In Krisenzeiten, in denen die Unzufriedenheit zunimmt, suchen sich die Frustrierten oft schutzlose Opfer, die für die empfundene Ungerechtigkeit büßen sollen. Wenn die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln steigt, dann ist das zumindest ein Warnsignal.
Hierin liegt auch eine Gefahr bei den Protesten gegen die Corona-Politik der Regierung. Sollte es rechten Gruppen gelingen, diese Demonstra­tionen zu unterwandern und für ihre Zwecke einzuspannen, könnte der demokratische Protest in Gewalt umschlagen. Theorien über eine angebliche Weltverschwörung tun dabei ihr Übriges. Denn es ist absehbar, dass ein Teil der Menschen in Deutschland sich als Verlierer der Krise empfinden werden – wenn Arbeitsplätze wegfallen, Unternehmen schließen müssen oder schlicht die Kinder in der Schule nicht mehr mitkommen, weil sie in diesem Schuljahr kaum noch dort anwesend sein werden.
Jeder, der sich den gegenwärtigen Protesten anschließt, ist gut beraten zu schauen, wer sie jeweils organisiert und unter welches Motto sie gestellt werden. Das kann von ehrlich Empörten bis hin zu Neonazis gehen. Wenn Redner vor der großen "Umvolkung" warnen, kann man sicher sein, dass hier Rechtsextreme am Werk sind, die Anschluss an die Mitte der Gesellschaft suchen.