet, die Patienten hätten unmittelbar dorthin gebracht werden können. Innenminister Lewentz sagte, dass außerdem rund 450 Polizisten im Einsatz waren.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) äußerte sich entsetzt über den tödlichen Vorfall. In einem Post auf Twitter schrieb Dreyer: „Ich bin schockiert und tief erschüttert über die Tat in meiner Heimatstadt Trier. Mein tiefes Beileid gilt den Angehörigen der Toten. Allen Verletzten wünsche ich, dass sie bald und schnell genesen. Danke an alle Einsatzkräfte. Ich bin gleich in Trier.“ Als sie ankommt und eine Pressekonferenz gibt, ist sie sichtlich erschüttert. „Es ist einfach nur furchtbar“, sagt Dreyer. Sie spricht von einer „irrsinnigen Tat“. „Das ist ein schlimmer, schrecklicher Tag.“