Vier Monate nach seiner Verhaftung in Neumünster will der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont am Samstag nach Belgien zurückkehren. In seine Heimat Katalonien kann er vorerst nicht reisen, da in Spanien immer noch der Haftbefehl gegen ihn wegen Rebellion in Kraft ist.
Zum Abschied von Berlin, wo der abgesetzte katalanische Regionalpräsident in den vergangenen Wochen gelebt hatte, stellte er sich vor der Bundespressekonferenz den Fragen der Journalisten – die hauptsächlich aus Spanien samt Katalonien kamen. Sie erlebten einen Politiker, der immer noch felsenfest überzeugt ist, dass das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien rechtmäßig war, das er am 1. Oktober unter umstrittenen Bedingungen durchführen ließ.
Das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht hatte den Auslieferungshaftbefehl in der vergangenen Woche aufgehoben. Zuvor hatte das Oberste Gericht in Madrid auf die Auslieferung verzichtet, weil die deutschen Richter nur eine Anklage wegen des Verdachts der Untreue und nicht wegen Rebellion zulassen wollten. Das war den Spaniern zu wenig. Da sie den Haftbefehl aufhoben, kann sich der Ex-Journalist in Europa wieder frei bewegen, nur nicht in Spanien.
Den deutschen Behörden einschließlich der Gefängnismitarbeiter dankte Puigdemont ausdrücklich. Alle hätten ihn mit „außerordentlichem Respekt“ behandelt. Nach Belgien, wohin er sich wegen seiner drohenden Verhaftung Ende Oktober abgesetzt hatte, kehrt er mit vielen Bestätigerbriefen „aus aller Welt“ zurück. Von dort aus will er weiter für die Unabhängigkeit seiner Heimat im Nordosten Spaniens kämpfen und so das „Mandat der Bevölkerung“ ausüben. Er singt zwar das hohe Lied Europas. Aber bisher wollte kein Offizieller der EU mit ihm reden. In Berlin habe er mit den Vertretern von vier Parteien Kontakt gehabt, aber nur inoffiziell. Namen nannte er nicht.
Der Konflikt hatte sich nach dem Regierungswechsel in Spanien Anfang Juni etwas entspannt. Der neue sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez, der auch mit den Stimmen der katalanischen Separatisten gewählt wurde, hatte sich mit Puigdemonts Nachfolger Quim Torra getroffen. Allerdings gab es keine konkreten Ergebnisse. Ob sich Puigdemont von den Gesprächen viel erhofft, bleibt offen. Er sei immer dialogbereit – solange die volle Unabhängigkeit herauskommt.