„Jupiter“, wie Macron zu Beginn seiner Präsident halb spöttisch, halb bewundernd auch genannt wurde, übersah, dass sein Modernisierungskurs – mehr Effizienz in der Wirtschaft, solide Staatsfinanzen, bezahlbare Sozialsysteme – von den einen als Versprechen, von den anderen als Bedrohung empfunden wurde. Letztere sehen sich als Opfer und schlagen nun zurück: mit Straßenblockaden auf dem Land und nun schon über mehrere Wochenenden mit schwersten Krawallen in Paris; Trittbrettfahrer von der extremen Rechten bis zur extremen Linken inklusive. Ein Problem für Macron: Die den sozialen Protest tragenden „Gelbwestler“ sind politisch amorph, ohne Struktur, ohne Führung, so dass sie als Ansprech- oder Verhandlungspartner nicht zu greifen sind. Sie stellen Forderungen auf, ein Ergebnis auszuhandeln wirft indes die Frage auf: Mit wem eigentlich?
Macron hat jetzt erstmals reagiert – mit einem Angebot, das sich, passend zur Weihnachtszeit, wie die Erfüllung eines Wunschzettels ausnimmt – höherer Mindestlohn, steuerfreie Überstunden, Jahresendbonus etc. Ein buntes Sammelsurium. Wie er das finanzieren will, hat er nicht gesagt. Und völlig offen ist, ob er die „Gelbwestler“ damit besänftigt oder eine Lawine neuer Forderungen lostritt. Denn Gewerkschafter, Bauern, Schüler – sie alle sind auf den „Geschmack“ gekommen. Was vom Reformpräsidenten übrig bleibt, ist ungewiss. Es sieht so aus, als würde „Jupiter“ auf ein irdisches Maß zurückgestutzt.