Union und SPD hatten sich bereits im Koalitionsvertrag geeinigt, zwei Milliarden Euro für Ganztagsschulen bereitzustellen – auch damit ab 2025 der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz umgesetzt werden kann. Im Zuge des Corona-Konjunkturpakets legte die Koalition noch einmal 1,5 Milliarden Euro oben drauf, von denen die erste Hälfte als Konjunkturimpuls bereits in diesem Jahr fließen soll. Das Geld kann für Hygienemaßnahmen ebenso ausgegeben werden wie für Spiel- und Sportgeräte sowie Planungs- und Baukosten, erläuterte Familienministerin Franziska Giffey (SPD).
Für die Union bedeutet der Beschluss auch eine Anerkennung der Wirklichkeit. Jahrzehntelang hatten die Konservativen die Ganztagsschule bekämpft, weil sie der Berufstätigkeit von Müttern skeptisch gegenüber standen und zudem befürchteten, dass in Erziehungsrechte der Eltern zu stark eingegriffen werde. Das ist vorbei. "Familien profitieren doppelt", lobte Karliczek die Ganztagsschule. Sie ermögliche nicht nur beiden Elternteilen die Berufstätigkeit. Die Schüler profitierten auch durch eine bessere Ausbildung. "Ein modernes Land muss moderne Angebote bieten", so Ministerin Karliczek.
Bedarf größer als das Angebot
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Derzeit nutzt laut Bildungsbericht jeder zweite Grundschüler Ganztagsangebote. Die regionalen Unterschiede sind groß. Während in Hamburg, Thüringen, Sachsen und Brandenburg mehr als vier Fünftel der Kinder Ganztagsschulen besuchen, sind es in Baden-Württemberg 22 Prozent.
"Nach wie vor kann  jedoch ein Teil der Elternwünsche nach Ganztagsbetreuung durch das  vorhandene Angebot nicht  abgedeckt werden", schreiben die Autoren des Bildungsberichts. Sie prognostizieren bis zum Jahr 2025 einen "zusätzlichen Bedarf an 785 000 ganztägigen Plätzen". Oppositionspolitiker befürchten deshalb, dass auch die zusätzlichen Mittel nicht ausreichen. "Um den Rechtsanspruch auf Ganztagsangebote im Grundschulalter zu realisieren, braucht es mehr: hohe Qualitätsstandards, inklusive Angebote für jedes Kind und eine Fachkräfteoffensive", sagte Bildungspolitikerin Margit Stumpp (Grüne).