"Jetzt neu: Linkspartei erstmals für Auslandseinsätze." So steht es auf einem Plakat, das die linke Partei-Vizevorsitzende Sahra Wagenknecht vor vermutlich russischen Soldaten mit Kalaschnikows zeigt. Wagenknecht hatte zwar in der vergangenen Woche Verständnis für die russische Bevölkerung auf der Krim gezeigt, eine Annexion und den Einsatz militärischer Mittel aber eindeutig abgelehnt. Das focht die grünen Spitzenpolitiker Reinhard Bütikofer, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir nicht an. Sie verbreiteten das Plakat im Internet. Und ernteten reichlich Protest. Vor allem aus den eigenen Reihen. Auf seiner Facebook-Seite musste sich zum Beispiel Parteichef Özdemir folgenden Eintrag von der "Grünen Linken Lübeck" gefallen lassen: "Cem, haben wir als Grüne diese ekelerregende Pöbelei nötig? Hab die Grünen mal mitgegründet. Eine Petra Kelly würde sich im Grab umdrehen." Der Wahlkampfleiter der Grünen, Michael Kellner, hält das Ganze für "keine gelungene Aktion".
Jenseits der Polemik gibt es aber tatsächlich fundamental gegensätzliche Auffassungen zur Situation in der Ukraine seitens der Linken und den meisten Grünen. Während Letztere fast schon romantisierend vom Volksaufstand auf dem Maidan schwärmen, halten die Linken die jetzige Regierung der Ukraine für illegitim und lehnen nicht zuletzt wegen der Beteiligung von Rechtsextremen jedwede Form der Kontaktaufnahme ab. Auf der anderen Seite plädieren sie dafür, auch die Situation Russlands angesichts der Einkreisung durch die Nato zu berücksichtigen. So hat es auch Gregor Gysi in seiner Erwiderung auf die Regierungserklärung der Kanzlerin zum Ausdruck gebracht.
Zwar haben sich so ähnlich auch schon Politiker anderer Parteien geäußert. Trotzdem hielten es die "Netzwerker", ein nach eigenem Verständnis pragmatischer Zusammenschluss innerhalb der SPD, für geboten, den linken Fraktionschef Gregor Gysi von einem für Donnerstag geplanten Treffen wieder auszuladen. Begründung: "Nach der Debatte im Bundestag über die Lage in der Ukraine sehen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Grundlage mehr für ein sachliches und ernsthaftes Gespräch."
Petra Sitte, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken im Bundestag, versucht die zwischen den potenziellen Partnern ausgebrochene Eiszeit mit Humor zu nehmen. "Wir haben ja noch drei Jahre Zeit." Gemeint ist: Für ein rot-rot-grünes Projekt. Dessen Inhalt müsse aber noch gefunden werden. Zur Situation in der Ukraine gebe es, entgegen anderslautenden Berichten, in ihrer Fraktion keinen Streit. Und über die immer wieder durch provokante Twitter-Einträge auffallende Sevim Dagdelen sagt Sitte: "Frau Dagdelen ist in diesem Punkt keine Wortführerin der Fraktion."