Dafür haben sich erstmals gesetzliche und private Krankenkassen zusammengetan – insgesamt 92 an der Zahl. Mit dabei sind große Anbieter wie DAK, IKK Classic und Allianz, aber auch eine Vielzahl von Betriebskrankenkassen – von der Audi BKK bis zur WMF BKK. DAK-Chef Andreas Storm sagte, so würden mit einer einheitlichen Anwendung fast 30 Prozent der gesetzlich Versicherten erreicht. Insgesamt sollen so bis zu 25 Millionen Krankenversicherte die Akte nutzen können.
Ab Juli beginnen die ersten der beteiligten Kassen, ihren Versicherten die App kostenlos anzubieten. Die Nutzung ist freiwillig. Speichern lassen sich damit auf dem Smartphone Gesundheitsdaten wie Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten und Impfinformationen. Integrierbar sind aber auch selbst erhobene Daten von Fitnessarmbändern oder einer Apple Watch. Man kann sich von Vivy an Arzttermine, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen erinnern lassen. Auch auf mögliche Wechselwirkungen, wenn man zusätzlich zu verordneten Medikamenten noch rezeptfreie Arznei nehmen möchte, wird der Versicherte hingewiesen.
IKK-Classic-Chef Frank Hippler betonte, „der Versicherte bleibt Herr seiner Daten“. Er entscheide, welche Informationen gespeichert und weitergegeben werden sollen. Die Ärzte müssen den Angaben zufolge für die Übertragung ihrer Daten in die App keine gesonderte Software anschaffen, sondern können sie etwa über die bisher üblichen Wege wie E-Mail oder Fax einspeisen.
Christian Rebernik, Chef der Vivy GmbH, die die Anwendung entwickelt hat, versicherte, dass die App mit der vom Staat verordneten Telematikinfrastruktur, an die gerade die Arztpraxen angeschlossen werden, um die elektronische Gesundheitskarte zum Laufen zu bekommen, kompatibel sei. Für Birgit König, Chef der Allianz private Krankenversicherungen, ist die App „so agil gebaut, dass sich jederzeit neue Ideen, Technologien und Services integrieren lassen“.
Der Markt ist damit stark in Bewegung geraten. Das Selbstbewusstsein der Vivy-Kooperation jedenfalls ist groß. Gertrud Demmler, Vorständin der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), zeigt sich „überzeugt, dass in spätestens zwei Jahren absolut jeder die Gesundheitsakte nutzen wird.“ Die staatlich verfügte elektronische Patientenakte, deren Realisierung sich seit Jahren hinzieht, wäre dann endgültig überflüssig.