Wie sehr freut sich Russland auf die Olympischen Spiele? Was will man der Welt damit zeigen?
Die Spiele sind ein großes Fest für alle Länder und Nationen, und Russland freut sich auf die Ehre, Olympioniken und internationale Gäste empfangen zu dürfen. Wir haben etwas, was wir der Welt zeigen können und worauf wir stolz sind. Vor allem sind das unsere Menschen, die Kultur, freundschaftliche Haltung der Welt gegenüber, aber auch die russische Natur, Technologien und so weiter. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die Olympiade bereits zum zweiten Mal in unser Land kommt. Bei den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau wurde die Messlatte sehr hoch gelegt, deswegen verbindet man sie auch heute mit ausschließlich positiven Erinnerungen. Ich bin überzeugt, dass die Spiele in Sotschi zu einem noch bunteren Fest werden.
Im Westen wird häufig kritisiert, dass es sich um ein politisches Prestigeprojekt von Präsident Putin handelt. Kommt der sportliche Aspekt zu kurz?
Wichtig ist beides. Es wäre einfach dumm, das Prestige der Spiele sowohl für Russland als auch für seinen Präsidenten oder auch für jeden anderen Staat und sein Oberhaupt zu verleugnen. Natürlich ist Wladimir Putin am Erfolg der Spiele interessiert und will wie jeder ordentliche und freundliche Gastgeber diesen Erfolg unbedingt erreichen. Der russische Präsident, selbst ein aktiver Sportler und Sportfan, bemüht sich darum, dass die bevorstehende Olympiade zu einem Sport- und Freundschaftsfest wird und neue Impulse für menschliche Sympathien und Kontakte setzt. Es ist unbegreiflich, wie man daran etwas Anstößiges finden kann.
Die terroristischen Anschläge von Wolgograd haben große Sorgen um die Sicherheit erzeugt. Wie wird dafür gesorgt, dass es trotzdem fröhliche und sichere Spiele werden?
Diese Frage ist eher an die russischen Sicherheitsdienste und die Polizei zu richten. Doch diese haben verständlicherweise ihre professionellen Geheimnisse. Ich kann nur daran erinnern, dass sowohl die Führungskräfte des Internationalen Olympischen Komitees als auch des Russischen Olympischen Komitees über die Sicherheitsmaßnahmen in Sotschi gut informiert sind und diese Maßnahmen als ausreichend und ausführlich bezeichnet haben. Der russische Präsident hat seinerseits in seinem jüngsten Interview bestätigt, dass diese Sicherheitsmaßnahmen unauffällig für Sportler und Fans sein und überhaupt keinen psychologischen Druck ausüben werden.
Wie bewerten Sie die Ankündigung des Bundespräsidenten und der Präsidenten von Frankreich und der USA, nicht nach Sotschi fahren zu wollen?
Ich bin der Auffassung, dass wir hier eher keine Bewertungen brauchen. Die Staatsoberhäupter können ihre Terminkalender selbst bestimmen. Dazu kommt noch, dass viele gar keine Tradition haben, die Olympischen Spiele zu besuchen. Aber es kann auch anders sein. Außerdem könnte dieses Mal in Sotschi sogar ein Rekord aufgestellt werden, was die Anwesenheit der ausländischen Staatschefs angeht. Schon etwa 40 Staatsoberhäupter haben ihre Besuche in der olympischen Hauptstadt 2014 bestätigt. Keine anderen Winterspiele haben bis jetzt so etwas gesehen.
Als Begründung für solche Absagen wird die Sorge um die Menschenrechtslage in Russland genannt, ganz konkret geht es um das Gesetz gegen die Propagierung von Homosexualität und den Umgang mit Kritikern des Präsidenten, wie zum Beispiel der Band Pussy Riot. Hat man in Russland Verständnis für solche Kritik, oder ist man enttäuscht darüber?
In Russland hat man immer Verständnis für Kritik, wenn sie begründet und konstruktiv ist. Insbesondere, wenn es um solch ein heikles Thema wie die Menschenrechte geht. Aber aus meiner Sicht haben wir hier einen komplett anderen Fall. In unserem Land gibt es keine Verbote für homosexuelle Menschen, sie werden nicht in Gefängnisse gesteckt oder verfolgt. Sie können wie alle anderen Bürger arbeiten, studieren, durch die Stadt bummeln. Das Gesetz verbietet nur die Propaganda der Homosexualität unter Minderjährigen. Dieses Gesetz reflektiert vollkommen die Mentalität russischer Menschen, ihre nationalen Traditionen und Moral. Die Umfragen zeigten, dass dieses Gesetz von einer absoluten Mehrheit aller Russen unterstützt wird.
Was die Pussy-Riot-Damen betrifft, so verbüßten sie ihre Strafe nicht wegen der Kritik am Präsidenten, sondern wegen der Gotteslästerung, die bei drei Vierteln der russischen Bevölkerung Empörung erregt hatte.
In den deutsch-russischen Beziehungen fällt der sich immer mehr verstärkende Widerspruch zwischen der intensiven wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit sowie den Misstönen auf politischer Ebene auf. Welche Vorstellung gibt es von der Moskauer Regierung, wie dies verändert werden soll?
Russlands Vorstellungen über unsere bilateralen Beziehungen haben keine Wandlungen erfahren. Nach wie vor hat Moskau Interesse an einer positiven und nachhaltigen Entwicklung unserer Partnerschaft in allen Bereichen, von der Wirtschaft, Kultur und dem humanitären Austausch bis hin zu dem politischen Dialog und Zusammenwirken in internationalen Angelegenheiten. Doch manchmal muss man bei der Gestaltung des politischen Dialogs einen komplizierteren Weg als bei der Umsetzung von kommerziellen Projekten einschlagen. Heftige Auseinandersetzungen und polemische Spannung sind da bereits längst übliche Praxis und müssen nicht unbedingt dramatisiert werden.
Das Wichtigste ist, den Standpunkt des Partners zu respektieren und gegenseitig akzeptable Entscheidungen zu finden. Die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen zeigt ausdrücklich, dass wir solche Entscheidungen in vielen Fragen mehrmals finden konnten.
Welche Erwartungen richten sich an die neue große Koalition in Berlin bezüglich der Zusammenarbeit?
Wir gehen von einer positiven Kontinuität in der Russlandpolitik der deutschen Regierung aus. Zur Förderung unserer Zusammenarbeit wurde bereits ein immenses Potenzial aufgebaut. Beispielsweise wurden die Winterspiele in Sotschi unter aktiver Teilnahme deutscher Partner wie Volkswagen, Siemens, Kärcher, Kannegiesser und anderer vorbereitet. Und die Veranstaltungen im Rahmen des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland und des Jahres der deutschen Sprache und Literatur in Russland, die in diesem Sommer starten, werden zur gegenseitigen Bereicherung der Kulturen beider Ländern beitragen.