Drei Tage, nachdem "Harvey" das Festland erreichte, beherrschen Bilder der Verwüstung das Leben in Houston und den Küstengebieten des US-Staates Texas. Tausende der Opfer haben kein Dach mehr über dem Kopf, und die gewaltigen Regenmassen haben Straßen in reißende Flüsse verwandelt. Notunterkünfte sind randvoll, allein das Konferenzzentrum von Houston beherbergt derzeit mehr als 9000 Menschen.
Nun nimmt "Harvey", der im Golf von Mexiko lauerte und zusätzliche Feuchtigkeit angesammelt hat, Kurs auf den östlich gelegenen US-Staat Louisiana. Dort weckten die Wettervorhersagen prompt Erinnerungen an den Jahrhunderthurrikan "Katrina", von dem Louisiana im August2005 heimgesucht worden war. Was er dieser Tage in Texas sehe, sei allerdings "schlimmer als ,Katrina", sagte Michael Brown, der damals Direktor der Bundeskatastrophenbehörde FEMA war.
In den betroffenen Gegenden ist die Infrastruktur fast komplett zusammengebrochen. Wo es keine Stromausfälle gab, die mehr als eine halbe Million Menschen getroffen haben, warnen die Behörden in überschwemmten Gebäuden vor dem Risiko lebensgefährlicher Stromschläge. Wasserkläranlagen sind überschwemmt und könnten zur Verseuchung des Trinkwassers führen. Teilweise steht das Wasser so hoch, dass Familien aus höher gelegenen Etagen von Wohnhäusern mit Booten gerettet werden. Ganze Nachbarschaften liegen in Trümmern, Autos treiben auf dem Hochwasser.
"Es ist unglaublich beängstigend", sagte Stephanie Browning, die mit ihrem Lebensgefährten, den zwei Kindern und Hunden mit einem Rettungsboot aus ihrer Wohnung in der zweiten Etage in Sicherheit gebracht wurde. "Man sieht keine Straßen mehr, sondern nur noch Baumspitzen." Die Familie wird vorübergehend in einer der notdürftig errichteten Notunterkünfte bleiben, die während der vergangenen Tage in Houston, San Antonio, Austin und anderen Städten wie Pilze aus dem Boden schossen. Dutzende soll es davon geben.
Unklarheit besteht noch über die genaue Zahl der Todesopfer, von denen bis Dienstag offiziell fünf gemeldet wurden. Da mehrere Menschen aber unter den Trümmern ihrer Häuser liegen könnten, "dürfen wir nicht ausschließen, dass es deutlich mehr werden" sagte der texanische Gouverneur Greg Abbott.
Am Dienstagnachmittag trafen auch US-Präsident Trump und seine Frau Melania im Krisengebiet ein. "Der Wiederaufbau wird lang und beschwerlich sein", sagte Trump zuvor. "Die Regierung steht bereit, alles Notwendige zu unternehmen, um den Opfern zu helfen."